Während Harry Jahns, der Teambetreuer des HSV Magdeburg, noch unnötig mit den Schiedsrichtern diskutierte, feierte die TSG Calbe mit ihrem Anhang den 32:27 (12:10)-Auswärtssieg und noch viel mehr den damit vorzeitig feststehenden Landesmeister-Titel. Zuvor hatte das Team mit einer starken Mannschaftsleistung über 60 Minuten allen Widrigkeiten getrotzt.

Magdeburg l Diesmal war es nicht Felix Kralik allein, der im Hinspiel den HSV-Spitzenspieler Michael Jahns aus der Partie nahm. Diesmal hatte das gesamte Team einen riesigen Anteil am Auswärtserfolg. Zwar sorgten Kralik und Ronny Krause in der 5-1-Deckung für ordentlich Störfeuer im Aufbau der Gastgeber, doch vor allem bei Freiwürfen rückten Mathias Walther, Daniel Gieraths oder Nils Rätzel derart schnell aus dem Abwehrverbund heraus, dass dem 2,01 Meter großen Hünen nichts anderes übrig blieb als den Pass zum Nebenmann zu wählen.

Die TSG wurde immer mehr zum Feind in seinem Kopf, denn sichtlich entnervt wurde Jahns im Angriff immer forscher und wollte sich immer mehr mit seinen körperlichen Voraussetzungen durch die Deckung "tanken", obwohl er dies durch seine Erfahrung versuchte zu überspielen. Dies war ihm aber selten gelungen, wenngleich man ihn nie komplett im Griff haben kann, was seine zehn Treffer belegten.

Durch die gute Abwehrarbeit fand auch Keeper Stefan Wiederhold schnell seinen Rhythmus. Während ihm in der ersten Hälfte nur vier Paraden gelangen, hielt er nach dem Wechsel neun Bälle. Und spätestens, als Jahns beim Siebenmeter einen Dreher versuchte und Wiederhold diesen fing, wurde auch der Torhüter zum Feind in seinem Kopf. Zudem gelangen der TSG viele Ballgewinne, die nach dem Wechsel beispielsweise zum vorentscheidenden Zwischenspurt (19:15, 44.) genutzt wurden.

Auch Niclas Kaiser hinterließ in seiner kurzen Einsatzzeit einen bleibenden Eindruck, denn erst gelang ihm der Ballgewinn, als er einen Pass von Jahns abfing, dann verwandelte er den Konter noch frech zum 30:24 (56.).

Calbe ließ sich auch durch strittige Entscheidungen der Unparteiischen nicht aus der Ruhe bringen. Zum einen hatte Jahns einen echten "Superstarbonus", sodass viele Pfiffe zu seinen Gunsten ausfielen. Zum anderen kassierte die TSG Zeitstrafen, die eigentlich keine waren. Mathias Walther zum Beispiel wollte Mike Brunsendorf nur auffangen, als das Foul zuvor gepfiffen wurde, erhielt aber dafür eine Zwei-Minuten-Strafe. Und auch die drei Zeitstrafen gegen Martin Sowa, durch die er bereits ab der 40. Minute zuschauen musste, waren ziemlich überzogen. "Ich habe den Jungs gesagt, dass sie sich nicht auf Diskussionen einlassen sollen", erklärte TSG-Trainer Peter Weiß. Das war gelungen. So präsentiert man sich als Spitzenteam und als würdiger Landesmeister.

Würdig galt übrigens auch für die zahlreichen Fans, die mitgereist waren. Zuerst wurde ihre Unterstützung lauter, als Calbe in doppelte Unterzahl geriet (47.), sodass Krause - getragen vom Trommelwirbel - zum 22:18 traf. Und dann sorgten die Zuschauer mit Gesängen wie "Oh, wie ist das schön" oder "Wir singen blau-weiß TSG" für den entsprechenden Rahmen. Spätestens mit dem Konfetti-Werfen hinterließen auch sie einen bleibenden Eindruck.

TSG Calbe: Wiederhold - Walther, Barby (3), Krause (12/4), Gieraths (1), Hulha (2), Rätzel (1), Kaiser (1), Weiß (1), Sowa (3/2), Kralik (3), Hübner (5)

Siebenmeter: Magdeburg 5/3 - Calbe 7/6; Zeitstrafen: Magdeburg 4 - Calbe 7; Rot: Martin Sowa (3x2 Minuten, 40.) -Calbe-

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