Sie sind beide erst 16 Jahre alt, können aber schon auf eine ganze Reihe von Erfolgen zurückschauen. 2014 regnete es geradezu Medaillen für Elly Ladebeck und Juliane Hergert. Die beiden Kanutinnen starten inzwischen für den SC Magdeburg; ihr Handwerk lernten sie aber beim Schönebecker SC.

Schönebeck/Magdeburg l Es fing alles zufällig an. Elly besuchte im Winter 2006 das Bootshaus des SSC zusammen mit ihrer Schulklasse. Aber der Ausflug begeisterte sie so sehr, dass sie wiederkam und blieb. Obwohl es für Elly nicht gleich aufs Wasser, sondern erst einmal für Trockenübungen in die Halle ging, "fand ich das Training klasse." Die große Motivation fiel auch ihrem Trainer Ralf Arndt auf. Dennoch überraschte es ihn, dass Elly im Frühjahr 2007 mit einer Freundin ins Bootshaus kam. Diese Freundin war Julia Hergert. Und auch sie ließ sich vom Kanusport anstecken.

Erste Wettkämpfe lassen nicht lange auf sich warten

Und von Ellys großer Begeisterung. "Beide kamen drei bis fünfmal in der Woche zum Training. Das ist schon beachtlich", lobte Arndt. Die Freude ließ auch nicht nach, als es das erste Mal aufs Wasser ging - was für beide Mädchen ein ziemlich nasses Ende nahm. "Das Wasser war zwar nicht mehr so kalt, aber trotzdem war ich erstmal geschockt, als das Boot mit mir umkippte."

Aber es hieß für beide "Augen zu und durch". Denn bereits 2007 standen die ersten Wettkämpfe auf dem Programm. Für Elly ging es zum ersten Mal in Friedersdorf auf die Strecke, Julia startete erstmals in Wolfsburg. "Ich war sehr aufgeregt, weil ich erst zweimal richtig gepaddelt war und ich nicht versagen wollte." Diese große Nervosität hat sie bis heute nicht völlig ablegen können. "Ich setzte mich vielleicht selbst zu sehr unter Druck."

Elly sieht es dagegen lockerer. "Ich bin zwar auch immer nervös, aber es geht schon. Das mag aber auch daran liegen, dass ich nicht ganz so ehrgeizig bin wie Julia."

Ein Erfolgsduo, das perfekt harmoniert

Die beiden ergänzen sich aber nicht nur in der Nervosität. Inzwischen haben sie sich zu einem echten Erfolgs-Duo entwickelt. "Wir harmonieren sehr gut", erklärt Elly. "Wir sind beide sportlich ungefähr auf demselben Niveau. Ich komme allerdings immer besser aus dem Start, habe dafür aber für den Endspurt nicht mehr so viel Kraft. Diese hat dagegen Julia. Dafür hat sie Startschwierigkeiten." Wenn einer schnell startet und der andere hinten lange durchhält, dann ist es kein Wunder, dass gleich bei mehreren Regatten der erste Platz im Zweier heraussprang.

So siegten die beiden Schönebeckerinnen etwa bei den Landesmeisterschaften im April in Magdeburg über die 3000 Meter und über die 2000 Meter bei den Junioren. Bei den ostdeutschen Meisterschaften im Juni ergatterten sie sich über 500 Meter die Goldmedaille.

Aber auch solo sind beide überaus erfolgreich. So wurde Elly etwa Erste bei den deutschen Meisterschaften in Hamburg über 500 Meter, Julia folgte ihr auf Platz zwei. Bei den ostdeutschen Meisterschaften sprang für beide Gold heraus. "Dieses Turnier war für uns besonders wichtig", erklärt Julia. "Wir starteten zum ersten Mal im älteren Jahrgang. Wir hatten uns zwar das Ziel gesetzt, im Zweier eine Medaille zuholen, haben sie dann aber jeweils im Einer erreicht. Das war eine große Erleichterung für mich, denn ich konnte vollkommen befreit in die restlichen Wettkämpfe der Regatta starten, weil ich ja schon etwas erreicht hatte."

"Ich dachte nicht, dass ich so schnell unterwegs war", ergänzt Elly. "Ich hatte mir eigentlich im Einer kaum etwas vorgenommen, sondern mich eher auf den Zwei konzentriert." Umso stolzer war die 16-Jährige, als ihr die Goldmedaille um den Hals gehängt wurde.

Sport und Beruf sollen später Hand in Hand gehen

Bei soviel Erfolg im Sport kann man auch schon einmal das Privatleben vergessen. "Aber dafür sind unsere Eltern da", gibt Elly schmunzelnd zu. "Sie erinnern uns daran, dass der Sport zwar wichtig ist, wir aber auch die Schule nicht aus den Augen lassen dürfen." Beide Mädchen gehen in die 10. Klasse des Sportinternats in Magdeburg. Klare Vorstellungen, was sie einmal beruflich machen wollen, haben sie aber schon, zumindest grob. "Ich würde gerne einen Bürojob antreten", erzählt Julia. Elly überlegt, zu studieren, vielleicht Psychologie. "In diesem Fach bin ich ziemlich gut." Außerdem liegen beiden die Sprachen. Elly vor allem Englisch, Julia ist besser in Französisch.

Allerdings wäre es ideal, "Sport und Beruf zu verbinden". Deshalb könnten sich beiden auch vorstellen, "ein Studium über die Bundeswehr aufzunehmen oder sogar zur Polizei zugehen", verrät Julia. "Aber dafür muss man Erfolge auf internationaler Ebene vorweisen können." Deshalb trainieren beide fleißig weiter, um sich auch einem Publikum außerhalb Deutschlands zu präsentieren. Elly hat bereits einen ersten erfolgreichen Testlauf hinter sich. Sie trat bei den Olympic Hope Games in Tschechien im September an und wurde im Einer Neunte. Im Zweier sprang über 200 Meter der sechste Platz heraus und über 1000 Meter belegte Elly im Vierer den fünften Rang.