Die Fans des SV Förderstedt sind leiderprobt. Zu oft haben sie ihre Landesliga-Kicker verlieren sehen. Auch gegen den Magdeburger SV Börde sah es zur Pause mit 0:1 nicht gut aus. Doch dann wurden aus leiderprobten Zuschauern zufriedene, denn ihre Elf gewann mit 4:2. Erstaunt haben dürfte das Publikum auch eine taktische Umstellung, die risikobehaftet war, sich jedoch schließlich als geschickt erwies.

Förderstedt l Je nach Abschneiden der Konkurrenz drohte dem SVF bei einer Niederlage Platz 13 - dem ersten Nicht-Abstiegsrang. Doch mit dem Dreier katapultierte sich die Mannschaft von Lothar Lampe auf den achten Platz. Nach dem eher verkorsten sportlichen Jahresauftakt war der Sieg wichtig. Obwohl, oder gerade weil die Förderstedter mit dem Rücken zur Wand standen und insbesondere in der Defensive wackelten, ging der Coach ein Risiko ein. Er reagierte auf die vielen Gegentore und stellte seine Viererkette in der Defensive um. Jens Liens-dorf und Sebastian Strobach rückten nach hinten. Beide sind keine Kopfballungeheuer und eher im Mittelfeld zu Hause, doch sie schlugen sich wacker. "Das war ein Risiko. Aber das mussten wir eingehen und es funktionierte", resümierte Lampe die Maßnahme.

Der erste Durchgang verlief weitestgehend ebenbürtig. Markus Janich hatte die Führung auf dem Fuß, doch die Latte verhinderte das 1:0. Auf der anderen Seite bekamen die Gäste einen Freistoß, nachdem Lucas Dübecke regelwidrig klärte. Marcus Mähnert versenkte den Ball für Maik Binnebößel unhaltbar. "Ein herrliches Tor", gestand auch der Förderstedter Trainer ein. Der MSV hatte sogar noch die Chance auf das 2:0, doch Binnebößel parierte stark, sodass es zur Pause beim 0:1 blieb.

Nach dem Seitenwechsel betraten zwar 22 Akteure den Rasen, doch elf Köpfe schienen noch in der Kabine zu hocken. Von der ersten Sekunde an drückte der SVF, während die Magdeburger wie gelähmt wirkten. "Es hatte sich schon angedeutet, dass der Gegner konditionell am Ende war", erkannte Lampe. Marcus Bolze setzte sich in der 48. Minute über rechts durch, zog nach innen und legte quer. Scharf und flach erreichte das Leder Martin Stille, der unbedrängt zum Ausgleich einschob. Nur zwei Minuten später: Ein Magdeburger Verteidiger spielte unter Bedrängnis den Ball zu Keeper Christian Mertens zurück. In seinem Rücken stahl sich Lucas Dübecke heran, der Mertens das Spielgerät abluchste und zur 2:1-Führung traf. Symbolisch schickte Gästetrainer Tobias Ellrott seine gesamte Bank zum Warmlaufen. Doch nur drei Minuten später wurde ein Förderstedter Freistoß gefühlvoll in den Strafraum gebracht, Bolze stieg am höchsten und nickte zum 3:1 ein.

In diesen acht Minuten sorgte die Lampe-Elf für klare Verhältnisse. Vom MSV kam so gut wie gar nichts mehr. Doch statt sich auf dem Vorsprung auszuruhen, marschierten die Gastgeber weiter und erarbeiteten sich Chance um Chance - sie hätten für zwei Spiele reichen können. Nicht alles funktionierte. So mancher Pass blieb ohne Abnehmer. Aber die Förderstedter gingen den Bällen nach und die Gäste waren nicht in der Lage, aus gegnerischen Fehlern Kapital zu schlagen. Das einzige, das sie schlugen, war der Ball. Fast jede Eroberung des Leders wurde mit einem langen Fehlpass egalisiert.

In der 70. Minute trat Christian Lattorf einen Freistoß gefühlvoll ins rechte untere Eck des Börde-Keepers und sorgte damit für die 4:1-Vorentscheidung. Beim Gegner ging nichts mehr. Das frühe Stören der Förderstedter behinderte ihn spürbar. Der Treffer zum 2:4 in der 86. Minute fiel wie aus dem Nichts. Den ersten Schuss parierte Binnebößel, der Nachschuss knallte an den Pfosten, der zweite Nachschuss saß. Danach passierte nichts mehr.

Mit dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Franz Unger, der die Partie gut leitete, setzte bei den Förderstedtern kollektive Erleichterung ein. Ihre Mühen haben sich ausgezahlt und entsprechend positiv fiel das Fazit ihres Trainers aus, der vor allem zwei seiner Spieler aus einer souveränen Mannschaftsleistung hervorhob. "Am meisten hat es mich gefreut, dass Lucas wieder getroffen hat. Und Marcus Bolze war überragend." Ein Sonderlob bekam auch Christian Siebert, der für seine Trainingsleistungen belohnt wurde und von Beginn an ran durfte. Doch Lothar Lampe wäre nicht Lothar Lampe, wenn er trotz der Freude nicht auch ein winziges Haar in der Suppe finden würde. "Das zweite Gegentor war dumm. Aber so genau schauen wir da heute nicht drauf."

SV Förderstedt: Binnebößel - Liensdorf (80. Buschke), Lattorf, Tappenbeck, Siebert (46. Kaczur), Markus Janich, Dübecke, Stille (71. Conrad), Strobach, Bolze, Marco Janich

Tore: 0:1 Marcus Mähnert (26.), 1:1 Martin Stille (50.), 2:1 Lucas Dübecke (50.), 3:1 Marcus Bolze (53.), Christian Lattorf (70.), 4:2 Vincent Heitmann; SR: Franz Unger; ZS: 57