Torsten Brinkmann hatte sich seinen Besuch im "alten Wohnzimmer" sicher anders vorgestellt. Doch die TSG Calbe unterlag dem VfB Germania Halberstadt II in der Fußball-Landesliga mit 1:3 (0:2). Der Grund war schnell gefunden: Die Saalestädter fanden in der ersten Halbzeit keinen Zugriff.

Halberstadt l "Wir hatten wohl zu viel Respekt vor dem Gegner", haderte Brinkmann. Das schlug sich bereits nach zwei Minuten im bitteren 0:1-Rückstand nieder. Über die rechte Seite erfolgte ein schneller Angriff, ein Pass in den Strafraum, wo Tom Fraus goldrichtig stand. "Damit war die geplante Taktik, aus einer sicheren Defensive das Spiel aufzuziehen, erst einmal dahin", musste der TSG-Coach zugeben.

Im Verlauf der ersten Hälfte änderte sich an der Einstellung der Saalestädter wenig. Die Zweikämpfe wurden nicht konsequent angenommen, zusätzliche Laufwege gescheut. Hinzu kam eine große Baustelle in der linken Defensive, die Halberstadts Reserve eiskalt nutzte. Germania-Topstürmer Denny Piele setzte sich nach einem Konter im Eins-gegen-Eins gegen Calbes Kapitän Marcel Würlich durch und schob zum 2:0 (16.) ein.

Danach ging offensiv bei den Gästen kaum noch etwas. Die TSG versuchte, ihre Abwehr zu stabilisieren und weitere Gegentreffer zu verhindern. Als ein großer Rückhalt erwies sich dabei Keeper Benjamin Richter. "In den vergangenen Partien musste ich ihn das ein oder andere mal anzählen, aber gegen Halberstadt hat er eine sehr gute Leistung abgeliefert", lobte Brinkmann seinen Torwart. Richter verhinderte mit mehreren Paraden, dass der Rückstand seiner Mannschaft anwuchs.

In der Kabine mahnte Brinkmann seine Elf, den Respekt abzulegen und die Köpfe nicht hängen zu lassen. Zudem stellte er auf zwei Stürmer um. Diese Maßnahme zeigte Wirkung. Gerade einmal fünf Minuten der zweiten Hälfte waren gespielt, da fiel auch schon der Anschlusstreffer. August Schultz ließ Halberstadts Keeper stehen und netzte problemlos ein.

"Das Anschlusstor hat uns wieder Mut gemacht", so Brinkmann. "Danach haben wir die Partie auf Augenhöhe gestalten können und das Geschehen sogar zeitweise bestimmt." Calbe hatte noch einige gute Gelegenheiten und war dem 2:2 näher als Halberstadt dem 3:1. So stand etwa Kai Rathsack frei vor dem Germania-Tor, konnte sich aber im Eins-gegen-Eins nicht durchsetzen. Auch Schultz hatte das 2:2 auf dem Fuß, schoss aber über den Kasten.

Aber wie es im Fußball so ist, schlägt das Pech meist sehr hart zu. So wurde in der 70. Minute ein "fragwürdiger Handelfmeter gegeben". Germania-Kapitän Florian Köhlert trat an und verwandelte zum 3:1-Endstand. "Die Niederlage lag aber keinesfalls an dieser Situation", betonte Brinkmann. "Wenn wir uns in der ersten Hälfte nicht so gescheut und von Beginn an mit vollem Einsatz gespielt hätten, dann wäre mehr drin gewesen."

Nach dieser Niederlage findet sich die TSG nun im Tabellenkeller (Platz 14) wieder. Da gilt es nun, vor allem "die Moral in der Mannschaft aufrecht zu erhalten". Brinkmann wusste allerdings, was er genau mit seinen Schützlingen besprechen muss. "Es stellt sich eigentlich nur die Frage, warum wir unser Potenzial nicht über 90 Minuten abrufen. Wir haben in der zweiten Halbzeit gegen Halberstadt schließlich gezeigt, was wir können. Es geht also nicht so sehr darum, auszuwerten, was schlecht lief, sondern auch, was gut lief und die Jungs dann zu fragen, was sie in den ersten Spielminuten bremst."

Calbe: Richter - Noack, Harms, Schultz, Fiser, Adrian, Rathsack, Bergholz (39. Schmidt), Voigt, Tang Ngoc (81.Trappiel), Würlich

Tore: 1:0 Tom Fraus (2.), 2:0 Denny Piele (16.), 2:1 August Schultz (50.), 3:1 Florian Köhlert (70. HE); SR: Stefan Nowak (Hornhausen)