Calbe (ttr). 39. Spielminute: TSG-Handballerin Kristin Sroka läuft einen Konter und springt ab. Der Ball landet präzise im rechten oberen Eck des Jenenser Tors. Die Anzeigetafel springt auf "15:8", die Halle tobt.

Spätestens hier war der Knoten im Calbenser Spiel endgültig geplatzt, der Gegner HBV Jena 90 im Griff und der Klassenerhalt in der Mitteldeutschen Oberliga der Frauen greifbar. Am Ende stand ein klarer 25:13 (8:8)-Sieg zu Buche, der keineswegs den gesamten Spielverlauf widerspiegelte.

Denn was beide Teams in der ersten Hälfte ablieferten, hatte keinesfalls Oberliga-Niveau. Jena agierte völlig unsicher und ließ sich von der stabilen TSG-Abwehr den Schneid abkaufen. Die Gastgeberinnen hingegen haderten im Angriff, vergaben vier Siebenmeter und zahllose Großchancen. Was dann doch in Richtung Netz flog, vereitelte HBV-Torhüterin Jeanette Weigelt. So stand es nach mageren 20 Minuten 4:4, zum Wechsel 8:8.

Erst danach kam die TSG in Fahrt. "Ich habe den Informationsfluss bewusst flach gehalten", berichtete Trainer Frank Falke nach dem Spiel über seine Halbzeitansprache in der Kabine. "Das Spiel war wegen mehrerer Faktoren schwierig, aber wir haben noch einmal betont, die Chancen konsequent zu nutzen und unser beharrliches und aggressives Spiel zu finden."

Ob es die wenigen Worte waren, bleibt Spekulation. Fakt ist, dass sich die Calben- serinnen in der zweiten Hälfte wie ausgewechselt präsentierten. Aus einer aktiven Abwehr heraus flog ein Ball nach dem anderen in die Hände der sprintstarken Läuferinnen. Mit jedem Tor wuchsen Selbstvertrauen und Sicherheit und so stand es zehn Minuten später zur Verzweifelung der Thüringerinnen 16:8. Auf dieser Woge war es gewiss schwierig, den Boden unter den Füßen zu behalten, doch die TSG arbeitete beharrlich weiter und ließ den Gästen nur noch wenige Chancen. Zwei Minuten vor Schluss begann dann auch Sophia Rust, sich als letzte in die Torschützenliste einzutragen. Der 18-Jährigen blieben die letzten drei Saisontreffer ihrer Mannschaft bis zum 25:13-Endstand vorbehalten.

Für den Absteiger HBV Jena war es das letzte Spiel in der Mitteldeutschen Oberliga. "Es war von beiden Seiten eine schwache Partie, aus der Calbe jedoch verdient als Sieger hervor gegangen ist", erkannte Trainer Robert Flämmich die sportliche Leistung seiner Konkurrentinnen an. Die Erfahrungen der Saison möchte er nicht missen, auch wenn ein Abstieg gewiss immer ein Stück weh tut.

Die Calbenserinnen werden nach der Siegesfeier zunächst ein wenig durchatmen, um das Erreichte zu begreifen. Elf Monate harte Arbeit liegen hinter dem Team, das sich letztlich selbst den Klassenerhalt und damit einen Riesenerfolg schenkte.

TSG Calbe: Bartl/ Gutsch - Bily (2), Hüls (5/3), Musche (5/2), Rust (3), Sauer (2), Sprotte (1), Sroka (5), Wenzel (1), Wilke (1)

HBV Jena: Weigelt - Bachmann, Dressler, Göpfert, Gresch, Kieslich (1), Mießler (2), Neubert (2), Petznick (4), Oswald (4/1), Stanek

Siebenmeter: Calbe 9/5 - Jena 1/1 Zeitstrafen: Calbe 1 - Jena 7