Freud und Lied liegen im Fußball nah beieinander. Während der Egelner SV Germania den Einzug ins Finale des Salzlandpokals feierte, überwog bei der TSG Unseburg/Tarthun die Enttäuschung. Der ESV setzte sich im Derby mit 3:1 (1:1) durch.

Egeln l Es war vor allem im ersten Durchgang kein fußballerisches Glanzstück, das beide Teams ablieferten, doch Kampf und Einsatz stimmten auf beiden Seiten. So war es kein Wunder, dass der gastgebende ESV per Standard in Führung ging. Jens Brauer trat eine lange Ecke, im Rückraum schien kein Verteidiger Stefan König auf dem Schirm zu haben, der den Ball versenkte. "Das war ein kollektives Schlafen", haderte TSG-Coach Tino Kirst. Genauso überraschend fiel jedoch auch der Ausgleich. Der Ex-Egelner Denis Winter nutzte eine Unachtsamkeit der Gastgeber im Abwehrverbund und schob zum 1:1 ein.

Begleitet von starkem Regen gingen beide Teams aufopferungsvoller in die zweiten 45 Minuten. Die Unseburger erarbeiteten sich ein optisches Übergewicht, versuchten es oft aus der Ferne. Doch der Ball verfehlte stets das Gehäuse. "Wir haben die Chancen einfach nicht genutzt", resümierte Kirst. Erneut war es ein Standard, den der ESV zur Führung nutzte. König brachte den Ball in den Strafraum, Andreas Wolf köpfte nahezu unbedrängt ein. In der Folge investierte die TSG noch mehr, schwächte sich jedoch durch die Gelb-Rote von Oliver Hackel selbst. Eine Minute später sah Egelns König ebenfalls die Ampelkarte. "In so einem Spiel hätte ich mehr Fingerspitzengefühl vom Schiedsrichter erwartet. Die Platzverweise waren überzogen. Stefans Enttäuschung ist riesengroß, dass er im Finale fehlen wird", erklärte ESV-Coach Sören Leßmann. Auch Kirst war nicht zufrieden mit der Schiedsrichterleistung.

Mit der Führung im Rücken standen die Gastgeber tief, Unseburg versuchte es mit der Brechstange. "Wir hatten das Heft in der Hand", blickte Kirst zurück. Ein Freistoß von Winter knallte an die Latte, der Ausgleich lag in der Luft. Auch Unseburgs Schlussmann Sebastian Weißke trat weit aus seinem Kasten heraus, wollte als Anspielstation dienen. Doch dies wurde ihm zum Verhängnis. Martin Ruge eroberte sich den Ball, zog einfach ab und der Ball segelte über Weißke hinweg - 3:1, damit war die Entscheidung gefallen. "Der Treffer spielte keine Rolle mehr", erklärte Kirst. Logischerweise verspürte sein Gegenüber mehr Freude. "Für Martin freute es mich ganz besonder. Er wohnt in Unseburg und brachte die Entscheidung", erklärte Leßmann.

Kirst trauerte der verpassten Final-Chance hinterher. "Für uns war es kein Spiel wie jedes andere - Derby und Halbfinale zugleich. Die Vorteile lagen bei uns. Die Enttäuschung ist riesig, denn es hat nicht die bessere Mannschaft gewonnen. Aber wir haben es allein verbockt, wir hatten unsere Möglichkeiten."

Leßmann hingegen freute sich über den Finaleinzug. "Die Erleichterung ist sowohl bei der Mannschaft als auch bei mir riesig. In der Liga lief es nicht nach Plan, es kam Kritik auf. Aber nun haben wir gezeigt, dass wir solche Erfolge erreichen können. Wir stehen im Endspiel, wollen unbedingt gewinnen und so die verkorkste Saison doch noch krönen."

Am 14. Mai trifft Egeln auf den Landesklasse-Vertreter Schackstedter SV, der sich im zweiten Halbfinale mit 5:0 (1:0) gegen den SV Lok Aschersleben II durchsetzte.

Egelner SV Germania: Schramm - Rohde (52. Köchy), Wolf, Pörner, J. Brauer, Liste, S. Brauer (62. Janott), Ruge, Michael (74. Schmidtke), Bunde, König

TSG Unseburg/Tarthun: Weißke- Wallborn (50. Evert), Hackel, A.-J. van der Velde, Gilz, Hebecker, Gronau, Winter, Mundt, Kowalski (84. Karasch), Fräsdorf

Tore: 1:0 Stefan König (33.), 1:1 Denis Winter (44.), 2:1 Andreas Wolf (75.), 3:1 Martin Ruge (83); SR: Eckhard Skorsetz; ZS: 257; Gelb-Rot: Oliver Hackel (78., Unseburg), 79. Stefan König (79., Egeln)