Nach dem 2:1 (0:0)-Derbysieg des TSV Grün-Weiß Kleinmühlingen/Zens bei der SG Gnadau, der erst in der Nachspielzeit durch einen Treffer mit Seltenheitswert entschieden wurde, könnten die Ausgangslagen unterschiedlicher kaum sein. Während der TSV sich an der Spitze festsetzte, wartet die SGG weiter auf den ersten Sieg der noch jungen Saison in der Fußball-Landesklasse.

Gnadau/Kleinmühlingen l Sebastian Pape, Trainer der Gnadauer, sieht trotz des vorletzten Tabellenplatzes keinen Grund, eine Krise auszurufen. "Wir haben ja noch ein Nachholspiel zu bestreiten und müssen die jetzige Situation in eine positive umwandeln." Trotz des nach vorn gerichteten Blicks wurmt ihn die Niederlage noch. "So schnell hakt man das nicht ab." Insbesondere ärgerte ihn die Entscheidung des Unparteiischen, nach zwei angezeigten Minuten noch eine draufzupacken. "Ein Schiedsrichter muss das Spiel lesen können. Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen und so kam es nur zu unnötigen Emotionen", haderte Pape. Sein Gegenüber, Mario Katte, entschärfte allerdings die Gnadauer Aufregung über die Nachspielzeit: "Der Treffer fiel nach 91 Minuten und 40 Sekunden." Außerdem seien die zusätzlichen Minuten gerechtfertigt gewesen, da sich Gnadaus Schlussmann Julian Kerzel in der Schlussphase behandeln ließ.

Einen weiteren Grund für Nachspielzeit lieferte die Rote Karte für Gnadaus Kapitän Sven Nicolaus. In der 75. Minute ließ er seinem Frust freien Lauf. Ein Mitspieler lag verletzt am Boden. Nicolaus beförderte den Ball direkt vor der gegnerischen Coachingzone mit Wucht in Richtung Bank. Zuvor "war niemand dazu bereit, den Ball ins Aus zu spielen", erklärte Pape die Situation. Auch der Schiedsrichter pfiff nicht ab. "Sven hat sich direkt nach der Situation bei den Betreuern entschuldigt."

Es war nicht die einzige Szene, in der es übermoviert zu Werke ging. Insbesondere Kevin Junge bekam von den Gastgebern ordentlich auf die Socken. "Aber er ist immer wieder aufgestanden", lobte Katte. Junge entpuppte sich vorn als Unruheherd und "brachte uns ein ums andere Mal in Verlegenheit", erkannte Pape an. Nach einem harten Einsteigen von Gnadaus Michael Rudloff sah es zunächst nicht danach aus. Zwar traf er auch den Ball, er nahm jedoch ein hohes Risiko in Kauf. Über einen Strafstoß hätten sich die Gastgeber nicht beschweren dürfen. Kurz darauf wurde jedoch auch Marcus Rasche unsanft von den Beinen geholt. Ein Pfiff ertönte ebenfalls nicht. "Da hat es sich wieder ausgeglichen", sagte Katte. "Es war Feuer in der Partie, aber das gehört in einem Derby dazu", betonte Pape.

Von ausgleichender Gerechtigkeit kann jedoch nicht die Rede sein, wenn man sich den gesamten Spielverlauf und das Ergebnis ansieht. Gnadau investierte viel. Vor allem Thomas Fraundorf bereitete den Grün-Weißen Probleme. Aber wenn die Gastgeber gefährlich wurden, war Mühlingens Keeper Jens Ulrich zur Stelle. "Er hat das Spiel für uns gewonnen", schwärmte Katte. Selbst bei einem platzierten Kopfball gegen die Laufrichtung tauchte er blitzschnell ab. Auch Pape kam um ein Lob nicht herum: "Das war schon sensationell."

Lobende Worte hatte er nicht nur für Ulrich übrig. Trotz der Niederlage zog Pape positive Schlüsse. "Wir waren am Drücker, hätten mit einer besseren Chancenverwertung sogar gewinnen können. Unsere Leistung war mindestens ebenbürtig, darauf können wir aufbauen." Einen kleinen Bruch bekam das Gnadauer Spiel erst durch die verletzungbedingten Auswechselungen von Rudloff und Steven Hoffmann, die eine sichere Bank waren.

Wenig überraschend zog auch Katte ein positives Fazit. "Wir sind gut in die Saison gestartet." Doch er wusste, dass ein Punkt vielleicht gerechter gewesen wäre. "Wir waren vorn zu ängstlich. Am Ende war es ein glücklicher Sieg. Fußball kann so brutal sein."

Da die Partie bereits am Freitagabend stattfand, waren auch die Sichtbedingungen nicht die besten. "Zum Schluss war es schon grenzwertig. Aber das galt ja für beide Seiten", so Pape. Den Gnadauern wäre es sicher lieber gewesen, wenn es in der 92. Minute bereits so finster gewesen wäre, dass Denny Klepel den Ball nicht mehr gesehen hätte und sein Sonntagsschuss in der Dunkelheit verpufft wäre.

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