Zur 42. Auflage des größten Crosslaufs in Europa befand sich der legendäre Rennsteig wieder einmal im Ausnahmezustand. Von fünf Orten aus starteten insgesamt über 15 000 Teilnehmer auf acht unterschiedliche Distanzen durch den Thüringer Wald. Unter ihnen auch die "Bode-Runners" der Gaensefurther Sportbewegung (GSB).

Schmiedefeld (sbö/nrc) l An die Königsstrecke des Rennsteiglaufs über 72,7 Kilometer wagten sich fünf "Bode-Runners" der GSB. Dem frühen Startschuss um 6 Uhr im noch schlafenden Eisenach gingen viele harte Trainingswochen voraus. Mehrere Marathons, Tempo- und Bergläufe waren absolviert, einzig mit dem Ziel, diesen Ultra-Marathon durchzuhalten.

Während es für Jens-Uwe und Sabine Börner der vierte Start zu einem Ultralauf war, bewegten sich Katrin Winkler-Hindricks, Dirk Meier und Jörg Schäper jenseits der 42,195 Kilometer auf unbekanntem Terrain. Leicht fröstelnd war Kilometer "eins" durch Eisenachs Innenstadt wohl der erste und auch gleich der letzte einfache Abschnitt. Schmunzelnd wurde ein aufgestelltes Ortsausgangsschild registriert, auf dem das Ziel Schmiedefeld mit 72 Kilometern ausgewiesen war.

Von nun an ging es bis Kilometer 25,5 stetig bergauf, denn der Große Inselsberg mit 916 Höhenmetern wollte als erstes Etappenziel bezwungen werden. Alle fünf "Bode-Runners" waren noch dicht beisammen und hatten sich nach drei Stunden Aufstiegsarbeit wichtige Kraftreserven aufgespart. Bei kühlen fünf Grad verhinderte dichter Nebel den so hart erkämpften Panoramablick.

Zur nächsten großen Verpflegungsstelle "Grenzwiese" ging es auf 746 Höhenmeter rasant bergab. "Das müssen wir nachher alles wieder hochlaufen" resümierte Börner und schob sich zur Stärkung lieber noch ein Schmalzbrot in den Mund. Die Frauen beließen es bei warmem Tee und einem schmerzverzerrten Biss in gesalzene Zitronenviertel. Und schon ging die Reise weiter, jeder in seinem eigenen Tempo. Nicht alle Läufer freuten sich über die inzwischen wärmende Sonne, welche jedoch eine herrliche Sicht vom Höhenweg ins Umland ermöglichte.

An der Verpflegungsstation "Ebertswiese" war die Hälfte der Strecke erreicht. Einen Becher Haferschleim und ein letztes Foto mit Sabine, denn von da an bekam Jens-Uwe seine Gattin nicht mehr zu sehen. Die Frauen spulten Kilometer für Kilometer ab, während in der Männerriege wichtige Fototermine oder Magen- und Muskelprobleme den Vorrang hatten. Ab Kilometer 60 nahm die Strecke einen holprigen Verlauf mit kleinen Hügeln, die inzwischen schon mächtig weh taten. Aber mit "Plänckners Aussicht" auf 973 Metern war der höchste Punkt des Rennsteigs erreicht und als kleine Bergprämie präsentierten sich den Läufern die letzten Schneereste. Woher die wohl importiert waren?

Genau über diesen Schnee liefen Stunden zuvor bereits Lutz Klauß auf der Halbmarathonstrecke und Sylvia Köhn, welche verletzungsbedingt die Wanderstrecke über 17 Kilometer in Angriff genommen hatte. Sie wurde dann auch von Christian Seiler, dem Sieger des Ultramarathons, überholt, der mit einem neuen Streckenrekord nach unglaublichen 4:50:56 Stunden seine ganz speziellen 72,7 Kilometer abschloss. Noch nie war ein Läufer diese Strecke unter fünf Stunden gelaufen.

Die beiden Gaensefurther hatten im Ziel indes genug Zeit zum Duschen und warteten zusammen mit dem mitgereisten Fanblock auf die Ankunft der ausstehenden Athleten. Aber auch nach acht Stunden suchten sie vergebens nach den blauen Shirts, hatten sie doch zumindest Jens-Uwe Börner längst zurück erwartet. Im vergangenen Jahr betrug seine Zielzeit immerhin 7:47:37 Stunden. Umso überraschter, aber auch kräftiger bejubelten die Fans Winkler-Hindricks, die nach für sie hervorragenden 8:42:32 Stunden ihren allerersten Ultramarathon ins Ziel brachte. Nur sechs Minuten später und damit eine dreiviertel Stunde schneller als im vergangenen Jahr, war mit Sabine Börner auch die zweite "Bode-Runners-Frau" im Ziel.

Bevor sich die Wartenden langsam Sorgen machen konnten, wurde das Männer-Trio der Gaensefurther in der Ferne erspäht. Am Ende ihrer Kräfte, aber rundum zufrieden, hatten die Herren sich gemeinsam durchgebissen. Nicht zuletzt auch durch die üppig beladenen Verpflegungsstände. Ihre Beine hatten 9:16:00 Stunden Laufarbeit Nonstop hinter sich und waren dementsprechend müde.

Das erzielte Ergebnis, kann man natürlich unmöglich so stehen lassen. Eine Neuauflage muss her, vielleicht in zwei Jahren. Dann soll das Training allerdings wohl dosiert und das Ziel vermutlich auch ohne Würstchen und Schmalzstullen erreicht werden.

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