Als oberstes Ziel stand stets der Klassenerhalt. Größere Ambitionen hegten die Verbandsliga-Handballer des Glinder HV "Eintracht" nicht. Zu knapp war der Kader besetzt, ein eigener Trainer stand nicht zur Verfügung. Am Ende der Saison 2014/15 belegte der GHV den achten Platz. Ein Ergebnis, das "eine mehr als nur positive Überraschung war", wie Julian Bauer betonte.

Glinde (nrc) l "Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass wir um jeden Punkt kämpfen müssen und es bis zum Saisonende nur darum gehen würde, in der Liga zu bleiben." Doch gerade die Rückrunde brachte den Glindern einen enormen Schub nach vorn, unter anderem gab es vier Siege in Serie.

Eine solche Konstanz hätte sich die "Eintracht" allerdings auch gern zum Saisonbeginn gewünscht. Stattdessen ging es in steter Regelmäßigkeit auf und ab. Es entwickelte sich sogar ein Muster: Unentschieden - Niederlage - Sieg. "Dies war aber auch unserem Kader geschuldet", sagt Bauer. "Wenn wir am Limit gespielt haben, dann konnten wir mit jeder Mannschaft mithalten. Aber wenn man wenige Wechselmöglichkeiten hat oder die Leute, die da sind, einen schlechten Tag erwischen, dann stehen eben auch deutliche Niederlagen zu Buche." Besonders deutlich wurde es gegen den Güsener HC (25:36) und Post SV Magdeburg (24:39).

Zur Rückrunde wurde dann umgestellt. Glinde wechselte in der Deckung von 6-0 auf ein 5-1 und schließlich auf ein 3-2- 1. "Das war unsere ultimative Waffe", erklärt Bauer. "Daran haben sich viele Teams die Zähne ausgebissen." Unter anderem auch der Spitzenreiter. Das Rückspiel gegen den Post SV gewannen Glinde mit 26:25. "Das war unsere beste Partie der Saison. Jeder ist an seine Grenzen gegangen und hat es Magdeburg schwer gemacht."

Das Spiel stand auch für die Stärken des GHV. "Neben unsere Deckung, die durch Aggressivität und viel Beinarbeit bestimmt war, kam in der Rückrunde auch unser Tempospiel hinzu. Außerdem können wir mit unserer Chancenverwertung zufrieden sein." So ganz mag man dies allerdings nicht glauben, denn Bauer fügte im selben Atemzug die große Schwäche des GHV an. "Wir waren immer wieder zuungeduldig im Abschluss. Das hat mich manchmal schon zur Weißglut getrieben. Vor allem, weil wir aufgrund unseres Deckungsverhaltens nicht unbegrenzte Kraftreserven hatten. Das hat uns so manche Punkte gekostet." Beispielsweise die vier in den Derbys gegen die SG Lok Schönebeck, die mit zwei beziehungsweise einem Tor verloren wurden. "Das war schon sehr ärgerlich."

Die Kräfte richtig einteilen oder Wechsel vorzunehmen - in Glinde fehlte jemand an der Seitenlinie, der dies im Auge behalten konnte - ein "richtiger" Trainer. Bauer leitete die Mannschaft zusammen mit Michael Kreyenberg. "Das war aus der Not heraus geboren. Aber wir müssen die Mannschaft diesbezüglich wirklich loben. Sie hat super mitgezogen und auch nicht gebockt, wenn es mal laut wurde." Bauer gab allerdings zu, dass er froh ist, dass wieder ein "richtiger" Trainer die Mannschaft leitet. In der kommenden Saison wird das Glinder Urgestein Andreas Wiese als feste Größe an der Seitenline stehen. "Er hat schon mit dem GHV in der Regionalliga gespielt. Außerdem hat er Michael und mich in der Saison ab und zu beim Training unterstützt. Für das Team wird es also keine große Umstellung, sondern ein nahtloser Übergang."