Binnen neun Minuten entschied Sebastian Tolle das Landesklasse-Derby zwischen der ZLG Atzendorf und dem SV 09 Staßfurt. Kurz vor Schluss verwandelte er zwei Strafstöße, sorgte so für den 2:1 (0:1)-Sieg in einem sonst eher durchwachsenen Fußballspiel.

Atzendorf l Anders als im Hinspiel wurde das Derby nicht von Fouls, Verletzungen und Härte geprägt. Fußballerische Höhepunkte blieben über weite Strecken aus. Deutlicher sah es Axel Quednow, Co-Trainer des SV 09. "Das war über 93 Minuten kein Fußball. Es war ein Grottenspiel." Ihm stieß vor allem übel auf, dass sein Team spielerische Klasse vermissen ließ. "Wir haben es über das gesamte Spiel nicht verstanden, Zugriff zur Partie zu finden. Es war enttäuschend, was wir gezeigt haben." Der Stachel der Enttäuschung saß tief.

Auch Steffen Grohe aus dem Trainergespann mit Bernhard Knoll war erstaunt vom Auftreten der Gäste. "Die Staßfurter waren überraschend zurückhaltend." Außerdem wunderte er sich über das Ausbleiben der erwarteten Härte. "Es gab natürlich Fouls, aber keine bösen. Ich war überrascht, wie fair die Partie verlief."

Grund zur Klage hatte Grohe im Gegensatz zu Quednow nicht. Viel mehr lobte er seine Schützlinge für die Umsetzung der Vorgaben. "Wir haben aus den vergangenen Partien unsere Lehren gezogen und wollten dichter an den Gegenspielern stehen. Außerdem waren wir körperlich und konditionell überlegen", erklärte Grohe.

In einer Partie, die größtenteils zwischen den Strafräumen stattfand, jubelten die Staßfurter nach 38 Minuten. Danny Reuscher brachte seine Elf in Führung. Am Spiel änderte der Treffer wenig. Die technisch stärkeren Staßfurter versuchten es mit Kurzpässen und Flanken aus der Tiefe. Die Gastgeber hielten mit langen Bällen dagegen, die häufig ohne Abnehmer blieben. "Atzendorf hat mit langen Bällen operiert, das haben wir auch so erwartet", erklärte Quednow. "Die langen Bälle waren von uns so gewollt. Denn Staßfurt hat früh gepresst", so Grohe.

Die Gäste waren nicht nur technisch überlegen, auch in Sachen Schnelligkeit hatten sie Vorteile. Doch die ZLG hatte darauf die passende Antwort parat, agierte körperlicher und ließ dem SV 09 wenig Räume, die läuferischen Vorteile zu nutzen.

Chancen gab es auf beiden Seiten, wenngleich auch wenige. In Sachen Aluminium-Treffer behielten die Gäste die Nase mit 3:1 vorn. "Das Quäntchen Glück fehlte oft", bedauerte der Staßfurter Co-Trainer.

Die Partie blieb zerfahren. Heikel wurde es in der Schlussphase. Zehn Minuten vor Abpfiff zeigte Schiedsrichter Marcel Kautz auf den Punkt, nachdem er ein Foulspiel an Atzendorfs Stefan Rock sah. Tolle schnappte sich das Leder und traf. Nur acht Minuten später zeigte Kautz erneut auf den Punkt, nachdem er ein Foul an Steffen Linsdorf sah. Tolle schnappte sich das Leder und traf erneut.

Erwartungsgemäß sahen beide Trainer die Entscheidungen unterschiedlich. Während es für Grohe "zwei glasklare Elfer waren" erklärte Quednow die Pfiffe für ein Geheimnis des Linienrichters, der beide Male die Fahne hob. "Das waren zwei Geschenke, die Atzendorf dankend annahm."

Deutliche Worte fand nach dem Abpfiff Axel Quednow: "Wir haben als Mannschaft versagt." Sein Gegenüber Steffen Grohe machte den Erfolg nicht an einem Spieler fest, hob vielmehr ein Mannschaftsteil heraus: "Es gab keinen Mann des Spiels. Aber die Innenverteidigung war bestens drauf. Sie hat wenig zugelassen", lobte er.

Insgesamt sahen 180 Zuschauer das Derby. Der Großteil stammte aus Staßfurt. "Deswegen haben wir ja gewonnen", scherzte Grohe in Anspielung auf die Auswärtsstärke der ZLG. Angesichts der eigenen spielerischen Qualität war Quednow gar nicht zum Scherzen aufgelegt: "Schade für die Zuschauer."

Nach der Partie spielten beide Trainer den Derbycharakter herab. Es war ein Fußballspiel wie jedes andere", erklärte Quednow. "Viel wichtiger als gegen Staßfurt zu gewinnen war es für uns, zu Hause drei Punkte zu holen", so Grohe. Die ZLG widmete die Punkte Geburtstagskind Steffen Wenzel (Betreuer), dem gesperrten Marcus Brüggemann und Trainer Bernhard Knoll. Beide liefen jahrelang für den SV 09 Staßfurt auf.

ZLG Atzendorf: Eisenträger - C. Rock (81. Maier), Wolter, Voigtländer, Kutz (68. Gehrke), Faatz, Linsdorf (90. Schäfer), Stange, Ebeling, S. Rock, Tolle

SV 09 Staßfurt: Beier - Hartmann, Lissek, Siegel, Jesse, Lieder, Reuscher (82. Rodriguez-Gomez), Stachowski, Horstmann. Mähnert (19. Gurn), Härtge (67. Pusch)

Tore: 0:1 Danny Reuscher (38.); 1:1, 2:1 Sebastian Tolle (80., 89.; beides FE); SR: Marcel Kautz, ZS: 180

 

Bilder