Auch wenn die Meisterschaft in der Handball-Verbandsliga seit einer Woche zu Gommeraner Gunsten entschieden ist, bewiesen der SV Eintracht und der SV Wacker Wes- teregeln am Sonnabend im direkten Duell, dass beide zu Recht die Liga dominieren. Mit dem 27:25 (13:8)-Heimsieg wies auch der SVE seine Legitimation als Meister nach.

Gommern l Den Meisterpokal wollte Jens Schmidt am liebsten gar nicht mehr hergeben. Nachdem Eintracht-Kapitän Robert Kaese Glückwünsche, ein Bierfässchen und natürlich den "Pott" von Staffelleiter Klaus Rauchfuß entgegengenommen hatte, schnappte sich der verletzte SVE-Defensivspezialist die Trophäe und befand: "Liegt gut in der Hand." Belastende Fotos vom späteren Abend zeigten, dass Schmidt sogar eher bereit war, die eigene Garderobe vollständig abzulegen als den Pokal. Im Rahmen der langen Meisternacht durften dann aber sicher auch die Mitspieler selbst einmal den Pokal wiegen.

Ob nun in den Fängen des einen oder des anderen - wichtig war aber eigentlich am Sonnabend nur der Nachweis, dass die Meisterschaft in gute, weil würdige Hände gelegt wurde. Letzte Zweifel daran räumte der künftige Sachsen-Anhalt-Ligist mit dem Heimsieg endgültig aus. Das musste auch die Gegenseite einsehen. "Für Gommern war Platz eins sicher ein größeres Muss als für uns. Aber am Ende hat die Eintracht zu Recht gefeiert", befand Wacker-Trainer Matthias Zeidler nach der 25:27-Niederlage seiner Mannschaft, die "trotzdem stolz auf die Saison" sein kann, denn "wir haben mehr erreicht, als jeder vor der Spielzeit gedacht hat."

Auch aus dem finalen, aber sportlich bedeutungslosen Gipfeltreffen in Gommern nahmen die Gäste womöglich ein wenig mehr mit, als man ihnen zwischenzeitlich zugetraut hatte. Konnte sich zunächst kein Team absetzen, legten die Gastgeber nach dem 7:9 zum 13:8-Halbzeitstand vor.

Dabei zogen die Gommeraner ihrem Gegner vor allem mit der gewohnt beweglichen 6-0-Abwehr und einem starken Julian Hartung im Tor den Zahn. "Wenn der Gegner in einer Halbzeit nur acht Tore wirft, davon einige Siebenmeter, spricht das für unsere Deckung", befand Eintracht-Trainer Dirk Heinrichs.

Sein Team baute den Vorsprung im zweiten Abschnitt über die Stationen 16:10 (35.), 23:15 (46.) und 15:16 (49.) weiter aus, überzeugte mit variablen Angriffen. In den Schlussminuten nahm der Titelträger das Tempo jedoch heraus, so dass "wir das Ergebnis im Rahmen gehalten haben. Mehr wäre nicht verdient gewesen", urteilte Zeidler. Die Westeregelner wollten indes zu keiner Zeit nur Steigbügelhalter für den neuen Meister sein, sondern gingen bis zum Ende mit vollem Einsatz zu Werke. Kreisspieler Andy Rothe schoss dabei vier Minuten vor Ultimo über das Ziel hinaus, ließ sich zu einer Tätlichkeit gegen Mathias Zater hinreißen und wurde daraufhin mit Rot zum "Abkühlen" geschickt.

Die Freude über eine jeweils bärenstarke Saison war jedoch nach dem Abpfiff auf beiden Seiten ungetrübt. Während der SV Wacker neben der Auszeichnung für Platz zwei auch in Person von Clemens Grafenhorst den besten Liga-Torschützen (284 Tore) stellte, stand bei der Eintracht einmal mehr das Kollektiv im Vordergrund. Heinrichs lobte: "Es war im abschließenden Spiel wie über die gesamte Saison hinweg eine unglaublich geschlossene Leistung."

Eintracht Gommern: Hartung, Braatz - Bretschneider (5), Eckhardt (3), Koch, D. Einwiller (3), Hoffmann, Sommerfeld (2), T. Einwiller (3), Böttcher (2), Kaese (6), Zater, Bomke (3)

Wacker Westeregeln: Pierschalla, Howahl, Salm - Thamm (3), Rothe, Deutscher (2), Mack (3), Grafenhorst (12), Gorges, Jakobi, Laschke (1), Klockmann (4)

Siebenmeter: SVE 8/4 - SVW 6/6; Zeitstrafen: SVE 7 - SVW 5; Rot: Andy Rothe (56., Unsportlichkeit) -Westeregeln