Glinde/Staßfurt (mnd). Sehr gut beschreibt momentan Andreas Wiese den Zustand des "Patienten" SG Eintracht Glinde. Der Trainer hat sich eine schwere Erkältung zugezogen, war bis gestern krank geschrieben. Seine Mannschaft kränkelt ebenfalls, die gesamte Saison bereits. Als Letzter muss Glinde heute zum Derby in der Mitteldeutschen Handball-Oberliga beim HV Rot-Weiss Staßfurt antreten. Anpfiff ist um 16.30 Uhr.

Bei der Eintracht ist diese angespannte Situation inzwischen zur Normalität geworden. Was sich im Training mit oft nie mehr als sieben Spielern andeutet, setzt sich am Wochenende fort. Wiese muss gegen Staßfurt auf Ronny Krause und Torhüter Steffen Oppenheimer, die beide beruflich verhindert sind, verzichten. Somit steht mit Ralf Borchardt nur ein Keeper zur Verfügung, der aber bereits aus privaten Gründen seinen Abschied angekündigt hat, nach der Partie. Bis dahin will er jedoch alles geben, ebenso wie die anderen "Alten" Matthias Scheller und Andreas Kühne, auf die Wiese gegen den HV Rot-Weiss vertraut. "Sie müssen es richten und Druck von den Jungen nehmen" sagt Wiese. Dadurch hofft er auf eine Initialzündung von Christoph Frank, der auf Mitte nicht nur Regie führen, sondern auch Torgefahr ausstrahlen soll. Aber auch er trainierte in dieser Woche nicht, hatte Prüfungsstress. Wiese: "Vielleicht ist ihm die Pause ganz gut bekommen."

Dem wurfstarken Rückraum der Gastgeber indes will Wiese offensiv und mit "vernünftiger Härte" begegnen. In Testpartien gegen Biederitz und Haldensleben hatte er bereits positive Ansätze beobachtet, vor allem bei Martin Sowa. Der Kreisspieler kommt als Alternative auf der "Spitze" einer 5-1-Deckung in Frage. Eine defensive Variante zieht der Trainer nur kurzzeitig in Erwägung, denn "dafür ist der Staßfurter Rückraum zu stark". Dennoch, "sie machen viele Fehler", hat Wiese eine gewisse Verunsicherung ausgemacht und hofft, Revanche für die Heimniederlage nehmen zu können.

Rainer Baumgart, der neue Trainer des HV Rot-Weiss, sieht in der momentanen Situation der Eintracht ein Risiko: "Angeschlagene Gegner sind die gefährlichsten. Sie können befreit aufspielen." Deshalb hat er Glinde anhand von Videomitschnitten studiert und kommt zu der Erkenntnis, dass vor allem "die offensive und mannbezogene Deckung" bezwungen werden muss. Beim gestrigen Abschlusstraining und im Testspiel gegen den Sachsen-Anhalt-Ligisten TSG Calbe am Dienstag wurden entsprechende "taktische Varianten ausprobiert".

Den Verlauf der zurückliegenden zwei Wochen bewertet Baumgart positiv: "Wir haben bestimmte Sachen geordnet, bespielsweise an der Kontinuität im Deckungsverhalten oder an der Feinabstimmung in der zweiten Welle gearbeitet. Die Mannschaft ist in eine gutem Zustand und hat das Niveau für diese Liga".

Auf Marko Richter (krank) muss Baumgart verzichten, der Einsatz des angeschlagenen Alexander Ernst ist fraglich. Zudem konnte Christian Lingk berufsbedingt nicht trainieren und wird erst kurz vor dem Anpfiff in der Halle sein. Vielleicht tragen Staßfurts Sorgen ja zur Genesung der Eintracht bei.