Überspitzt könnte man meinen, die TSG Calbe könne sich morgen den Anfahrtsweg von rund 60 Kilometern sparen. Ab 15 Uhr gastiert der Siebte der Fußball-Landesliga beim souveränen Spitzenreiter vom Burger BC 08. Doch dass dem Ligaprimus 90 herausfordernde Minuten bevorstehen, glaubt nicht nur ein einstiger Weggefährte.

Burg/Calbe l Vor ziemlich genau einem Jahr, am 15. März 2014, hatte die TSG den BBC schon beinahe dort, wo sie ihn morgen gegen 16.45 Uhr am liebsten sehen würde. Pech nur aus Calbenser Sicht, dass die Burger seinerzeit gegen 16.46 Uhr durch einen Treffer in letzter Minute mit 2:1 die Oberhand im Hegerstadion behielten. Damals reichlich geknickt, heute auf der Trainerbank des souveränen Spitzenreiters zu finden: Calbes Ex-Coach Thomas Sauer, der die Trainingswoche natürlich auch genutzt hat, sein aktuelles Team vor den Qualitäten der ehemaligen Schützlinge zu warnen: "Calbe ist ein unbequemer, individuell stark besetzter Gegner."

Amtsnachfolger Torsten Brinkmann würde das Lob sicher wohlwollend aufnehmen. Allerdings fehlt dem TSG-Trainer derzeit zur Qualität die Quantität: "Unsere Personaldecke ist sehr dünn. Da kann kein Konkurrenzkampf entstehen, den man sich als Trainer wünschen würde."

Selbiger wäre vermutlich ein wichtiges Puzzlestück, damit auch die Ergebnisse wieder passen. Die morgigen Gäste sind bekanntlich mit zwei Punkten aus vier Spielen denkbar schlecht ins neue Jahr gekommen. Eine Woche nach der 0:3-Niederlage gegen den Tabellenzweiten VfB Germania Halberstadt II - wiederum Brinkmanns Ex-Club - steht nun also auch noch das Gastspiel beim Spitzenreiter an. "Es ist klar, dass wir 110 Prozent Einsatz zeigen müssen. Und selbst dann muss Burg einen schlechten Tag erwischen", verdeutlicht Brinkmann die Vorzeichen, unter denen Zählbares mitzunehmen ist.

Tatsächlich lassen sich bislang beim BBC 08 die gebrauchten Tage an der Hand eines Mitarbeiters im örtlichen Sägewerk abzählen. "Wir hatten zuletzt auch Spiele, die aus fußballerischer Sicht wenig Spaß bereitet haben. Aber es gilt zu erkennen, mit welchen Mitteln wir diese gewinnen können", formuliert Sauer. In der Vorwoche, beim 3:1-Derbysieg in Heyrothsberge, führte der Weg über viele steinige Passagen, doch letztlich sicherten individuelle Klasse und die Bereitschaft, sich auch vor den Zweikämpfen nicht zu scheuen, den 18. Erfolg im 20. Saisonspiel.

Dass Nummer 19 nicht nur reine Formsache ist, weiß man jedoch auch im Jerichower Land. "Entscheidend wird sein, dass das Calbenser Konterspiel nicht zum Tragen kommt. Wir müssen aufpassen, dass nicht allzu viele Bälle in den Rücken unserer Viererkette gelangen, denn sonst spielt die TSG ihre Stärken in der Geschwindigkeit voll aus", warnt Sauer. Und siehe da, auch die Gegenseite bestätigt, dass sie nicht bereits mit gehisster weißer Flagge antreten will. Brinkmann: "Das 1:1 des SV Förderstedt vor vier Wochen hat gezeigt, dass jeder Gegner es dem Tabellenführer schwer machen kann. Genau das wollen wir auch."

Es fehlen: Franz Zimmer (angeschlagen, fraglich) - Sascha Bergholz, Sebastian Zapke (beide verletzt); SR: Sebastian Sauer (Thalheim); Hinspiel: 2:0; 2013/14: 6:3/2:1