Mit dem ersten Sieg im Derby der Mitteldeutschen Handball-Oberliga gegen die HG 85 Köthen seit mehreren Jahren und der Revanche für die 26:27-Niederlage aus dem Hinspiel hat der HV Staßfurt den zweiten Erfolg im neuen Jahr eingefahren und zugleich Hoffnungen auf eine starke Rückrunde geweckt.

Staßfurt l Es herrscht immer eine besondere Atmosphäre, wenn die HG 85 Köthen beim HV Staßfurt zu Gast ist. Für die meisten Bodestädter ist es "Das Derby" überhaupt, wenngleich in den bisher 25 Duellen 15-mal die zwei Punkte an die Köthener gingen, die in der jüngeren Vergangenheit auch die Statistik zu ihren Gunsten zurechtgerückt hatten. Und ausgerechnet ein ehemaliger Akteur der Gäste vom Freitagabend hat nun vor 400 Zuschauern für die Umkehrung der Kräfteverhältnisse gesorgt. Keeper Patrick Tuchen hielt insgesamt 19 Bälle auf seinen Kasten, darunter mehrere Freie, und war damit maßgeblich am 29:28-Erfolg beteiligt, auch wenn er seine Leistung lediglich als solide bezeichnete. "Ich hoffe aber, dass dieser Sieg eine Initialzündung für eine starke Rückrunde ist."

Dafür sollten die Staßfurter vor allem an ihrer starken 6-0-Deckung festhalten, die besonders in der zweiten Hälfte erfrischend offensiv agierte und oftmals mit Nils Hähnel, Alexander Ernst, Christoph Frank oder später auch Roman Bruchno frühzeitig auf den Rückraum hinaustrat, so dass auch Tuchen oftmals die Torwartseite erfolgreich verteidigte. "Wir haben unterm Strich mehr Leidenschaft gezeigt. Wir hatten den größeren Willen zu gewinnen", betonte der Staßfurter Schlussmann.

Lediglich die Unkonzentriertheiten zu Beginn der beiden Halbzeiten (jeweils zwei Ballverluste und der schnelle Zwei-Tore-Rückstand) muss Staßfurt noch abstellen. So benötigte das Team nämlich viel Kraft, um die Partie wieder zu seinen Gunsten zu drehen. "Wir hatten aber auch etwas Glück, dass Köthen das nicht besser genutzt hat", gestand HVS-Trainer Uwe Mäuer ein. Nach der 20:17-Führung der Gäste zum Beispiel, als sich Frank und Sebastian Retting zwei schlechte Würfe nahmen und vergaben, ließ Max Ziemann drei gute Gelegenheiten ungenutzt, Florian Lampe scheiterte an Keeper Tuchen. Insgesamt blieb der bis dato Tabellenführer sechs Minuten ohne Treffer.

Die Rot-Weissen hingegen hatten sich bis dahin mit der 3-2-1-Deckung der Köthener schwer getan, die das Einlaufen gut unterbunden hatte und auch die Anspiele an den Kreis aufmerksam abwehrte. Doch ausgerechnet diese waren schließlich so etwas wie eine Initialzündung. Als Roman Bruchno zweimal den Weg zu Oliver Jacobi an den Kreis fand - es waren gefühlt die ersten Treffer aus einem Spielzug heraus - drehte Staßfurt die Partie in eine 22:20-Führung. Zuvor hatten sich Sebastian Retting, Hähnel und Frank in starken Einzelaktionen durchsetzen müssen. Da nun auch die Köthener ihrer Abwehrarbeit Tribut zollen mussten und bei ihnen die Kräfte nachließen, produzierten sie mehrere Ballverluste, verteidigte der HVS die Führung bis zum 28:26 (57.).

Doch dann kassierten Hähnel und Bruchno Zeitstrafen, in doppelter Überzahl glich Köthen aus. "Wir haben geführt. Wenn Roman einfach stehen bleibt und den Wurf zulässt, bleibt er ohne Strafe und wir können im Gegenzug ausspielen", haderte Mäuer. "Aber in der knappen Schlussphase kann das schon mal passieren. Was zählt ist, dass wir gewonnen haben", freute sich der Coach. Den Siegtreffer markierte Tobias Rindert per direktem Freiwurf zwei Sekunden vor dem Ende. "Da hatten wir auch etwas Glück", betonte Mäuer, der ebenso auf eine Initialzündung hofft.

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