Steffi Erxleben ist gelungen, wofür viele meist Jahre kämpfen, um dann doch zu scheitern. Die Welsleberin hat Beruf und Hobby gut unter einen Hut bringen können. Nun erntet die 36-Jährige den Erfolg. Sie ist mit dem TSV Schwarzenbek in die 2. Tischtennis-Bundesliga aufgestiegen. Es ist ihr bisher größter Triumph.

Welsleben l Vor 30 Jahren hatte wohl kaum jemand geahnt, welch weitreichende Folgen ein kurzer Ausflug an die Tischtennis-Platte haben sollte. "Im Urlaub haben wir angefangen, draußen an der Platte ein bisschen zu spielen. Mein Vater, mein Bruder, alle waren dabei", berichtet die studierte Oseopatin und Physiotherapeutin. Wieder in der Heimat, ging es immer öfter zum TTC "Concordia" Welsleben, dem Heimatverein ihres Vaters. "Das Training wurde immer mehr, das Talent war auch ganz gut. Es ist mir sicherlich von meinem Vater in die Wiege gelegt worden." Dies belegen ihre frühzeitigen Erfolge.

Es sprangen nicht nur diverse Landesmeistertitel heraus, durch das Training an der Sportschule Halle dominierte sie auch die Landes-Rangliste, wurde Dritte bei der Norddeutschen Meisterschaft und landete bei den Deutschen Titelkämpfen auf einem starken sechsten Platz.

Ihre Triumphe sind ein Grund, aus dem die Welsleberin bereits 30 Jahre lang einem Hobby treu geblieben ist. "Die Nachwuchsarbeit wurde mit Fritz Brehmer damals aufgebaut. Da war recht schnell Erfolg da." Im Alter von 13 Jahren führte sie ihr Weg schließlich nach Halle zur Sportschule, die auch die heutigen SSV-Akteure Andreas Gärtner und Michael Kollatsch besuchten. Ab diesem Zeitpunkt war Tag und Nacht Tischtennis angesagt. "Wir haben vier Stunden am Tag trainiert. Da war nie die Zeit, irgendetwas anderes auszuprobieren. Reiten oder Gitarrespielen wollte ich immer mal machen, hatte aber keine Gelegenheit dafür, höchstens in der Sommerpause. Danach haben die Finger aber wieder gejuckt, dass es losgehen sollte."

Der Sport entwickelte sich natürlich auch zum wichtigen Ausgleich für den Beruf. "Ich übe seit 2009 hauptsächlich Osteopathie aus. Dabei arbeitet man etwas ruhiger und gedämpfter. Im Tischtennis kann ich mich dann gut auspowern und Dampf ablassen."

Steffi Erxleben ist nun aber keine Draufgängerin, sondern eine enorm ausgeglichene Person. Sie vereint Konzentration und Gelassenheit in sehr ausgewogenem Maße. Dies hilft ihr im Beruf als studierte Osteopatin, Heilpraktikerin und Physiotherapeutin, es hilft mit Sicherheit auch im Sport. Beispielsweise bei entscheidenden Spiele wie gegen Langenstadt in der abgelaufenen Saison. Es war das Aufeinandertreffen des Ersten und Zweiten. "Nur der Erste stieg auf", berichtet Erxleben. Vor ihrem Einzel stand es 4:5 gegen Schwarzenbek. "Wir brauchten ein Unentschieden." Gegen Abwehrspezialistin Anna Jansen kämpfte sie bravourös, gewann Durchgang eins in der Verlängerung mit 14:12 und legte damit den Grundstein für den 3:0 (12, 4, 5)-Sieg und den späteren Aufstieg ihrer Mannschaft.

Die Ruhe hilft ihr aber auch, über Niederlagen hinwegzukommen. Die bitterste war wohl die in Bremen-Marßel vor etwa zehn Jahren. Mit Steinbergen ging es um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. "Wir führten bereits mit 7:0", erinnert sich Erxleben, "und jeder hatte in seinem Einzel einen Matchball. Dann haben wir das noch so vergeigt, dass wir zum Schluss 7:7 gespielt hatten. Das war so bitter. Es fühlte sich wie eine Niederlage an."

Dies sollte in der kommenden Saison aber nicht passieren. Die Gegner sind weitgehend unbekannt, bis auf Mitaufsteiger Langenstedt. Für Erxleben gibt es allerdings ein Wiedersehen mit Svenja Obst beim MTV Tostedt, der südlich von Hamburg beheimatet ist. "Mit ihr habe ich zwei Jahre lang in Steinbergen zusammengespielt. Damals war sie noch ein kleines Mädchen."

Dass Steffi Erxleben nun aktiv an ihre Wirkungsstätte, an der sie als kleines Mädchen mit dem Tischtennis begonnen hatte, zurückkehrt, ist eher unwahrscheinlich. Ihr Lebensmittelpunkt ist im Norden. "Ich bin mit 13 aus Welsleben weggegangen. Das ist ja schon eine lange Zeit." Dennoch verfolgt sie die Ergebnisse in ihrer Heimat regelmäßig und freut sich über den Wiederaufstieg der Damen vom Schönebecker SV in die Verbandsliga.