Leipzig (chj) l Vor der Partie sah Nils Lässing seine Sieben in der Rolle des klaren Außenseiters. Doch er sollte eines Besseren belehrt werden: Die Handballerinnen des HC Salzland 06 gewannen beim HC Leipzig II mit 25:21 (9:9) und stellten erneut unter Beweis, dass mit einer bärenstarken Defensiv-leistung jeder Gegner in der 3. Liga schlagbar ist.

"Ich habe nicht mit einem Sieg gerechnet, vor allem nicht, wenn man den Spielverlauf betrachtet", erklärte Lässing. Der HCS fand schwer in die Partie, lag nach zehn Minuten mit 1:6 hinten. Drei Konter wurden in Folge vergeben und jeweils mit einem Gegentreffer bestraft. Dann zog der Trainer die Reißleine und zückte die Auszeit-Karte. "Laut werde ich nur bei mangelnder Einstellung. Ich habe es mit konstruktiver Kritik versucht und hoffe, dass sie die Mannschaft erreicht hat." Allem Anschein nach tat sie es. Denn die Salzländerinnen starteten daraufhin eine fulminante Aufholjagd. In 20 Minuten ließ der HCS nur drei Treffer zu und kam auf der anderen Seite selber achtfach zum Erfolg, ging so dem Pausenstand von 9:9 in die Kabine. "Unsere Deckung hat sich sichtlich aufgerappelt", so Lässing.

Auch im zweiten Durchgang zeigten die Gäste Moral. "Wir lagen zwischenzeitlich mit zwei Toren hinten, doch sind wieder herangekommen. Wir waren wesentlich abgeklärter als zuletzt", lobte der Gästetrainer.

Eine Baustelle kristallisierte sich dennoch heraus. "Die Angriffsleistung war nicht berauschend. Doch wenn die Deckung gut funktioniert, kann man die Schwäche vorn kompensieren." Vor allem Teresa Sacher entpuppte sich als Fels in der Brandung. "Sie hat ihre Deckungsarbeit dermaßen kreativ gelöst, dass es für den Gegner unberechenbar wurde. Sie setzte hinten entscheidende Akzente und war vorn sogar dreimal erfolgreich.", lobte Lässing. "Leipzig verkrampfte zunehmend und biss sich an unserer starken Deckung regelrecht die Zähne aus. Wir haben die drittbeste Abwehr der Liga, darauf beruht unser Konzept."

Neben Sacher stachen zwei weitere Salzländerinnen hervor: "Basierend auf einer starken Defensive zeigte Annika Lorf eine tolle Leistung im Tor." Auch Rückkehrerin Victoria Göpel überzeugte in ihrer zweiten Partie nach einer langen Verletzungspause. "Ich scheue mich vor dem Wort sensationell, da es so inflationär gebraucht wird. Aber sie war sehr stark."

Auch wenn Sacher, Lorf und Göpel herausstachen, lobte der HCS-Coach das gesamte Team. "Unser schnelles Umschalten war hervorragend. Das Rückzugsverhalten ist eine reine Kopf- und Einstellungsfrage und ich bin froh, dass es so gut funktionierte. Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung."

Zwar nahm der frühe Rückstand ein gutes Ende, doch Lässing wünscht sich in Zukunft einen besseren Start. "Lieber ist es mir natürlich, wenn wir von Beginn an dran bleiben. Es klappt nicht immer so."

HC Leipzig II: Detjen, Ihle - Uhlmann, Reimer (5), Mitrovic (3/1), Lederer (4/2), Conrad (7), Kathner (1), Sturm (1), Rode

HC Salzland 06: Lorf, Klauß - Schwarz (1), Rosiak (1), Retting (1), Jäger (6/2), Farken (3), Knappe (1), Sachse (1), Göpel (5/1), Sacher (3), Häußler (1), Böhm, Schüler (2)

Siebenmeter: HCL II 3/4 - HCS 3/3; Zeitstrafen: HCL II 2 - HCS 4