Staßfurt (chj) l Die Luft wird dünner für die Handballerinnen des HC Salzland 06. Sie belegen den zehnten Rang in der 3. Liga, mit lediglich drei Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Am Sonnabend tritt die Sieben von Nils Lässing ab 17 Uhr beim Berliner TSC an, der derzeit den zwölften Rang belegt und ebenfalls um alles spielen werden.

Das Hinspiel, dass die Salzländer mit 18:19 (11:11) verloren, nagt noch immer am Trainer des HCS. "Das war die Niederlage, die bisher am meisten weh tat. Mit einem Sieg wäre es nun um einiges einfacher gewesen", erklärt Lässing. Der Stachel sitzt also noch tief, "hoffentlich auch in der Mannschaft".

Zuletzt lief es für den HC Salzland alles andere als rosig. Bei der jüngsten 25:31 (11:14)-Niederlage gegen Abstiegskandidat Rostocker HC stimmte es hinten und vorn nicht. "Wir sind in Einzelteile zerfallen. Die mannschaftliche Geschlossenheit, die uns bei Siegen stets ausgezeichnet hat, fehlte. Es fehlte der Mut, zu sagen, `Wir kommen wieder`. Das muss in Berlin anders laufen", fordert Lässing. Dennoch hält der Trainer seine Hand schützend über seine Spielerinnen. "Ich will die Leistung nicht schönreden. Aber es lag nicht am mangelnden Willen oder der Einstellung. Vielmehr war es der nervliche Druck, der uns am Ende lähmte. Die Mannschaft ist psychisch in keiner guten Verfassung." Die Erwartungshaltungen, die vielen knappe Niederlagen gegen gute Gegner oder aber nach überzeugenden Siegen, aufgebaut wurden, waren nach Meinung des Trainers "kontraproduktiv".

In dieser Situation hätte sich Lässing lieber einen anderen Gegner gewünscht als Berlin. "Travemünde wäre mir lieber gewesen." Die Partie wird wegweisend für die Salzländerinnen. "Es ist eins der wichtigsten Spiele", weiß der Coach. Um diese Aufgabe zu meistern, fordert Lässing neben Konzentration aller, vor allem die Routiniers.

Neben all dem Druck darf laut Lässing eines jedoch nicht zu kurz kommen: "Wir werden mit der nötigen Ernsthaftigkeit nach Berlin reisen. Aber der Spaß am Handball darf nicht fehlen." In der Vergangenheit kam dieser oft zu kurz, was zu verkrampften Aktionen führte.

Die Berliner schätzt der Salzländer Trainer stark ein. "Ähnlich wie Rostock agieren sie sehr diszipliniert. Sie verfügen über eine kontrollierte Offensive, die sehr vom Rückraum lebt." Die taktische Marschroute lautet daher, selbigen auszuschalten. "Wir müssen den Rückraum möglichst unter Kontrolle bekommen. Dabei kommt auch den Torhütern eine große Verantwortung zu." Dafür kann Lässing wieder auf beide Stammkräfte im Kasten zählen.

Ein kleiner Rückschlag ist der krankheitsbedingte Ausfall von Stephanie Jäger. Mit 122 Treffern ist sie die fünftbeste Offensivkraft der gesamten Liga. Ihre Aufgaben werden andere übernehmen müssen, wie zum Beispiel Maria Häußler. "Sie wird auf jeden Fall mit in die Pflicht genommen", erklärt der Trainer. Bis auf Jäger kann Lässing auf all seine Akteure bauen.

Personelle Ausfälle hat auch Berlins Trainer Carlo Gregarek zu beklagen. Mit Viktoria Varkonyl und Torhüterin Jennifer Höft fallen zwei wichtige Akteure aus. Gregarek warnt vor den Salzländerinnen. "Sie sind mit einem angeschossenen Reh vergleichbar, sind in der Situation besonders gefährlich." Der Berliner Trainer rechnet damit, dass es eine "Abwehrschlacht und ein kampfbetontes Spiel" wird. "Die Torhüter auf beiden Seiten werden dabei eine wichtige Rolle spielen."

Gregarek spricht von "Wochen der Wahrheit", denn auch für die Berliner geht es um alles oder nichts. "Aber gegen einen direkten Kontrahenten im Kampf um den Klassenerhalt werden wir natürlich auf Sieg spielen", erklärt der Coach. Er vermutet angesichts beider Abwehrreihen, dass die Partie in der Offensive entschieden werden könnte. "Wer vorn die Bälle reinkämpft, wird gewinnen."

Der HC Salzland 06 stellt seinen Anhängern wieder einen Fan-Bus zur Verfügung. Dieser fährt um 12 Uhr von der Staßfurter Post ab.