Das Training beim Mitteldeutschen Handball-Oberligisten HV Rot-Weiss Staßfurt begann am Dienstagabend nicht wie gewöhnlich mit einer Erwärmung. Die Spieler wurden stattdessen in den VIP-Raum gebeten, in dem sie der Vorstand des Vereins über eine neue Personalie informierte. Aufgrund der sportlichen Entwicklung und der aktuellen Tabellensituation wurde am Montagabend Trainer Jürgen Wartmann nach einer außerordentlichen Vorstandsitzung von seinen Aufgaben entbunden. Die Nachfolge tritt der Magdeburger Reiner Baumgart an. Er übernimmt die Mannschaft bis zum Saisonende.

Staßfurt. Zunächst traten aber HV-Chef Patrick Schliwa und Jens Lingott, der Vorsitzende des Fördervereins, vor die Mannschaft. Beide zeigten sich mit dem bisherigen Verlauf (die Rot-Weissen stehen nach dem 15. Spieltag auf dem elften Tabellenplatz) unzufrieden. "Es musste etwas passieren. Wir haben uns schweren Herzens von Jürgen getrennt", betonte Lingott. Wartmann war zu einer Stellungnahme nicht bereit. Dieser Schritt soll "ein Signal und eine letzte Warnung an die Mannschaft" sein. Zuletzt hatte nämlich insbesondere die Einstellung nicht mehr gestimmt. Sie spielt neben der Tagesform eine wichtige Rolle. Die Staßfurter zeigten in den vergangenen Partien mehrfach ihre zwei Gesichter. "Es gibt Phasen, in denen gekämpft wird und dann gibt es Phasen, in denen zu schnell abgeschlossen wird", hatte Schliwa beobachtet. Doch damit soll nun Schluss sein. Lingott verlangte von den Spielern, dass sie in einem ruhigen Moment einmal in sich gehen und ihre bisherige Leistung selbstkritisch hinterfragen. Anschließend machten Schliwa und Lingott ihre Forderungen der Mannschaft unmissverständlich klar: "Wir fordern 100-prozentige Trainingsbeteiligung. Dem Erfolg ist alles unterzuordnen!" Schliwa hatte sich bereits seit Sonntagabend, um einen Nachfolger bemüht. Es gab für die vakante Position fünf potenzielle Kandidaten.

Das vom Kurs abgekommende Schiff soll nun Baum-gart wieder in sicheres Fahrwasser bringen. Der 56-Jährige hatte zuletzt die Landesauswahl im Nachwuchsbereich trainiert. Davor betreute er vier Jahre den BSV Magdeburg in der damaligen Oberliga, und auch beim derzeitigen Sachsen-Anhalt-Ligisten SG Lok Schönebeck war er 24 Monate tätig. Der Anruf von Schliwa erreichte ihn am Sonntagabend. Baumgart bat allerdings um Bedenkzeit, denn beruflich ist der Magdeburger sehr eingespannt. Seine Tätigkeit bei der Gesundheitsförderung bei der Deutschen Bahn lässt ihm nur wenig Zeit, da er viel unterwegs ist. Erst am Dienstagmorgen gab er Schliwa seine Zusage. Baumgart freut sich auf die Herausforderung, die nun Mitteldeutsche Oberliga heißt. "Es ist eine ausgeglichene Liga mit einem guten Niveau, in der man Erfolg haben kann. Dafür müssen die Tagesform und die Einsatzbereitschaft stimmen."

Nach der Bekanntgabe übernahm Baumgart die Regie und leitete die erste gemeinsame Einheit. Dabei sprach er auch gleich die ersten Defizite wie beispielsweise das Verhalten in der Deckung an. "Ihr seid zu leise, geht aus euch heraus", forderte er die Akteure auf. Baumgart beendete das Training dann um 21 Uhr. "Der erste Eindruck ist positiv. Es ist eine intakte Mannschaft, die erfolgreichen Handball spielen will und es macht Spaß mit ihnen zu arbeiten." Heute und morgen folgen dann die nächsten Einheiten, bevor es dann am Sonnabend auswärts bei der SG Hermsdorf ernst wird.