Calbe (mnd). Dass es Peter Weiß momentan leicht hat, kann man nicht gerade behaupten. Der Interimstrainer der TSG Calbe, der den erkrankten René Linkohr seit mehreren Wochen vertritt, hatte zuletzt nie den ohnehin nicht üppigen Kader zusammen, nicht im Training, auch nicht in den Spielen. Die Handballer trotzten dennoch den Umständen und fuhren am Sonnabend gegen den HV Wernigerode einen ungefährdeten 36:30 (15:9)-Heimsieg ein. Calbe belegt nach diesem Erfolg den sechsten Platz in der Sachsen-Anhalt-Liga.

Eigentlich hatte Weiß fest mit zwölf Spielern gerechnet, die ihm gegen die Harzer zur Verfügung stehen. Doch es passt ins Bild, dass ihn kurzfristig noch zwei Absagen ereilten. Mathias Walther war dienstlich verhindert, Maximilian Kralik brütete beim Anpfiff über einer kurzfristig anberaumten Prüfung. "Das hat die Aufstellung ganz schön durcheinander gewirbelt", sagte Weiß. Doch die Mannschaft machte aus der Not eine Tugend, fand gegen weitestgehend harmlose Gäste genau das richtige Mittel, auch weil der Trainer den HVW mittels Video beobachtete. "Ich wusste, wenn wir das Tempo hochhalten, dass sie über die vollen 60 Minuten Probleme bekommen werden", war sich Weiß sicher. Doch die Probleme traten nicht erst zum Ende der Partie ein, bereits beim nervösen Beginn zeigte sich, dass Calbe aus den Fehlern der Gäste Kapital schlagen konnte. Allein acht Tempogegenstöße brachten die Gastgeber in der ersten Hälfte erfolgreich zum Abschluss und bauten die 9:7-Führung nach 20 Minuten kontinuierlich bis zum 15:9-Halbzeitstand aus. "Wir wollten bei Ballgewinnen schnell umschalten und den Ball nach vorne bringen, weil die TSG in der Abwehr zwei Wechsel vornimmt. Außerdem ging es im Angriff darum, das Spielgerät möglichst ohne Verzögerung zu spielen, auf 1-1-Situationen zu verzichten. Das klappte aber nur in den letzten 20 Minuten", haderte HVW-Trainer Maik Lange mit seinen Schützlingen, die noch froh sein konnten, dass die TSG trotz der beruhigenden Pausenführung mehrfach am gut aufgelegten Gäste-Torhüter Andreas Wisotzky scheiterte, sich so zwölf Fehlwürfe leistete.

In den zweiten 30 Minuten setzte Calbe seinen guten Lauf fort, war trotz der geringen Wechselmöglichkeiten kräftemäßig jederzeit überlegen. Vor allem auf der rechten Seite wurde Torgefahr ausgestrahlt. Dort wechselten Christian Hübner und Ron Barby ständig die Positionen, ergänzten sich prima. Weiß: "Ich habe ihnen freien Lauf gelassen." Zusammen erzielten sie 15 Treffer. Bis auf 21:11 zogen die Calbenser davon und sorgten so bereits für eine Vorentscheidung. In den letzten zehn Minuten brachte Weiß noch Guido Fritsche, der auf Rechtsaußen – Barby wechselte auf links – Pech beim Abschluss hatte, zwar keinen Treffer erzielte, aber einen Strafwurf rausholte.

In der Schlussphase leisteten sich die Gastgeber noch einige "dumme Fouls", die mit Zeitstrafen geahndet wurden, doch selbst in Unterzahl stillten sie ihren Torhunger. Auch wenn der HVW noch einmal verkürzen konnte, der Sieg war nicht mehr in Gefahr – Endstand 36:30. Obwohl die TSG ihre Ausfälle gut verkraftet hat, am nächsten Sonnabend wäre es Weiß zu wünschen, mit einem vollen Kader nach Spergau zu fahren, um den nächsten Erfolg einzufahren.

TSG Calbe: Bertram, Knörich – B. Rätzel (6), Barby (7), Hulha (5), Roost (3), N. Rätzel (2), Fritsche, F. Kralik (5), Hübner (8)

HV Wernigerode: Wisotzky, Feldmann – Völkel (5), Uhlmann (6), Hoffmann (1), Kirchhof (3), Nierlein (2), Hahn, Eicken (7), Poetzsch (4), Liebscher, Lange

Strafwürfe: Calbe 4/6 – Wernigerode 5/6; Zeitstrafen: Calbe 5 – Wernigerode 6