Atzendorf (chj) l "Die Diskrepanz zwischen den Heim- und Auswärtsleistungen" - bringt Steffen Grohe aus dem Trainergespann mit Bernhard Knoll das Fazit der ZLG Atzendorf auf den Punkt. Seine Elf belegt nach der Hinrunde der Fußball-Landesklasse mit 20 Punkten Rang elf. Nur sieben Zähler holte die ZLG vor eigenem Publikum - die Heimschwäche ist das große Manko.

Mit zwei Siegen und einem Unentschieden verwöhnten die Atzendorfer ihre Anhänger nicht unbedingt. Dabei ging es gleich am 1. Spieltag mit einem 4:1 gegen den Blankenburger FV gut los. Es folgte ein 2:2-Unentschieden im Derby beim SV 09 Staßfurt und ein 2:1-Erfolg in Ilsenburg. "Das war ein guter Start in die Saison", erinnert sich Grohe. "Alle waren fit und fast alle waren da." Nur Kapitän Stefan Rock fehlte verletzungsbedingt. "Doch den Ausfall haben wir hervorragend kompensiert."

Dem guten Start folgte eine Phase, die nicht unbedingt von Konstanz geprägt war. Den negativen Höhepunkt bildete dabei die 1:6-Pleite beim TV Askania II am 8. Spieltag. Das Spiel spukt noch immer in Grohes Kopf herum. "Die Art und Weise unseres Auftretens war schlimm. Wir haben in der ersten Halbzeit überhaupt keine Einstellung zum Gegner entwickelt. Das schmerzte richtig", erinnert sich der ZLG-Coach. "Doch wir haben unsere Lehren daraus gezogen."

Den höchsten Sieg fuhren die Atzendorfer am 11. Spieltag gegen Veckenstedt ein. Am Ende stand es 5:2, nicht zuletzt dank drei Treffern von Sebastian Tolle. Grohe lobte seine Offensivkraft für die gute Hinrunde, seine "hervorragende Entwicklung und Abgezocktheit vor dem Tor". Mit zehn Treffern ist Tolle der viertbeste Goalgetter der Liga.

Sinbildlich für die fehlende Konstanz der ZLG folgte dem guten Auftritt gegen Veckenstadt ein miserabler gegen Wulferstedt. Die Atzendorfer führten bereits mit 2:0, später mit 3:1, doch in der Schlussphase fand der Gastgeber gar nicht mehr statt und Wulferstedt drehte die Partie noch zum 4:3. "Wir haben das analysiert. Unser Auftritt war nicht clever genug. Aber vor allem am Ende waren die Spieler konditionell am Ende, auch bedingt durch Verletzungen." Vor allem in der Defensive passte nichts mehr zusammen.

Doch nicht nur gegen Wulferstedt setzte es eine scheinbar vermeidbare Niederlage. Auch gegen Osterwieck war eigentlich mehr drin. Die ZLG-Akteure scheinen zwei Gesichter zu haben. "In dem einen Spiel werden die taktischen Vorgaben gut umgesetzt, im nächsten nicht und es wird vor allem hinten aufgemacht", hadert Grohe. Oft wurde die Abwehrarbeit vernachlässigt. "Die Abstimmung verlief oft schwierig." Mehrfach fehlten der Defensive die gestandenen Akteure, wie Sven Wolter oder Stefan Rock. "Allein ihre Anwesenheit macht den Unterschied. Sie rütteln die Spieler wach. Die Abwehr steht dann ganz anders", weiß Grohe.

Doch nicht nur im hinteren Teil der Mannschaft gibt es eine Baustelle. Vorn stolperte die ZLG oft über die eigene Chancenverwertung. Das beste Beispiel dafür dürfte Marc Burdack sein. "Es war enorm, was er sich an Chancen erarbeitet hat, zum Teil auch allein dank seiner Schnelligkeit. Doch was dabei an Treffern heraussprang, steht dazu in keinem Verhältnis", moniert Grohe.

Der Linksaußen veließ jedoch die Atzendorfer in Richtung SV Förderstedt und dürfte der ZLG schmerzlich fehlen. Außerdem gingen Kai Hän-sch (Aschersleben) und Philipp Schmold (Eickendorf). "Die Abgänge treffen uns natürlich hart."

In der laufenden Spielzeit erwies sich die Elf von Steffen Grohe und Bernhard Knoll als sehr fair - vielleicht zu fair. Mit 31 Gelben Karten und zwei Gelb-Roten steht das Team an Platz drei der Fairnesstabelle. Das freut die Trainer nicht nur. "Wir wollen natürlich niemanden zum Foulen animieren. Aber hin und wieder müssen wir auch mal eine Verwarnung in Kauf nehmen, um eine Chance zu verhindern", fordert Grohe.

In Atzendorf sieht man der Rückrunde positiv gestimmt entgegen. Ein Grund dafür ist der Auftritt bei Schwarz-Gelb Bernburg, als die ZLG mit 2:1 gewann. "Das war ein guter Abschluss", weiß Grohe. Doch eigentlich ist die Hinrunde noch gar nicht abgeschlossen. Die letzte Partie gegen Spitzenreiter Westerhausen steht noch auf dem Plan. "Da gehen wir natürlich mit einer ganz anderen Einstellung heran." Nicht nur gegen Westerhausen, sondern auch für die gesamte Rückrunde wünscht sich der Coach Konstanz. "Wir werden zusehen, dass wir trotz des schweren Startprogramms zu Punkten kommen."