Die Fußballer waren Gründungsmitglied der Salzlandliga, die Handballer einst auf dem Großfeld erfolgreich und die Tischtennis-Spielerinnen gewannen einen Pokal im Landeswettbewerb - doch nun ist die SG Traktor Brumby Geschichte. Der Verein aus dem Salzlandkreis musste dem Mitgliederschwund Tribut zollen und sich abmelden.

Brumby l Traktor Brumby hätte es im vergangenen Jahr noch einmal richtig krachen lassen können. Der Verein hätte sein 65-jähriges Bestehen feiern dürfen. Das Jubiläum verlief jedoch weitgehend unbemerkt - wie schon der 60. Geburtstag im Jahr 2008. Es waren die ersten Anzeichen, dass der Verein nur noch schwer aufrecht zu halten war. "Es ist natürlich schade", sagt Michael Bringezu, der letzte Abteilungsleiter Fußball sowie Vorsitzende. "Aber worauf soll man warten." Schließlich bräuchte man einen Vorsitzenden, einen Stellvertreter sowie einen Kassenwart. "Wir haben uns umgehört, aber die Jugend möchte es nicht übernehmen", erklärt Lothar Kunze, der letzte Abteilungsleiter Handball. Und so werden die einst großen Erfolge der Fußballer, immerhin Gründungsmitglieder der Salzlandliga, und der Handballer, die eine feste Größe in der Bezirksklasse und -liga waren, für immer Geschichte sein.

"Das Freundschaftsspiel gegen Post SV Magdeburg wird zum 40. und wohl letzten Mal ausgetragen."

Dabei fing es doch zuversichtlich an im Jahr 1948, als die BSG "Pflugschar" Brumby dank eines landwirtschaftlichen Trägerbetriebs gegründet wurde, die in den folgenden Jahren auch Boxer, Reiter und Tischtennisspieler beherbergte. Die erste Handball-Mannschaft stellte sich um Walter Friedrich, Heinz Hulha, Helmut Koch, Ludwig Löw oder Werner Schmitt auf. Bis 1967 nahm das Team an der Meisterschaft auf Großfeld teil, zuweilen vor mehr als 200 Zuschauern. Eine Tradition aus dieser Zeit hat sich bis heute gehalten - die Freundschaftsspiele gegen Post SV Magdeburg. In diesem Jahr, also 2014, wird dieses Duell an "Christi Himmelfahrt zum 40. Mal ausgetragen - und wohl zum letzten Mal", bedauern Kunze, Ulrich Köhlitz, Günter Rockmann sowie Manfred Emmer.

Die Abteilung habe sich zwar um Nachwuchsteams bemüht, doch "es ist schwer, auf dem Dorf komplette Jugendmannschaften zu stellen". Nach der Schulschließung Ende der 1980er Jahre sei es ungleich schwieriger geworden, sie wurde nach Förderstedt und Calbe verlegt. "Die Kinder werden direkt in der Schule angesprochen, da hatten die Calbenser dann Vorteile", sagt Kunze. So war es ein schleichender Prozess, es gab immer weniger Mitglieder. Bis 2003 konnte ein Spielbetrieb in der Halle noch aufrecht erhalten werden, weil beispielsweise aus der Dritten von Lok Schönebeck Spieler nach Brumby wechselten. Doch in der Folge war die Altersstruktur zu unterschiedlich, aus beruflichen Gründen verließen mehrere Nachwuchsakteure den Verein. Aus 32 Mitgliedern in der Abteilung wurden daraufhin schlagartig 13.

In mehr als 60 Jahren Verein hat es auch einige herausragende Talente gegeben, die ihren Ursprung in Brumby hatten. Bei den Handballern war dies vor allem Karl-Heinz Richter, der in den 60er Jahren schließlich für den ASK Berlin auf Torejagd gegangen war. Aktuell sind beispielsweise mit Dirk Schedlo, Trainer der Handballerinnen der SG Lok Schönebeck in der Sachsen-Anhalt-Liga, und Christian Hübner, Rückraumschütze bei der TSG Calbe in der Mitteldeutschen Oberliga, ebenfalls Brumbyer aktiv. Im Fußball hingegen zählte vor allem der Teamgeist, Einzelkünstler gab es nicht. Wenn man von einer aktuell lokalen "Berühmtheit" sprechen möchte, könnte vielleicht Stephan Birnbaum genannt werden, der einst in Reihen der SG Traktor aktiv war und derzeit in der Landesliga-Elf der TSG Calbe aufläuft.

Die letzte Blütezeit hatte Traktor im Jahr 1995 erlebt, als die Abteilung Fußball gegründet wurde. Drei Jahre später, also zum 50-jährigen Bestehen, hatte der Verein 108 Mitglieder, darunter auch eine A-Jugend-Mannschaft (1996/97). "Wir haben natürlich vom Verein aus Calbe profitiert", schätzt Bringezu ein. Nach dem Aufstieg in die Kreisoberliga und der Gründung der Salzlandliga, als Traktor das Eröffnungsspiel gegen den BSV Eickendorf mit 3:0 gewonnen hatte, hielt sich das Team zwei Jahre in der höchsten Spielklasse des Kreises, musste dann aber den Abstieg hinnehmen. Es war der Anfang vom Ende. Bereits im Jahr 2011 stand der Spielbetrieb der Fußballer auf der Kippe, konnte aber fortgeführt werden. "Nach dem Aufstieg herrschte große Euphorie, dann wurde es immer weniger, auch bei den Zuschauern", resümiert Bringezu, dem die Derbys gegen den VfB Glöthe sicherlich immer im Gedächtnis bleiben werden.

"Nach dem Aufstieg herrschte große Euphorie. Dann wurde es immer weniger."

Brumby wird nun nicht sein Vermächtnis im Vereinsheim bewahren. Das ist bereits so gut wie leer geräumt und gehört der Stadt Staßfurt. "Wir haben kein Eigentum", erklärt Kunze. Vielmehr sind die Pokale der Handballer auf mehrere Spieler verteilt. Wenn man so will, hat jeder ein Stück Vereinsgeschichte zuhause in der Vitrine stehen, jeder hat ein Stück Brumbyer Tradition in den eigenen vier Wänden und bewahrt das Vermächtnis des Vereins.

Das Vereinsvermögen wurde gespendet. Jeweils 1600 Euro erhielten die Abteilungen Kanu, Handball und Fußball der TSG Calbe. Zudem kamen dem Jugendclub und der Kindertagesstätte Brumby Sach- und Geldspenden im Wert von jeweils 500 Euro zugute.