Ganz großes Kino bot die TSG Calbe im Spitzenspiel der Sachsen-Anhalt-Liga gegen den bis dato Tabellenführer HSV Magdeburg. Mit einem 37:30 (20:12)-Erfolg stürzten die Saalestädter die Gäste vom Thron und halten das Titelrennen extrem spannend. Neben dem besten Werfer Christian Hübner (12) stach vor allem Felix Kralik in der Defensive gegen den Rückraumhünen Michael Jahns hervor.

Calbe l Den Schockmoment gab es nach 28:41 Minuten. Maximilian Schulz vom HSV wurde in der Abwehr am eigenen Kreis plötzlich bewusstlos und kippte um - ohne Einwirkung von Gegner oder Mitspieler. "Es war wohl der Kreislauf, stressbedingt", wurde TSG-Coach Peter Weiß von den Magdeburgern berichtet. Calbe unterbrach sein Angriffsspiel sofort, René Hulha eilte zur Hilfe und auch Physiotherapeutin Tanja Zapke unterstützte. Nach ein paar Minuten war Schulz wieder so weit hergestellt, dass er untergehakt von Calbes Hübner und Matthias Krüger an die Seite getragen werden konnte. Dort wurde er jedoch erneut bewusstlos, sodass an ein Weiterspielen nicht zu denken war. Nachdem die sehr schnell anwesenden Notärzte eine Behandlung vor Ort angewiesen hatten, blieb die Partie für insgesamt 30 Minuten unterbrochen, erst danach konnte Schulz auf einer Trage ins Krankenhaus gebracht werden. "Da rückt das Spiel in den Hintergrund. Wichtig war, dass er wieder gesund wurde", betonte Weiß. "Noch am späten Abend ist er wohl wieder nach Hause geschickt worden."

Zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs führte die TSG bereits mit 16:10, weil "unser Konzept sehr gut aufgegangen ist". Einen immensen Anteil daran hatte der überragende Felix Kralik, der in einer 5-1-Deckung auf Spitze gegen Michael Jahns verteidigte. Er hielt den 2,03 Meter großen "Shooter" nicht nur vom Werfen ab, er fiel auch nicht auf die "Übersteiger" ein und raubte dem international erfahrenen Athleten sogar die Nerven. Bereits nach 13 Minuten warf er den Ball wütend auf den Boden und sah dafür die Gelbe Karte, nachdem Kralik ihn energisch am Wurf hinderte - mit fairen Mitteln.

"Wir haben von Anfang an Druck erzeugen können. In der Deckung und im Stellungsspiel mit dem Torhüter hat alles funktioniert. Wir sind gleich mit 4:0 in Führung gegangen. Das war wichtig", lobte Weiß. "Den Vorsprung konnten wir dann verwalten."

Auch nach der Behandlungspause von Magdeburgs Schulz war Calbe frischer, erhöhte gleich durch Maximilian Weiß zum 19:12 von Linksaußen und durch Martin Sowa zum 20:12 aus dem Rückraum.

In der zweiten Hälfte lief es zunächst weiter so gut für die Gastgeber, Sowa setzte sich am Kreis gegen Jahns durch und erzielte die 25:17-Führung (42.). In der Folge ließ das Team jedoch nach, schloss zu hektisch ab, agierte zuweilen übereifrig und produzierte neun Ballverluste und vier Fehlwürfe. Zudem kassierte die TSG sieben seiner neun Zeitstrafen in der zweiten Hälfte, musste einige Situationen gar in doppelter Unterzahl überstehen. Doch Magdeburg verkürzte lediglich bis zum 20:25 (46.), bevor Lucas Marschall nach gutem Anspiel von Sowa zum 26:20 traf, Jahns nach unfairem Zweikampf gegen Sowa eine Zeitstrafe erhielt und Hübner mit seinem super Dreher aus spitzem Winkel zum 30:23 (51.). traf.

"Es war ein sehr aufreibendes Spiel. Einige Spieler brauchten Pausen. Doch es gab nie einem Bruch im Spiel. Auch die Wechselspieler haben starke Leistungen gezeigt. Es hat alles funktioniert", lobte ein zufriedener Coach. Ganz großes Kino eben.

TSG Calbe: Wiederhold, Bertram - Barby (2), Krause (2), Gieraths (1), Hulha (2), Kaiser (2), Rätzel, Marschall (1), Weiß (5), Sowa (5/1), Kralik (5), Hübner (12)

HSV Magdeburg: Wiesner, Spandu - C. Schulz (4/1), Krüger (1), Brunsendorf (2), A. Jahns (2), Pigorsch, Krug (1), M. Jahns (8), M. Schulz, Poek (10/1), Krämer (2)

Siebenmeter: Calbe 3/1 - Magdeburg 2/1; Zeitstrafen: Calbe 9 - Magdeburg 3