Es war zu verschmerzen, dass der Schönebecker SV bei den Jubelgesängen nicht ganz textsicher war. Die Fans halfen gern auf die Sprünge, denn es war das einzige, was den "Roten" beim 5:0 (2:0)-Erfolg über den SV Förderstedt in der Fußball-Landesliga nicht gelungen war. Die Gäste hingegen suchen weiter nach ihrer Form - und nach der Einstellung.

Schönebeck l Nach dem Abschlusstraining und vor dem Spiel war die Welt in Förderstedt noch in Ordnung. Die Spieler "haben keinen verunsicherten Eindruck hinterlassen, waren durchaus selbstbewusst und psychisch top eingestellt", erklärte Trainer Lothar Lampe. Doch praktisch mit dem Anpfiff waren die guten Vorsätze vorbei. In den Zweikämpfen harmlos, keine Präsenz, um Druck auf den Ballführenden auszuüben und wenig Ideen in der Vorwärtsbewegung - zumeist wurde das Glück über lange Bälle gesucht. Die Stärke das SVF, beispielsweise mit Marcus Janich, Martin Stille, Marcus Bolze oder Lucas Dübecke über die Flügel zu kommen und dann den Pass in den Rücken der Abwehr zu spielen, blitzte erst nach der Einwechslung von Chris Ingler kurzzeitig auf. "Wir haben in der Halbzeitpause über die Probleme gesprochen und stellten zudem auf Dreierkette um", sagte Lampe. Nach Inglers Vorarbeit hatte Marcus Bolze wohl die beste Gelegenheit der Gäste, doch er scheiterte an Keeper Rico Willner. Der leitete mit einem langen Abschlag im direkten Gegenzug den Treffer zum 3:0 durch Denis Neumann ein - die Entscheidung.

Der Gastgeber war von Beginn an hellwach und ließ keine Zweifel daran aufkommen, wer den Platz als Sieger verlassen sollte. "Die Einstellung war super", lobte schließlich auch Coach Marko Fiedler. "Wir haben umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben." Bezeichnend war ein Zweikampf an der linken Außenbahn, obgleich kein Treffer daraus resultierte: Nach langem Pass von Sascha Döring wollte Förderstedts Christian Conrad den Ball abschirmen und ins Aus gehen lassen. Schönebecks Kapitän Enrico Plam blieb aber dran, war gedankenschneller und setzte sich energisch durch.

Einen großen Unterschied zwischen beiden Teams gab es nicht nur in den Zweikämpfen, sondern auch in der Kommunikation. Negativbeispiel Förderstedt: Conrad und Ingler liefen beide auf den Ball zu - ohne Bedrängnis. Anstatt jedoch miteinander zu sprechen, blieben beide aktiv. Am Ende schoss Conrad das Leder gegen Ingler - Einwurf Schönebeck. Positivbeispiel SSV: Kapitän Enrico Palm dirigierte nach vergebenen Möglichkeiten immer wieder seine Mitspieler, trieb sie zudem zu höchster Konzentration an und war selbst ein Vorbild an Lauf- und Einsatzbereitschaft.

Und so hatte auch Fiedler, der seine Schützlinge immer weiterentwickeln möchte, nichts auszusetzen. Schließlich ist der SSV seit acht Spielen unbezwungen. "Die Mannschaft ist intakt, jeder kämpft für jeden. Im Moment ist es schwer für mich, jemanden draußen zu lassen, da ich ja nur elf Spieler aufstellen darf. Die Geschlossenheit ist der Grundstein für unsere gute Serie." Die soll nun am Donnerstag beim SV Irxleben fortgesetzt werden, Genügend Selbstvertrauen dafür und für die Partie bei der TSG Calbe am Sonntag dürfte das Team jedenfalls haben.

Dem SVF stehen schwere Zeiten bevor, die Negativserie hält an, bisher steht nur ein Sieg in 2014 zu Buche (2:1 bei Halberstadt II). "Wir haben jetzt Abstiegskampf pur", betonte Lampe. Der Vorsprung vor Germania beträgt zwar acht Punkte, doch es sind auch noch sechs Spieltage zu absolvieren, es kann also noch viel passieren. "Die Mannschaft muss jetzt Taten folgen lassen. Das Team ist intakt. Nun muss aber aus allen Mannschaftsteilen wieder mehr kommen, wir müssen mehr dagegenhalten. Vor allem gegen so gestandene Spieler wie in Schönebeck." Und davon hat der MSV Börde, der nächste Gegner, auch viele.

Schönebecker SV: Willner - Kellermann, Gondeck, Kühn (63. Sommer), R. Schulze (74. Hellige), Neumann (80. Ebeling), Döring, Schuller, Palm, Wagner, Pülicher

SV Förderstedt: Marco Janich - Liensdorf, Conrad, Tappenbeck (75. Ingler), Strobach, Marcus Janich, Dübecke, Stille, Buschke, Herrler, Bolze

Tore: 1:0 Enrico Palm (14.), 2:0 Rolf Schulze (37.), 3:0, 4:0 Denis Neumann (63., 71.), 5:0 Robert Kellermann (80.); SR: Marcus Peter, ZS: 116