Vor allem für Tobias Plantikow wird das heutige Derby in der Fußball-Landesliga zwischen der TSG Calbe und dem Schönebecker SC (Anpfiff um 18.45 Uhr) ein besonderes Spiel sein. Der 25-Jährige lernte das Fußball-Abc vor 17 Jahren von kleinauf bei der TSG. "Ich bin vielen dankbar, habe noch ein gutes Verhältnis zu Trainern und Betreuern." Doch für 90 Minuten wird die Freundschaft heute ruhen, mit dem SSC strebt er den Aufstieg in die Verbandsliga an. "Dazu müssen wir unbedingt in Calbe gewinnen."

Calbe/Schönebeck. Es gab Gerüchte, die Gastgeber würden dem SSC zum Sieg verhelfen, praktisch Schützenhilfe leisten im Endspurt um den ersten Platz. "Die Sprüche kamen permanent", erklärt TSG-Coach René Kausmann. Und diese Gedanken werden wohl auch während der Partie bei Zuschauern immer im Hinterkopf sein. Doch er betont: "Wir werden voll dagegenhalten." Auch Plantikow weiß: "In einem Derby wird nichts geschenkt, da schiebt keiner. Schließlich ist es für einige das Spiel des Jahres, es geht ums Prestige. Und wenn wir aufsteigen wollen, dann müssen wir das heute zeigen."

Bereits im Hinspiel musste der SSC eine bitte Erfahrung machen, als die Gäste den 0:2-Rückstand in den letzten Minuten noch in ein 2:2-Remis gedreht hatten. "Dieses Ergebnis hat uns für die weiteren Spiele gestärkt", betonte SSC-Coach Christian Kehr. Im Anschluss legten seine Schützlinge eine Serie von 13 Siegen in Folge hin, bis Fortuna kam. "Wir wollen heute in die Erfolgsspur zurückkehren." Dafür wünscht er sich eine große Kulisse, "es wird keine Verkrampfungen geben, es wird nur ums Fußballspielen gehen".

Motivation ist also nicht nötig, Calbe hat ebenfalls eine gute Serie im Rücken, es hat fast immer gepunktet gegen die Teams, die über dem Fünftplatzierten stehen. Nur Fortuna Magdeburg behielt zweimal die Oberhand. "Wir haben nur gegen die unteren Teams eine schlechte Bilanz", sagt Kausmann. Hätte die TSG auch diese erfolgreich gestaltet, sie würde wohl zum Führungstrio gehören. "Unser Problem war die Chancenverwertung." Die besserte sich in den vergangenen Spielen, gegen Aschersleben beispielsweise erzielte das Team bei vier Hundertprozentigen zwei Treffer. Darauf wird es wohl auch gegen den SSC ankommen, dessen Defensive stabilisierte sich seit der Rückrunde ja enorm.

Auch die Leistungen von Tobias Plantikow wurden stetig besser. Nach der Hinrunde, als er körperlich nicht fit war und nur wenig Selbstvertrauen besaß, kämpfte er sich vor allem in der Winterpause heran. "Ich habe im Training mehr investiert, bin mehr in die Zweikämpfe gegangen. Die Vorbereitung auf die Rückrunde war optimal." Aufgrund der Verletzten hat er seine Chance bekommen und diese genutzt. "Ich hoffe, ich spiele auch heute von Beginn an." An Selbstvertrauen mangelt es ihm also nicht mehr.

Die Verbundenheit zu seinem ehemaligen Verein ist noch groß, den Wechsel an die Elbe hat er aber nicht bereut, wenngleich sein bester Kumpel Alexander Voigt an der Saale blieb. "Es war gut für meine Einstellung, meine Charakterbildung. Ich bin ruhiger geworden." Der SSC, der ihn "gut aufgenommen hat" und bei dem er "mit dem Umfeld und der Mannschaft sehr gut klar kommt", hat ihn bereits geprägt. Eine Begegnung mit Voigt wird es auf dem Feld wohl nicht geben, beide spielen jeweils auf der linken Seite. Dafür hofft Plantikow, "dass wir nach dem Spiel alle zusammen ein Bier trinken können". Die drei Punkte aber, "die will ich mit nach Schönebeck nehmen".

Es fehlen: Sebastian Zapke, Christian Harant, Benny Blöhm (alle verletzt), Stefan Sandau (privat), Patrick Daniel (Beruf) - Maximilian Dentz (Zerrung); Hinspiel: 2:2

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