Plötzlich stürmten sie alle auf Danny Rothe zu, sowohl die Spieler auf dem Feld als auch die auf der Ersatzbank, und wollten ihn am liebsten nicht mehr loslassen, nachdem der 30-Jährige am Sonnabend vor 623 Zuschauern den 1:0-Siegtreffer für den Schönebecker SC im Derby der Fußball-Landesliga gegen den Schönebecker SV erzielte. Mit einem Mal fiel bei den "Grünen" die ganze Last, die Verkrampfung, die Verunsicherung der 84 Minuten zuvor ab.

Schönebeck. Der Gastgeber musste im Rennen um den ersten Platz unbedingt gewinnen, um die Entscheidung um den Aufstieg in die Verbandsliga in eigenen Händen zu behalten. "Dadurch waren wir ziemlich verkrampft", erklärte Rothe, "ich natürlich auch." Vielleicht waren auch die Erlebnisse aus der vergangenen Saison noch in den Köpfen, als das Team am vorletzten Spieltag beim FSV Nienburg (1:2) der ersten Platz und den Aufstieg einbüßte. Das sollte nun auf keinen Fall erneut passieren. Der SSC wollte also vor allem nichts zulassen, wollte nicht in Rückstand geraten. "Dann wäre es sehr schwer für uns geworden", sagte Rothe.

Trainer Christian Kehr fand klare Worte für sein Team: "Das war unser zweitschlechtestes Spiel heute. Aber das Ergebnis hat gestimmt. Der Treffer wurde aus dem Spiel heraus erzielt, mit unseren Standards haben wir nicht die gewohnte Gefährlichkeit ausgestrahlt."

Die Verunsicherung des SSC äußerte sich beispielsweise in den beiden Torschüssen von Marcus Bolze (2., 13.), in denen er zu zentral schoss und SSV-Keeper Steven Ebeling zweimal parierte, und sie äußerte sich in den Freistößen von Enrico Palm, die normalerweise zu den gefährlichsten der Liga gehören, am Sonnabend aber dreimal über den Kasten gingen. Die wohl beste Chance vergab Maik Adrian, als Ebeling schon geschlagen war, der SSC-Akteur aber nicht abschloss, sondern auf Bolze ablegen wollte. Der Pass ging jedoch am Mitspieler und am Pfosten vorbei (37.).

Die Gäste wussten trotz der beiden Ausfälle von Christopher Birke und Thomas Hellige und der angeschlagenen Spieler zu überzeugen. Auch Matthias Fischer, Fabian Jahns oder Mathias Rhode, die einst vom Magdeburger SV Börde nach Schönebeck gewechselt waren, ließen sich vom Derbycharakter anstecken. "Wir haben keinen Meter kampflos überlassen. Es wollten alle", freute sich Trainer Marko Fiedler über die Einsatzfreude seiner Schützlinge. Sie standen gut gestaffelt in der Abwehr, ließen so den SSC über seine Außen Palm, Stephan Schulz, Kevin Lindner oder Thomas Ritzmann - normalerweise eine Stärke des Teams - nicht zur Entfaltung kommen und lauerten auf Konter. Ein Spiel, das dem Team ohnehin entgegen kommt. Zudem stand Christian Wagner sehr eng an Adrian und ließ so den SSC-Stürmer kaum zur Entfaltung kommen.

Zwar waren bis auf einen Fernschuss von Fischer (15.) die Chancen zunächst Mangelware, doch aufgrund der verunsicherten Gastgeber, die schon im Mittelfeld die Bälle verloren, leiteten Rhode, Shimon Wolff oder Christian Bruchmüller immer wieder gefährliche Gegenstöße mit schnellen Pässen ein. Auch Keeper Steven Ebeling erwies sich als guter Passgeber, machte mit seinen genauen Abwürfen oftmals das Spiel sehr gut schnell.

Die beste Möglichkeit hatte Patrick Ebeling nach Zuspiel von Rhode. Doch er zögerte einen Moment zu lange und traf mit seinem Schuss so nur den herausgeeilten SSC-Keeper Sebastian Deumeland (30.). "Vielleicht wäre die Partie anders verlaufen, wenn das Ding drin gewesen wäre", schätzte Fiedler ein. So aber ging es mit einem 0:0 in die Kabinen.

Nach dem Wechsel hat der SSC "mehr investiert", sagte Rothe, zwingende Torchancen sprangen dabei aber nicht heraus, zu kompliziert, zu lange zögerte der Gastgeber vor dem Tor. Erst in der 84. Minute setzte sich der lauffreudige Bolze auf der rechten Seite gegen Jahns durch und flankte zu Rothe, der den umjubelten Siegtreffer erzielte. Grund zum Überschwang sei dies aber nicht. "Der Sieg ist eine schönes Sache, aber wir haben noch nichts erreicht", sagte der Stürmer im Hinblick auf das letzte Spiel am Sonnabend beim VfB Ottersleben.

Der SSV hatte die Partie gestern bereits abgehakt und demonstrierte mannschaftliche Geschlossenheit, indem es beim Umzug von Thomas Hellige half. Am Sonnabend hat das Team die letzte Chance, seine Heimbilanz aufzubessern. "Wenn wir denn elf Spieler auf den Platz bekommen", erklärte Fiedler. Schließlich falle Christian Wagner aufgrund einer Beckenprellung längere Zeit aus. Zudem war Christian Bruchmüller angeschlagen in die Partie gegangen (Knie). "Wir wollen uns trotzdem vernünftig aus der Saison verabschieden", betonte der Coach.

Schönebecker SC: Deumeland - Buchholz, Renger, Bolze, Rothe, Palm (82. Plantikow), Ritzmann, Wejsfelt, Lindner (63. Braunert), Adrian, Schulz (57. Duscha)

Schönebecker SV: S. Ebeling - Bernau, Günther, Bruchmüller, P. Ebeling, Wolff, Rhode, Jörß, Fischer, Wagner (82. Meyer), Jahns

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