Auch die zweite Begegnung zwischen der SG Lok Schönebeck und der TSG Calbe in der Sachsen-Anhalt-Liga der Frauen endete nach einem spannenden Derby mit einem Remis - 25:25. Von einem gerechten Unentschieden mochte zumindest auf Calbenser Seite nach dem Handball-Spiel niemand sprechen.

Von Tilman Treue

Schönebeck l Kristin Sroka schüttelte ungläubig den Kopf, als sie wenige Augenblicke nach dem Schlusssignal auf die Anzeige blickte. 25:25 leuchtete dort und damit endete das Derby der beiden Dauerkonkurrenten Schönebeck und Calbe unentschieden. 15 Sekunden vorher landete zwar noch der von ihr geworfene Ball im Tor der SG Lok, doch die Unparteiischen entschieden auf Stürmerfoul, die verbliebenen Sekunden liefen herunter. "Das war nie ein Stürmerfoul", tobten die Calbenser Fans auf der Tribüne, sahen sich um den Sieg gebracht und auch die Mannschaft blickte irritiert zu ihren Trainern Annett Schroeter und Ralf Bertram.

Lok-Trainer Dirk Schedlo betrachtete die Situation naturgemäß entspannter: "Das ist ein Unentschieden, was beiden Mannschaften weder hilft noch schadet." Die geschilderte Situation sah er als Konzessionsentscheidung und bezog sich auf die vorherige, die zur 25:24-Führung der Calbenserinnen geführt hatte. Annett Schroeter hingegen fand das Remis alles andere als gerecht. "Es spiegelte einfach nicht den Spielverlauf wider", ärgerte sie sich. Allein an der letzten Situation mochte sie es aber nicht festmachen. "Da waren mehrere Kleinigkeiten im ganzen Spiel", beobachtete sie und kritisierte: "Das war die schlecht-möglichste Ansetzung für ein solches Derby." Tatsächlich wird wohl nur die emotionale Schlussphase in den Köpfen aller Beteiligter hängen bleiben.

Zum 20:16 (50.) hatte sich die SG Lok mit einer klug agierenden Janka Bauer im Aufbau bereits vorgearbeitet, ehe die durch das Spiel gegen Fermersleben am Vortag konditionell gebeutelte TSG-Sieben ihre letzten Reserven aktivierte. Zu diesem Zeitpunkt lahmte der Angriff der Gastgeberinnen empfindlich: "Wir haben wie auch in Teilen der ersten Halbzeit unsere Aktionen vorn nicht zu Ende gebracht, die Verantwortung weitergereicht", kritisierte Schedlo. Denn eine ähnliche Pause im Spielaufbau hatte bereits ab der 13. Minute dazu geführt, dass Calbe einen 6:3-Ausreißer wieder einfing und sogar zum 8:7 in Führung ging.

Lisa-Marie Prokop und Stefanie Hüls stellten für die TSG fünf Minuten vor Schluss den Ausgleich zum 22:22 her und läuteten eine tempobetonte Phase ein, die einem solchen Derby mehr als gerecht wurde. Schlag auf Schlag fielen die Tore. Lisa Wolf und Antje Schreiber übernahmen in ihren Teams die Verantwortung und Marie Zilke brachte Calbe nach mehr als 30 Minuten erstmals wieder in Führung, ehe Jessica Arnold den für die Elbestädterinnen am Ende glücklichen Ausgleichstreffer landete.

Spielerisch überzeugten auf beiden Seiten im Grunde nur die Deckungsreihen. "Uns war von vornherein klar, dass dieses Spiel vom Kampf geprägt sein würde. Das konnte nicht schön aussehen", brachte es Schedlo auf den Punkt. Beide Mannschaften ließen reihenweise Möglichkeiten liegen, wobei Calbe mit der stark aufgelegten Josephine Suchan, die bis zum Wechsel drei Siebenmeter parierte, im Fernduell der Torhüterinnen die Nase knapp vorn hatte. "Hätten wir nur die Hälfte der Chancen in der ersten Halbzeit untergebracht, wären wir gar nicht erst in die Bredouille gekommen", urteilte Schroeter. Denn wie am Vortag in Magdeburg (siehe nebenstehender Artikel) konnte die TSG Schwächephasen des Gegners einfach nicht nutzen, um sich abzusetzen.

Schönebeck sah die erste Hälfte ebenfalls kritisch: "Wären zum Beispiel diese drei Siebenmeter drin gewesen, wäre das Spiel völlig anders verlaufen", war sich Schedlo sicher. Doch ein "Hätte" oder "Wenn" änderte nichts und die Tatsache, dass beide Teams nicht ihren besten Tag erwischten, unterstrich nur die spielerische Ausgeglichenheit, die das fair geführte Derby über weite Strecken prägte.

Für die TSG Calbe endete die Saison in Schönebeck mit 24 Pluspunkten auf dem Konto. Die Platzierung innerhalb des heiß umkämpften Tabellenmittelfelds steht jedoch erst in der nächsten Woche fest, wenn der offiziell letzte Spieltag ausgetragen wird. Die SG Lok Schönebeck tritt dann beim Magdeburger SV 90 in Lemsdorf an und würde im Fall eines Sieges mit der TSG gleichziehen.

SG Lok Schönebeck: Hecker, Nowicki - Arnold (3), Bauer (7/1), Broßat, Bullert (2/1), Depta (2), Hoffmann, Krause (4/1), Moschner, Rauschenbach, Reinharz, Sauer, Wolf (7)

TSG Calbe: Baier, Mennecke, Suchan - Gröst, Hüls (9/4), Karlstedt, Meier, Prokop (6), L. Rust (6), Schreiber (3), Sroka (6), Zilke (2)

Siebenmeter: Schönebeck 6/3 - Calbe 5/4; Zeitstrafen: Schönebeck 2 - Calbe 5