Krimi-Fans mussten gestern weder ein Buch aufschlagen, noch den Fernseher einschalten. Das Sachsen-Anhalt-Liga-Derby zwischen dem HV Staßfurt II und dem SV Germania Borne bot mehr als genug Spannung. Noch drei Sekunden auf der Uhr, Freiwurf Germania - Falk Hohmann verfehlt das Tor, die Schlusssirene ertönt: Die Rot-Weissen Handballer siegen mit 29:28 (16:16).

Staßfurt l Andreas Lampe aus dem Borner Trainergespann mit Sven Klippstein brachte es auf den Punkt: "Also wenn das kein Spiel für die Zuschauer war, dann weiß ich nicht, was der Handball noch bieten soll." Doch es dürfte keinen der knapp 300 Zuschauer geben, der auch nur einmal Gähnen musste.

Von Beginn an war es ein derbywürdiges Kopf-an-Kopf-Rennen beider Teams. Während des gesamten ersten Durchgangs gelang es nur den Staßfurtern einmal, mit mehr als einem Tor Vorsprung in Führung zu gehen (9:7). Doch postwendend glichen die Germanen aus. Neunmal wechselte die Führung hin und her. Das Pausenergebnis von 16:16 war mehr als gerecht. Vor allem die Rückräume leisteten ganze Arbeit.

Eine Viertelstunde lang ging es exakt genauso im zweiten Durchgang weiter. Doch dann schlichen sich im Staßfurter Spiel Fehler ein, hinzu kam eine doppelte Unterzahl. Borne bestrafte dies, setzte sich zum 24:20 ab.

Doch während sich die Rot-Weissen in der Vergangenheit des Öfteren aufgaben, zog Trainer Mario Kutzer die Reißleine und nahm eine Auszeit. "Ich musste ein wenig laut werden und forderte von den Jungs eine Mischung aus Hektik und Ruhe", erinnerte er sich. Die Ansprache zeigte Wirkung. Denn in der Folge glich der HVS II zum 24:24 aus.

Bornes Trainer haderte damit, dass seine Sieben grundlos ihre Offensivtaktik umwarf. "Statt durch die Mitte wie zuvor zu gehen, gingen sie plötzlich über außen." Doch die Staßfurter Deckung konnte diese Angriffe meist verhindern.

Alles war wieder offen. Nun ging es Schlag auf Schlag. Staßfurt legte vor, Borne glich postwendend aus. Die Stimmung in der Paul-Merkewitz-Halle kochte. In der 54. Minute führten die Rot-Weissen nach einem Treffer von Christian Gödde mit 26:25. Daraufhin zog die Germania-Bank die grüne Karte zur Auszeit. Auch diese Unterbrechung schien Wirkung zu zeigen, denn Borne drehte die Partie erneut zum 27:26. Doch die Gastgeber blieben bissig, gingen durch Florian Panzer wieder in Führung. Auf der anderen Seite glich Falk Hohmann aus. Dann traf Karsten Berger zum 29:28-Endstand und der Krimi fand ein Ende.

"Zum Ende hin war der Faden weg", blickte Lampe zurück, der vor allem mit der vergebenen Vier-Tore-Führung haderte. "Da hätten wir den Sack zumachen können."

Voller Freude war sein Gegenüber, Mario Kutzer. "Es ist schön, ein Derby zu gewinnen. Doch die zwei Punkte stehen im Vordergrund." Er freute sich vor allem darüber, dass die Fehler, die vorn produziert wurden, "in der Abwehr wieder ausgebügelt wurden". Am Ende strahlten alle Staßfurter.

HV Staßfurt II: J. Stein, A. Jesse - Engelhardt (2), A. Stein, Berger (5), Richter (3), T. Jesse (4), Korin (3), Gödde (7), Nitsch (1), Loose, Panzer (2), Spadt (2), Jedlitschka

Germania Borne: Krautwald, Kowalski - Süßig, Schulke (5), Scholz (3), Wartmann (5), Halfpap (2), Hohmann (3), Prosowski (1), Jörg Friedrich (9), Schafflik, Jens Friedrich, Lahne

Siebenmeter: HVS II 4/3 - Borne 4/3; Zeitstrafen: HVS II 9 - Borne 4; Rot: Sebastian Scholz (3x2 Minuten, 57., Borne), Thomas Jesse (3x2 Minuten, 60., HVS II)

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