Sichtlich geknickt stand Marko Fiedler am Sonnabend an der Werbebande, den Blick geradeaus gerichtet. Er muss wohl derzeit seine schwerste Prüfung als Trainer durch- machen. Fußball-Landesligist Schönebecker SV präsentierte sich gegen die SG Eintracht Mechau vor allem in der Abwehr blamabel und unterlag deutlich mit 4:7 (4:2).

Schönebeck. Fiedler ahnte wohl schon, dass die Partie trotz der 4:2-Führung zur Halbzeit gegen den Baum laufen könnte. Bereits nach drei Minuten kehrte er aus der Kabine zurück, seine Ansprache war kurz, aber sie war knackig und laut. "Das war eine Frechheit, wie wir uns bis jetzt präsentiert haben", ärgerte er sich über das Team.

Das war nach dem Wiederanpfiff mit den Gedanken noch in der Kabine, innerhalb von sechs Minuten drehten die Gäste die Partie in eine 5:4-Führung zu ihren Gunsten. Markus Lamprecht und Mathias Grabs spazierten durch die Reihen von Matthias Fischer, Christian Bernau und Christian Wagner wie das sprichwörtliche heiße Messer durch die Butter und trafen wie im Training. Da durfte die Unterzahl nach roter Karte gegen Andreas Günther kurz vor der Pause keine Ausrede sein. Zu schwach war die Defensive im Zweikampfverhalten, angefangen im Mittelfeld. Eine einfache Körpertäuschung genügte den Mechauern, dann ließen sie ihre Gegenspieler hinter sich. Christian Mertens im SSV-Gehäuse war machtlos, die Gäste waren beim Torschuss ohne Bewachung. Es gab also praktisch keine Gegenwehr.

Auch in der Offensive lief beim SSV nur wenig zusammen. Verlor das Team aufgrund der Fehlpässe mal nicht den Ball Höhe Mittellinie, dann war am gegnerischen Strafraum meist Schluss. Zwar setzte sich Christopher Birke gegen zwei, drei Gegenspieler durch, doch der finale Pass kam nicht an. Nur zwei Distanzschüsse von Fischer sorgten für einen Hauch von Gefahr.

Libero Bastian Smolny ordnete seine Vorderleute eigentlich das gesamte Spiel lang lautstark, schob er Marc Pätzold oder Markus Krotki zu ihren jeweiligen Gegenspielern. Der Wille, im Kampf um den Ligaverbleib die drei Punkte einzufahren, der war bei den Mechauern deutlich zu hören, auch Trainer Jürgen Brandt gab permanent taktische Anweisungen. Bei den Schönebeckern hingegen war es vor allem in der Abwehr viel zu leise, das gegenseitige Aushelfen war nur sporadisch der Fall. So wurde es schwer, die schlechte Heimbilanz aufzubessern.

Die große Chance auf den vorzeitigen Klassenerhalt ließ das Team aus, am Sonnabend hat es die nächste Chance - auswärts. Allerdings benötigt Gastgeber Potzehne ebenfalls jeden Punkt und ist momentan in guter Verfassung, es gewann am Sonnabend das Derby bei Eintracht Salzwedel mit 3:1. Der SSV muss also in Sachen Zweikampfführung noch mindestens eine Schippe drauflegen.

Torfolge: 0:1 Mathias Grabs, 1:1 Patrick Ebeling (18.), 2:1 Andreas Günther (20.) 2:2 Mathias Grabs (30.), 3:2 Andreas Günther (33.), 4:2 Shimon Wolff (39.), 4:3 Markus Lamprecht (46.), 4:4 Mathias Grabs (47.), 4:5, 4:6 Markus Lamprecht (51., 64.), 4:7 Thomas Philipp (85.)

Schönebecker SV: Mertens - Birke, Günther, Bruchmüller, P. Ebeling, Wolff, Rhode (73. Hellige), Jahns, Bernau, Fischer, Wagner

Eintracht Mechau: Braune - Smolny, Braun (21. Behrens), Schulz, Pätzold, Kretzschmann, Peters, Grabs, Lamprecht, Krotki, Philipp

Bilder