Zweimal hatte der SV Pädagogik Schönebeck die Chance, zumindest einen Satz zu gewinnen und damit den Spielen um den Aufstieg in die 2. Volleyball-Bundesliga einen neuen Impuls zu geben. Das war bei der 24:20-Führung gegen den TV Gladbeck und beim 22:22 gegen Eiche Horn.Doch der SVP verlor beide Sätze, dann den Mut und schließlich die Partien mit 0:3. So wie das Wochenende drumherum verlaufen war, hatte das Team wohl nie eine Chance.

Bremen/Schönebeck. Erst im Nachhinein wurde es allen bewusst: Es war Freitag der 13., an dem es zur Relegation nach Bremen ging. Und es lief so viel schief wie nur irgendwie schief laufen konnte. Allein die Anreise gestaltete sich als Tortur. Der verspäteten Abreise in Schönebeck folgte eine größere Verzögerung nach dem Zusteigen von Spielerinnen in Magdeburg. Der Grund: Stau auf der Tangente.

Auf die Stimmung schlug sich das zunächst nicht um, im "roten Partybus" wurden zum Titelsong der "Gummibärchenbande" und zu Markus Beckers "Das Rote Pferd" aufwändige Choreografien auf die Sitzbänke gezaubert. Davon soll es sogar Beweisvideos geben. Auch nach einer Stunde hatten die Fahrgäste mit dem Mann hinterm Steuer noch kein Erbarmen, er ließ das bis zur Jugendherberge über sich ergehen. Doch die Ankunft zögerte sich weiter hinaus. Bei Königslutter lachten die Schönebecker noch über die 22 Kilometer Stau auf der Gegenseite nach Unfall in einer Baustelle. Kurz vor Hannover erwischte es sie dann, sechs Kilometer, die sich aber mindestens genauso wie 22 anfühlten, wenn man alle zwei Minuten nach 20 gerollten Metern wieder zum Stillstand kommt. Dann eine Weggabelung - links und rechts der Baustelle ging es einspurig weiter. Es rollte gut auf der linken, die Busse aber waren rechts geblieben, warum eigentlich? Nach weiteren endlosen Minuten löste sich der Stau auf - als wäre nie etwas gewesen. Ein komisches Phänomen.

Nach etwa 2,5 Stunden war die Jugendherberge in Sicht. Der Blick entschädigte für die Strapazen, die Lage direkt an der Weser war idyllisch, gar himmlisch. Die Zimmeraufteilung war ohnehin nur Makulatur, sie stand schon lange vor der Fahrt fest. Eine gute Zeitersparnis, schließlich wollten sich alle das erste Spiel zwischen dem TV Gladbeck und Eiche Horn anschauen. Also schnell auf die Zimmer, umziehen, Abendessen. Aus schnell wurden 20 Minuten, scheinbar hatte Trainer Dennis Raab ein "Betten beziehen" zwischen die Zeilen geschoben, das in einem Zimmer angekommen war, im anderen nicht.

Lautstark: Mehr als 300 Zuschauer

Also wurde das Abendessen mal schnell "inhaliert", dann ging es mit beiden Bussen durch die Innenstadt zur Sporthalle. Baustellen, Straßensperrungen, Einbahnstraßen und ein kompliziert denkendes Navigationsgerät sorgten prompt für Verspätung. Noch dazu hieß es am Eingang: "Einen Euro Eintritt bitte." Eine Unverschämtheit, die zudem weitere Sekunden kostete. "Ich hätte gern die Vorbereitungen beider Teams gesehen", schätzte Raab hinterher ein. So aber waren die ersten Punkte gespielt, es blieb nur der Stehplatz an der Seite der Turnhalle. Kamera aufbauen für die Analyse - Fehlanzeige. Also wurde sie einem Fahrer in die Hände gedrückt, er sollte schnell mal draufhalten. Nach einer lautstarken Stunde durch 300 Zuschauer musste sich der Gastgeber mit 0:3 dem Favoriten geschlagen geben, die ersten Eindrücke wurden verarbeitet. "Nicht spektakulär, aber wenig Fehler", schätzte Raab wenig später bei der Besprechung mit verwackelten Videobildern ein.

Schock am Morgen: Auto aufgebrochen

Diese war für den Trainerstab nachts um 1 Uhr zuende. Zur Auflockerung gab es noch eine Szene aus "Madagaskar 2" - "MotoMoto" wurde zum "Running Gag" des Wochenendes. Und der "Private Dancer" aus demselben Film hatte auch noch seinen Anteil daran.

Nach mehr oder eher weniger geruhsamen sechs Stunden war die Nacht zuende, die Sonne kitzelte frühzeitig in der Nase - zum Glück. Um 7.30 Uhr klopfte nämlich die Polizei an die Tür: "Ihr Bus wurde aufgebrochen." Das saß. Der Schock half, den Wachzustand augenblicklich herzustellen. Also Hosen an und hinterher. Mit einem Gullydeckel wurde die Seitenscheibe eingeworfen - verfluchte Vandalen. Zum Glück waren die elektronischen Geräte auf den Zimmern - alle bis auf das Navigationsgerät. Daran hatte keiner gedacht. Kein Wunder, es kannte sowieso nur die komplizierten Wege durch Bremen. Während also die Spieler am Vormittag die Innenstadt ohne elektronisches Hilfsgerät erkundeten, suchten die Fahrer nach durchsichtigem Ersatz. Der ADAC war hilfsbereit, Carglas ebenfalls. Nach 2,5 Stunden war alles wie es vorher war - Rekordzeit.

Auf der Suche nach einem Restaurant fürs Mittagessen herrschte Uneinigkeit. Fahrer und Betreuer plädierten für griechisch, die Spielerinnen für italienisch, das Essen durfte nicht zu gehaltvoll sein. Also beugte sich die Minderheit. Nach Nudeln, Spaghetti und Co. ging es zurück ins die Herberge - kurz ausruhen, dann Teambesprechung. Aufgrund der Auslastung - alle Seminarräume waren belegt - fand diese im Billardzimmer statt. Nicht optimal, aber auch nicht so schlimm, es war irgendwie gemütlich. Wie auf Klassenfahrt, so hatte es sich ja auch Libera Steffi Schultze im Vorfeld vorgestellt. Quintessenz der Analyse: Trainer Raab und Co-Trainer Gregor Brandt haben herausgefunden: "Wir müssen Linie blocken."

Die gute taktische Umsetzung war schließlich wohl die positivste Nachricht der Partie gegen Gladbeck, die mit 0:3 verloren ging. Doch ohne gute Aufschläge und ohne solide Annahme war es schwer, dem zweitligaerfahrenen TVG Paroli zu bieten. Wenngleich sich Michaela Sido und Nadine Müller in starker Form präsentierten und Annika Große und Jana Merkel bei ihren Einsätzen gute Eindrücke hinterließen, blieb doch eine gewisse Leere zurück, alle hatten sich etwas mehr ausgerechnet, zumindest einen Satzgewinn. "Gladbeck hat schon wieder kaum Fehler produziert", analysierte Raab schließlich.

Zerstreuung suchte das Team dann beim Mannschaftsabend. Gitarrenmusik von Charlotte Marquardt und ein unerschöpfliches Liederbuch sorgten für Entspannung, Mitternacht ging es ins Bett. Schließlich sollte beim entscheidenden Spiel die Konzentration hoch sein. Während bei den Frauen schon das Licht aus war, wurden die Männer von "MotoMoto" ins Bett gebracht.

Am Sonntagmorgen fiel der Weckruf durch die Polizei zum Glück aus. Dabei wünschte man sich die Helfer in Blau herbei, um den Frühstückssaal zu räumen. Der war viel zu klein für eine ausgebuchte Herberge - Anstehen war angesagt. Das Obst fehlte, die Milch war alle, der Kaffee viel zu dünn - kein schöner Start in den Tag. Das setzte sich beim Mittagessen fort. "Subway" sollte es werden - beide Filialen hatten aber geschlossen. Na super. Plan B war das Schnellrestaurant mit dem goldenen M - "worst case", aber nicht zu ändern. Eine gute Spielvorbereitung sieht anders aus. Ein Regenguss drohte den Zeitplan zusätzlich durcheinander zu bringen, doch er währte zum Glück nur kurz. Also ab in die Busse und ab zur Sporthalle.

Trotz Unterstützung zu ängstlich und nervös

Nach der Erwärmung erfolgte eine Diskussion über die Trikots - beide hatten die Farbe hellblau. Der SVP war schon fast aus dem Konzept gebracht, als es schließlich hieß, beide behalten ihre Wunschtrikots. Doch beruhigend wirkte sich das nicht aus, viel zu ängstlich, viel zu nervös traten die Elbestädterinnen auf, fanden bis auf den zweiten Satz nie ins Spiel. Da half auch die lautstarke Unterstützung der Fans nicht, Sebastian Behr und Jessyka Postolla vom Burger VC 99 waren zum Beispiel angereist, zudem die Eltern von Dennis Raab. Sie trommelten was das Zeug hielt, errangen mit den 350 Eiche-Fans annähernd Gleichwertigkeit.

Doch es half nichts - 0:3. Kein Wunder bei den Erlebnissen, die hinter den Spielerinnen lagen, und bei der Vorbereitung auf diese Begegnung. Der SVP konnte den Vorteil, den es nur zweimal gab in diesen Tagen, also gar nicht nutzen - Horn hatte bessere Nerven und gewann dank eines starken Blocks und wenigen Fehlern.

Der Traum von der 2. Bundesliga ist noch nicht vorbei für die Schönebeckerinnen. Die Entscheidung des Köpenicker SC, sich aus der 1. Bundesliga zurückzuziehen und in der Regionalliga zu melden, steht noch aus. Das entscheidet sich womöglich heute. Sollte das der Fall sein, würde der SVP als Dritter der Relegation nachrücken. Zwar wäre das Turnier damit hinfällig, doch die Erfahrungen in diesen beiden Partien sind wichtig für die weiteren Entscheidungen und die kommenden Planungen. Und Gladbecks Trainer Waldemar Zaleski hatte dann auch noch aufbauende Worte: "Ihr seid auf einem guten Weg", sagte er nach der Partie.

   

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