Nach dem Weggang von Uwe Illig standen die Handballer des HV Rot-Weiss Staßfurt II ohne Trainer da. Mario Kutzer übernahm das Team - aus der Übergangslösung wurde eine dauerhafte. Noch in der Hinrunde lief er selbst auf. Volksstimme-Mitarbeiter Christian Jäger sprach mit dem 31-jährigen Offsetdrucker.

Volksstimme: Herr Kutzer, wie kam es, dass sie das Trikot gegen den Trainer-Posten eingetauscht haben, zumal Sie in der Hinrunde ja selbst noch aktiv waren?

Mario Kutzer: Ich habe in der Hinrunde nur wenig gespielt. Einerseits war ich verletzt, andererseits wollte ich sportlich kürzer treten, da ich Vater geworden bin. Da wollte ich natürlich so viel Zeit wie möglich zu Hause sein. Nachdem Uwe Illig dann aufgehört hat, standen wir im Pokal gegen Schönebeck ohne Trainer da. Ich stand als Verantwortlicher im Protokoll, aber wir haben alles mannschaftlich besprochen. Danach funktionierte das nicht richtig. Ich habe das Gespräch mit dem Team gesucht.

Volksstimme: Die Funktion des Spieler-Trainers kam für Sie nicht in Frage?

Kutzer: Nein. Entweder man konzentriert sich auf die Jungs oder auf das Spiel. Von der Bank aus kann man besser analysieren, von außen ergibt sich ein ganz anderer Blickwinkel.

Volksstimme: Wie sieht die Vereinbarkeit von Sport und Familie nun aus?

Kutzer: Es ist natürlich immer schade, wenn man einen halben Tag mit der Familie verpasst. Aber ich habe die volle Rückendeckung meiner Freundin. Sie ist selbst Sportlerin, spielt Volleyball und hat daher großes Verständnis. Ohne diese Absprache wäre das nicht möglich.

Volksstimme: Akzeptiert die Mannschaft Sie als Trainer?

Kutzer: Ja, ich werde als Trainer ernst genommen. Anfangs hatte ich auch meine Zweifel. Schließlich geht man mit seinem Trainer ja anders um als mit seinen Mitspielern.

Volksstimme: Juckt es Ihnen hin und wieder in den Fingern?

Kutzer: Natürlich, besonders in der Deckungsarbeit. Wenn es dort mal nicht so richtig läuft, will ich am liebsten auf die Platte springen und den Jungs zeigen, wie es geht.

Volksstimme: Zuletzt war mangelnde Disziplin immer wieder ein Thema in der Mannschaft. Können Sie in dieser Hinsicht schon Erfolge verbuchen?

Kutzer: Ja, das Team ist etwas ruhiger geworden. Es wird definitiv weniger gemeckert als früher. Es war anfangs unser großes Problem, dass die Spieler sich untereinander die Schuld gegeben haben - oder etwa den Schiedsrichtern, statt die Fehler bei sich selbst zu suchen. Und Gemecker ist tödlich, so verliert man Spiele.

Volksstimme: Also setzten Sie vor allem auf den Mannschaftsgeist?

Kutzer: Ja. Es gewinnen in der Regel die Mannschaften, die während der 60 Minuten als Team auflaufen. So war es auch im letzten Spiel gegen Magdeburg. Das war kein richtiges Team, hat deswegen verloren - oft waren wir an deren Stelle.

Volksstimme: Was haben Sie unternommen, damit das Meckern aufhört und der Mannschaftsgeist überwiegt?

Kutzer: Wir haben viel geredet. Außerdem habe ich einen Strafkatalog eingeführt, der ab sofort greift. Meckern zieht dabei die Höchststrafe nach sich. Außerdem haben die Jungs zuletzt gemerkt, dass sie erfolgreicher sind, wenn das Miteinander funktioniert. Der Zusammenhalt ist das A und O.

Volksstimme: Derzeit stehen Sie und der HVS II auf dem vorletzten Platz. Glauben Sie an den Klassenerhalt?

Kutzer: Natürlich. Wir können das schaffen. Unser großes Ziel ist es, am Ende zwei Mannschaften hinter uns zu lassen.

Volsstimme: Geht ihre Trainertätigkeit über die laufende Saison hinaus, auch im Fall eines Abstiegs in die Verbandsliga?

Kutzer: Es ist angedacht, dass es mit mir weitergehen soll, auch wenn wir absteigen. Solange die Mannschaft nichts anderes signalisiert, bleibt es auch so. Aber bisher stimmt das Feedback.