Calbe/Schönebeck (fna). Man könnte fast glauben, es sei egal, wie die SG Lok Schönebek die Saison in der Sachsen-Anhalt-Liga zuende spielt. Mit dem 31:26-Erfolg im Rückspiel des HVSA-Pokalfinals sicherte sich das Team vor etwa 500 Zuschauern den Titel und feierte somit drei Spieltage vor Saisonende die Krönung (Volksstimme berichtete). "Das war absolut geil", fasste Spielertrainer Matthias Schröder die Emotionen kurz nach dem Spiel zusammen. Zur Belohnung wartet ein Heimspiel beim Supercup 2011, wenn der Pokalgewinner gegen den Landesmeister die Saison 2011/12 eröffnet.

Das Team kann in den kommenden Begegnungen also befreit aufspielen. Selbst wenn diese allesamt verloren würden, fiele Lok maximal bis auf Rang zehn ab. "Aber wir können noch ein, zwei Plätze klettern", gibt Schröder durchaus Ziele aus. "Wir können bestätigen, dass wir nicht nur eine gute Partie abliefern können." Dann wird wohl auch Falk Hohmann wieder eingreifen können, er war in den beiden Finalspielen nicht einsatzfähig (Entzündung am Ellbogen). Also gewann das Team den Cup auch ein Stück weit für ihn. "Er hat in den Partien zuvor starke Leistungen gezeigt. Wir hatten es auch ihm zu verdanken, dass wir so weit gekommen sind", lobte Schröder. Also jubelte das gesamte Team, als Hohmann den Pokal am Sonnabend in die Hände nahm.

Nach der Saison bekommt Lok womöglich ein anderes Gesicht, Keeper Patrick Tuchen, der gegen Calbe mit insgesamt 14 Paraden in etwa 50 Minuten Spielzeit einen großen Anteil am Pokalerfolg hatte, schließt sich beispielsweise dem Mitteldeutschen Oberligisten HV Staßfurt an. Weitere personelle Veränderungen sind wohl nicht ausgeschlossen. Auf jeden Fall gibt es einen neuen Trainer, der morgen vorgestellt wird.

Für die TSG Calbe hingegen war es aufgrund der guten Ausgangsposition eine der bittersten Niederlagen in der Vereinsgeschichte. Dreimal stand das Team im Finale. Doch dreimal gewann jeweils der Kontrahent die Trophäe. Noch dazu durfte dieser - ausgerechnet der große Lokalrivale - am Sonnabend den Cup in der heimischen Heger-Sporthalle in die Höhe recken. Dementsprechend enttäuscht saß René Hulha, der auf Aufbau Mitte erneut ein starkes Spiel zeigte, an die graue Wand gelehnt auf dem Parkett. Dementsprechend ungläubig schaute Björn Rätzel, der eine fehlerfreie Strafwurfquote hatte und in der Defensive Stefan Kazmierowski weitgehend abgemeldet hat, ins Leere. Er wurde nach der Partie von seinem Vater Eckhard als erstes getröstet. Auch Keeper Daniel Bertram wollte nach dem Abpfiff gar nicht aus seinem Tor herauskommen, auch er musste das Geschehene erst verarbeiten. Er hatte zuvor mit 17 Paraden alles gegeben.

Bisher konnte Calbe mit einer offenen Manndeckung das Ruder in den Schlussphasen gegen Schönebeck mehrfach herumreißen, im Ligaspiel beispielsweise nach 27:31-Rückstand noch den 31:31-Ausgleich erzielen. Diesmal gelang das nicht. "Vielleicht hätte ich es zu einem früheren Zeitpunkt mit offensiver Deckung versuchen sollen", schätzte Linkohr rückblickend ein. Doch die Gäste "waren cleverer und erfahrener". Zudem produzierte ausgerechnet Felix Kralik, der gute fünf Treffer erzielte, in seinem ersten Spiel nach seiner langwierigen Verletzung einen Wechselfehler kurz vor dem Ende. Bei doppelter Überzahl wäre ein Treffer in den verbleibenden 20 Sekunden durchaus im Bereich des Möglichen gewesen. Dies war letztlich nicht der einzige Grund für die Niederlage. Bei Calbe fehlte "das richtige Engagement". Die Manndeckung in der 5-0-1 gegen Mario Seifert "war richtig", sagte Linkohr, "sie wurde aber nicht richtig ausgeübt". Seifert erzielte mit 16 Treffern mehr als die Hälfte der Tore für die Gäste.

Problematisch waren aber vor allem die Fehlwürfe der TSG, 15 waren es allein in Halbzeit eins. "Wir kannten die Stärken von Patrick Tuchen, dennoch waren die Würfe zu einfach. Wir waren einfach zu kopflos in der Offensive." Zumindest gelang bis zur Pause noch Ergebniskosmetik zum 10:11, doch nach dem Wechsel setzte sich die schwache Offensivleistung fort, zudem kassierte das Team 20 Treffer, "das war eindeutig zu viel".

Nun liegt es an Coach René Linkohr, sein Team wieder aufzubauen, zu motivieren für die letzten drei Aufgaben im Ligabetrieb. "Wir können noch auf Platz fünf oder vier klettern. Wir wollen beweisen, dass wir das Bestmögliche aus uns herausholen können."

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