Seehausen (nrc) l Man hat sich als Fan der TSG Calbe wohl inzwischen daran gewöhnt, dass die Handballer ihre Partien mit mindestens sieben Toren Unterschied gewinnen. Dies setzt jedoch voraus, dass die Mannschaft auch ihre Leistungen abruft. Doch genau das tat die TSG bei der SG Seehausen nicht. Mit 26:25 (13:10) zitterte sich Calbe zu einem Arbeitssieg beim Zwölften der Sachsen-Anhalt-Liga.

"Wir müssen uns bei den mitgereisten Fans für diese schlechte Leistung entschuldigen", sagte TSG-Trainer Peter Weiß. Im Vorfeld hatte er von einer harten und kämpferischen Partie gespochen, in der Seehausen alles geben würde, um Punkte gegen den drohenden Abstieg zu sammeln.

Und er sollte Recht behalten. "Man muss der Mannschaft von Seehausen ein ganz großes Kompliment aussprechen. Sie hat wirklich bis zuletzt alles gegeben." Einen solchen Einsatz hätte sich der Coach auch von seinem eigenen Team gewünscht. Doch davon war wenig zu sehen. Lediglich Daniel Gieraths im Mittelblock und Lucas Marschall auf Mitte versuchten, die Mannschaft nach vorn zu treiben. "Aber ihr Funke ist nicht auf die anderen übergesprungen."

Calbe verlief sich in Einzelaktionen. Dies führte im Angriff dazu, dass die Bälle verworfen, Pässe nicht beim Mitspieler ankamen oder gar abgefangen wurden. "Wir hatten insgesamt 34 Ballverluste und 21 Fehlwürfe", haderte Weiß. "Das ist eindeutig zu viel."

Von Beginn an war der Wurm drin. Nach sechs Minuten stand es 2:1, nach neun 3:3. "Wir haben überhaupt nicht in den Rhythmus gefunden." Erst in den letzten zehn Minuten konnten die Gäste mit drei Toren in Führung gehen und diesen Vorsprung bis zur Pause halten. "Es lag am Angriff. Hier fand überhaupt kein Zusammenspiel statt. Jeder wollte allein aufs Tor werfen", sagte Weiß und mahnte in der Kabine zur Ruhe und Teamarbeit.

Aber seine Mannschaft behielt auch in der zweiten Hälfte das Schema der Einzelaktionen bei. Marschall, den der Trainer in Angriff und Abwehr immer wieder mit Gieraths wechselte, spielte seine Teamkollegen an, lief sich frei, wurde aber gekonnt ignoriert. "Jeder hat gemacht, was er wollte", sagte Weiß verärgert. "Im Grunde hat nicht das bessere Team, sondern das glücklichere gewonnen. Ich vermute, die Jungs haben sich von der Tabellensituation blenden lassen. Aber wir haben gesehen, dass man niemanden unterschätzen darf."

Calbe: Wiederhold - Krause (5/3), Gieraths (2), Kaier (4), Rätzel, Marschall (2), Weiß (1), Sowa (2/2), Kralik (3), Hübner (7)

Siebenmeter: Seehausen 4/3 - Calbe 5/5; Zeitstrafen: Seehausen 2- Calbe 3

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