Calbe (ttr). Drei Sekunden vor Schluss überwand TSG-Handballerin Christin Bily die Manndeckung des Oberliga-Kontrahenten Niederndodeleben und verwandelte nach zehn Minuten Torflaute zum 20:18 (10:7). Im selben Moment blickte Spielführerin Stefanie Hüls erleichtert auf die Anzeige- tafel: Das Spiel war zu Ende.

Es spürte wohl jeder die Last, die von den Saalestädterinnen fiel. Nach sieben punktlosen Partien und der herben Landung in der Liga-Realität, konnte das Team um Frank Falke und Lutz Dohmke dem Abstiegsgespenst zunächst die Stirn bieten. Fassungslosigkeit hingegen auf Seiten des Landessiegers der Vorsaison. "Wir wissen nicht, woran es gelegen hat", stellte TSV-Trainerin Ilka Bierhals nach dem Spiel ratlos fest. Fast zehn Minuten lauerten ihre Schützlinge wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange auf den Ausgleich, verkürzten vom 19:15 bis zum 19:18 (55.), scheiterten jedoch letztlich an ihren Nerven.

Bis zur 50. Minute des fairen Derbys hatte die TSG die Zügel fest in der Hand. "Wir haben ruhig und kontrolliert bis zur Chance gespielt", resümierte Co-Trainer Lutz Dohmke, der sich zudem mit der ausgezeichneten Abwehrleistung hoch zufrieden zeigte. Die Calbenserinnen, die auf allen Positionen unermüdlich arbeiteten, hatten bereits frühzeitig den beiden Rückraumschützinnen Eileen Bollmann und Conny Brunke den Zahn gezogen und auch Torjägerin Mandy Mainka fest im Griff. Dennoch gelang es den Gästen, den Rückstand unter Kontrolle zu halten, da die TSG wiederum nur einen Bruchteil ihrer Chancen unterbrachte. Kurz nach dem Wechsel meldete Kristin Sroka mit drei Treffern in Folge und dem 14:9 ihr Team eindrucksvoll zurück. Niederndodeleben drückte nun aufs Tempo, spielte über seinen schnellen Rückraum, zögerte aber in 1:1-Aktionen, so dass das 15:13 letztlich nur ein kurzes Strohfeuer blieb. Dennoch stellte Lutz Dohmke klar: "Wir haben in dieser Phase den Gegner durch leichte Fehler aufgebaut." Die Kritik ist freilich nicht von der Hand zu weisen, denn in den auf beiden Seiten völlig überhasteten Schlussminuten hätte die von Calbenser Seite bis dahin clever geführte Partie noch kippen können.

Am Ende stehen für die TSG zwei wichtige Punkte für den Klassenerhalt und nach zuletzt schwachen Leistungen endlich wieder ein geschlossenes und ansehnliches Mannschaftsspiel zu Buche. Damit im Rücken muss in den verbleibenden vier Spielen gegen Oschatz, Rödertal, Zwickau und Jena noch einmal alles gegeben werden, um das Saisonziel Ligaerhalt zu schaffen.

TSG Calbe: Gutsch, Bartl - Bily (3), Hüls (3), Musche (4/1), Rust, Sauer (5), Schreiber, Sprotte, Sroka (4), Wenzel, Wilke (1)

TSV Niederndodeleben: Meier, Reimer - Bollmann (3), Brunke (7), Herbst (1), Heuhaus, Mainka (1), Schottstedt (2), Schulze (2), Wilke (2), Wolf

Zeitstrafen: TSG 2 - TSV 0; Siebenmeter: TSG 3/1 - TSV 2/0