Wolfen/Calbe (fna) l Auf ihre Fans kann sich die TSG Calbe verlassen, frei nach dem Motto: "Wie mache ich das Match in Wolfen zum Heimspiel?" Mehr als 80 Zuschauer hatten den Sachsen-Anhalt-Ligisten begleitet. "Der Bus war rappelvoll, kein Platz war mehr frei", berichtete Trainer Peter Weiß. Und auch mit privaten Pkw reisten die Zuschauer den Handballern hinterher. Angesichts des 39:17 (25:8)-Erfolgs bei der HSG hatte sich der Ausflug am Sonnabend absolut gelohnt - zumindest wenn man es mit den Saalstädtern hält.

Und für eben jene Fans hatte der Coach Wiedergutmachung gefordert - zumindest für die erste Halbzeit gegen den HV Wernigerode, in der seine Schützlinge die Vorgaben nicht umgesetzt hatten. Diesmal war ihnen ein viel besserer Start gelungen. "Wir haben losgelegt wie die Feuerwehr." Die Defensive, die praktisch den Mannschaftsbus vorm Kreis geparkt hatte und nur wenige Würfe zuließ, sorgte zusätzlich für Ballgewinne, die in einfache Treffer nach Kontern umgemünzt wurden. Ron Barby hatte sogleich mit vier Treffern in Folge "den Torreigen eröffnet".

In der Folge kamen die Calbenser weiter überfallartig - und immer lief jemand anders den Tempogegenstoß. "Sie haben sich quasi in Gruppen aufgeteilt, jeder war mal vorn", hatte Weiß beobachtet. Und so gelang es jedem Feldspieler, sich in die Torschützenliste einzutragen.

Wolfen war in den ersten 30 Minuten komplett überfordert. Der erste Treffer gelang erst nach fünf Minuten, der zweite nach acht. Die HSG "hat schon versucht, das Tempo zu verschleppen, die Angriffe lange auszuspielen. Teilweise war das Stand-Handball. Dennoch haben wir 25 Tore in der ersten Halbzeit erzielt. Das war schon eine super Leistung", lobte der Trainer. Über die Zwischenstände 14:3 (16.) und 19:4 (20.) war die Partie spätestens zur Halbzeit vorentschieden.

Neben der guten Abwehr hatte auch Torhüter Daniel Bertram einen großen Anteil am Erfolg. Die wenigen Würfe der Gastgeber, die einen Weg durch die Deckung fanden, konnte er größtenteils noch parieren, nach 30 Minuten standen bereits elf gehaltene Bälle auf seinem Konto.

Nach dem Wechsel stellte die TSG um, gab allen Spielanteile. So konnte beispielsweise Christian Hübner geschont werden. Dafür hatte ein anderer seinen großen Auftritt. Der A-Jugendliche Marius Schwarz durfte nicht nur erstmals bei den Männern auflaufen, er spielte sogar 15 Minuten lang. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte sich für die Fans der lange Weg nach Wolfen gelohnt. Schwarz gelang nämlich auch noch sein erster Treffer in der Sachsen-Anhalt-Liga der Männer. "Da sind die Mannschaftsbank und die Zuschauer aufgesprungen und haben gejubelt", sagte Weiß. "Die Fans waren völlig aus dem Häuschen." Und so war es auch zu verschmerzen, dass die Gäste die Konzentration nicht über die gesamten 60 Minuten halten konnten, die zweite Hälfte lediglich 13 Tore warfen und einige Fehler produzierten.

Neben den Fans waren auch "Spione" der SG Kühnau vor Ort, die das Match gefilmt hatten. Viele Erkenntnisse dürfte dies zwar nicht gebracht haben, doch die TSG-Spieler tankten reichlich Selbstvertrauen. "Kühnau kann kommen. Wir haben nach der 22:23-Niederlage im Hinspiel noch eine Rechnung offen." Für eine Revanche sind wieder die Fans gefragt. Aber darauf kann sich die TSG ja verlassen.

Calbe: Wiederhold, Bertram - Schwarz (2), Hulha (2), Barby (6), Rätzel (1), Marschall (2), Kaiser (1), Sowa (2), Gieraths (2), Krause (7), Kralik (9), Hübner (5)

Siebenmeter: Wolfen 3/2 - Calbe 7/5; Zeitstrafen: Wolfen 6 - Calbe 4