Willkommen im Theaterstück "HV Staßfurt gegen SV Oebisfelde" auf der Bühne der Mitteldeutschen Handball-Oberliga. In der Hauptrolle: Patrick Tuchen. Der rot-weisse Torhüter hatte maßgeblichen Anteil am Happy End, denn sein Ensemble setzte sich am Sonnabend mit 35:25 (19:13) durch.

Staßfurt l Mit drei vereitelten Strafwürfen und zahlreichen Paraden spielte sich Staßfurts Torhüter in die Herzen der Zuschauer. Mit zwei Tanzeinlagen und einer Ehrenrunde um sein Tor, dazu mit Becker-Faust, entlud sich Tuchens Freude über seine bärenstarke Vorstellung, die seiner Mannschaft den Weg zum 14. Saisonsieg ebnete. Tuchens herausragendste Szene: In der 54. Minute wehrte er nicht nur einen platzierten Oebisfelder Wurf ab, krakenartig parierte er auch die beiden folgenden Nachwürfe. "Ich hatte in dieser Situation halb in die Bank gebissen, während er dreimal glänzend hielt. Nach diesen Szenen hatte sich Patrick auch ein Tänzchen verdient", erklärte der Staßfurter Dirigent, Uwe Mäuer. Er konnte sich ein Lächeln über Tuchens Show-Einlage nicht verkneifen.

Auch Tobias Ortmann war begeistern von Tuchens tänzerischen Künsten. "Wir wollten ihn bei `Let´s Dance` anmelden. Aber dort wurde er abgelehnt, weil er zu gut ist", scherzte er. "Es ist ein gutes Zeichen, wenn Patrick tanzt. Wenn er tanzt, gewinnen wir auch. Und wir freuen uns natürlich, das zu sehen."

"Das kommt spontan. Das sind Emotionen, die dann einfach raus müssen. So lasse ich Druck ab", beschrieb der Schlussmann seine Darbietung.

Doch Tuchen war nicht der einzige Darsteller im Stück. Das gesamte Ensemble überzeugte - zumindest über weite Strecken. Christoph Frank eröffnete, Sebastian Scholz und Nils Hähnel folgten ins Rampenlicht und brachten den HVS mit 3:0 in Führung. Die Oebisfelder agierten mit einer offensiven Manndeckung, wovon vor allem Frank und Tobias Ortmann profitierten. Beide nutzten die sich ergebenden Räume, erzielten selbst die Treffer oder bedienten ihre Mitspieler. Auch wenn die Gäste eine andere Deckungsvariante probierten, reagierten die Rot-Weissen. "Wir hatten immer die passende Antwort parat", lobte Mäuer. Der HVS verwies den SVO in die Rolle des Statisten und ging verdient mit einer Sechs-Tore-Führung in die Pause.

Selbst das beste Theaterstück kommt nicht ohne einen Wendepunkt aus, auch nicht dieses. Die Staßfurter verloren vor allem in der Offensive den Faden. Zu häufig sollte es mit dem Kopf durch die Wand gehen, zu häufig wurde zu früh abgeschlossen. Der komfortable Vorsprung schmolz, betrug in der 45. Minute nur noch drei Tore (24:21). Dirigent Mäuer unterbrach die Vorstellung, nahm die Auszeit. Die Folge: Das Stück erlebte einen zweiten Wendepunkt. Frank erlöste die zwischenzeitliche Staßfurter Torflaute und traf zum 25:21." Die Grüne Karte kam zum richtigen Zeitpunkt", wusste auch Ortmann, der zu diesem Zeitpunkt bereits verletzungsbedingt zum Zuschauen gezwungen war.

Nun wurde der Ausgang offensichtlich, das Geschehen bestimmten fortan wieder die Hausherren - die Leichtigkeit löste das viertelstündige Lampenfieber ab und als sich der Vorhang langsam schloss, hatten die Staßfurter die Oebisfelder bereits mit zehn Toren Differenz in die Nebenrollen verdrängt.

"Die Mannschaft hat sich von allein aus der Schwächephase befreit. Diese Phase haben wir letztendlich glimpflich überstanden", blickte der Coach zurück.

Nach seiner souveränen Vorstellung bekam Tuchen noch ein Extralob. "Kompliment", brachte Mäuer es kurz und treffend auf den Punkt. Bescheiden erklärte der Schlussmann, dass die Abstimmung mit der Deckung immer besser werde und er dadurch sehr profitiere. Doch die Kehrseite seiner hervorragenden Leistung war, dass Sebastian Schliwa so nur zu sehr wenig Einsatzzeit kam. "Das ist nicht leicht für Sebastian", wusste der Coach.

HV Staßfurt: Tuchen, Schliwa - Frank (7), Oswald, Ortmann (1), Bruchno, Retting (3), Jacobi (3), Ernst (2), Hähnel (7), Scholz (6/4), Rindert (6), Praest

Siebenmeter: HVS 4/4 - SVO 4/3; Zeitstrafen: HVS 3 - SVO 2; Rot: Nico Bischoff (51. Minute, 28:24, SV Oebisfelde)

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