Peter Weiß hatte nun durchaus Verständnis für den Auftritt der TSG Calbe, die trotz des 29:18 (13:10)-Erfolgs über den HV Wernigerode nicht gänzlich überzeugt hat. Am Ende behaupteten die Handballer aber die Tabellenführung in der Sachsen-Anhalt-Liga.

Calbe l "Man kann nicht in allen Spielen gleich gut auftreten", relativierte der TSG-Trainer die durchwachsene erste Hälfte seiner Schützlinge. "Wir haben in der Abwehr nicht die richtige Einstellung gefunden, im Deckungsverhalten viele Fehler begangen." So traten die Calbenser zuweilen zu spät auf den Rückraum hinaus, schlossen die Lücken zu spät oder waren schlichtweg falsch positioniert. Somit hatte auch Keeper Stefan Wiederhold einen schweren Stand, kam auf fünf Paraden. Da die Gäste aber acht Fehlwürfe produzierten, ging die TSG mit einem knappen Vorsprung in die Kabine. "Die Jungs wollten unbedingt gewinnen. Als es nicht gleich lief, kam unnötig Hektik auf. Man muss auch an Tagen, an denen es nicht so läuft wie erhofft, vorn bleiben und das Spiel nach Hause bringen."

Somit fand auch HVW-Trainer Björn Ahlsleben lobende Worte für seine acht Feldspieler: "Wir haben in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt, überzeugt, super gekämpft und waren auch in der Abwehr konzentriert."

Nach dem Wechsel stellte Calbe um, minimierte mit Daniel Gieraths auf Mitte den Angriff-Deckungs-Wechsel und legte sogleich einen 5:1-Lauf zum 18:11 hin, der die Vorentscheidung bedeutete. In der Folge "hatte ich nie das Gefühl, dass wir das Spiel verlieren könnten", sagte Weiß, wenngleich der Vorsprung zuweilen schmolz. "In dieser Phase hatten wir die Möglichkeit, weiter zu verkürzen. Doch mit zunehmender Dauer machte sich der Kräfteverschleiß bemerkbar", erklärte Alsleben.

Weiß gab schließlich Spielern wie Ronny Krause oder Lucas Marschall, die sonst nicht so viele Anteile erhalten, die Chance, Einsatzzeiten zu sammeln und wieder den Rhythmus zu finden. Zudem konnte beispielsweise Felix Kralik etwas geschont werden. Da nun auch die Abwehr wieder besser arbeitete, kämpfte sich Wiederhold in die Partie und entschärfte 13 Würfe auf seinen Kasten, darunter drei Siebenmeter.

In den letzten Minuten konterte sich die TSG somit zum deutlichen Erfolg. "Das war unser Fehler. Wir waren nicht clever genug, das Tempo aus der Partie zu nehmen. Stattdessen haben wir die Angriffe zu schnell abgeschlossen und am Ende deutlich zu hoch verloren", haderte Ahlsleben. "Dennoch spreche ich der Mannschat mein Kompliment aus. Sie hat trotz der personellen Lage richtig gut gespielt, über 60 Minuten toll gekämpft und, soweit die Kraft reichte, Druck erzeugt. In einigen Situationen war die fehlende Abstimmung zu erkennen, zudem mussten wir ohne gelernten Linksaußen antreten."

Bei der TSG konzentriert man sich nun auf die bevorstehenden Aufgaben und ist gewarnt, den kommenden Gegner, die HSG Wolfen (13.), auf die leichte Schulter zu nehmen.

TSG Calbe: Wiederhold, Giesemann - Walther, Barby (3), Krause (5/2), Gieraths (1), Hulha, Rätzel, Marschall (2), Weiß (3), Sowa (4/1), Kralik (3), Hübner (6), Kaiser (2)

HV Wernigerode: Wisotzky, Zimmermann - Czaja (6), Meißner, Hoffmann (3), Czordas (7), Nierlein (1), Karau (1), Rühlmann, Dieterich

Siebenmeter: Calbe 4/3 - Wernigerode 4/1; Zeitstrafen: Calbe 2 - Wernigerode 2