Aus dem letzten verbliebenen Ziel, die Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz zu beenden, wurde zwar nichts, dafür verabschiedete sich der SV Förderstedt spektakulär aus der Fußball-Landesliga. Gleich acht Tore fielen zwischen dem FC Einheit Wernigerode und der Elf von Lothar Lampe. Einen Sieger gab es am Ende nicht, beide Teams trennten sich mit einem 4:4 (2:2)-Unentschieden.

Wernigerode l Die Gäste bekamen im Streben um Platz neun früh einen Dämpfer. Bereits in der sechsten Minute ließ Leeroy Götz die Harzer per direktem Freistoß jubeln. Förderstedts Keeper Maik Binnebößel stellte die Mauer nicht optimal und gab dann nicht die beste Figur ab. Aber sein Trainer machte ihm angesichts einer insgesamt überragenden Saison keinen Vorwurf. "Ich kreide ihm einen Fehler natürlich nicht an." Allerdings hatten die Förderstedter die Chance, frühzeitig in Führung zu gehen. Nach einem herrlichen Pass von Jens Liensdorf marschierte Martin Stille allein auf Einheits Schlussmann Robert Schmidt zu und verzog.

Doch trotz zahlreicher durchwachsener Resultate auf fremdem Rasen steckten die Gäste den Kopf nicht in den Sand. Es dauerte keine fünf Minuten, ehe sie den Ausgleich erzielten. Nachdem der Ball Marcus Janich erreichte und dieser ein paar Meter dribbelte, erkannte er, dass Keeper Schmidt etwas zu weit vor seinem Kasten stand. Nach einem starken Heber stand es 1:1.

Bereits in dieser frühen Phase stellte sich heraus, dass die Gastgeber übermotiviert schienen. Obwohl es bei ihnen um nichts mehr ging, legten sie eine ungewöhnliche Härte an den Tag. "Das überraschte mich. Die Wernigeröder sind teilweise brutal eingestiegen", monierte Lampe. Doch Schiedsrichter Kay Schröter reagierte darauf nicht.

Von der Härte unbeeindruckt, gaben die Förderstedter die beste Antwort darauf: mit dem Führungstreffer. Marcus Janich startete über rechts, sah den mitgelaufenen Stille vor dem Tor und setzte ihn gekonnt in Szene. Doch allzu lange währte der Jubel nicht. In der 45. Minute schlug Björn Kaczur, der eigentlich ein starkes Spiel in der Viererkette ablieferte, einen schwachen Pass auf Stille, der den Ball daraufhin vertändelte. Einheits Tassilo Werner ließ sich nicht zweimal bitten und glich mit dem Pausenpfiff aus. "Das war natürlich ein ungünstiger Zeitpunkt", wusste Lampe. "Aber ich habe die Jungs in der Halbzeit wieder aufgebaut. Jeder einzelne war gewillt, im letzten Spiel etwas zu reißen."

Doch zehn Minuten nach Wiederanpfiff waren es erneut die Gastgeber, die sich freuen durften. Mit einem zweifelhaften Strafstoß ging Wernigerode erneut in Führung. "Dennis Herrler wurde heruntergerissen und der Gegenspieler stolperte über ihn", bewertete der Förderstedter Coach die Situation. "Ich hätte nicht gepfiffen." Doch der Unparteiische tat es und Martin Gottowik verwandelte ohne Probleme. Lampe erwies sich allerdings als fair und gestand: "In einer anderen Situation holt Binnebößel einen Gegner klar von den Beinen und der Pfiff blieb aus. So war es dann wieder ausgeglichen."

Der Wernigeröder Jubel dürfte noch nicht einmal ganz abgeklungen sein, da glich Marcus Janich schon wieder aus - und zwar noch in derselben Minute. Erneut bewies der Förderstedter ein brillantes Auge und erwischte Einheits Keeper zum zweiten Mal auf dem falschen Fuß. "Das war die richtige Antwort", so Lampe. Vor allem freute er sich darüber, dass sowohl der Torschütze als auch weitere Spieler zum Jubeln zur Trainerbank liefen.

Doch damit nicht genug: In der 80. Minute verarbeitete Tim Tappenbeck eine gute Vorarbeit von Liensdorf und brachte die Gäste erneut in Führung. "Das war die Krönung", blickte Lampe zurück. Der Trainer hatte drei Auswechsler zur Verfügung, die dann auch alle zum Einsatz kamen. Bei hochsommerlichen Temperaturen hatten sich Marcus Janich, Stille und Kaczur ihre Auswechslung redlich verdient. "Alle waren total am Ende."

Die Partie hingegen war noch nicht am Ende angelangt. Denn wie schon im ersten Durchgang kassierten die Förderstedter erneut den späten Ausgleich. Die Gäste spekulierten auf Abseits, doch das Schiedsrichtergespann sah es besser - oder zumindest anders. So endete der Vergleich mit einem torreichen 4:4. Lampe war hin- und hergerissen. "Es war ein sehr gutes Spiel. Die Zuschauer waren begeistert. Aber vielleicht hätten wir sogar mehr als einen Punkt verdient. Wir haben gekämpft und uns nicht beeindrucken lassen - und das trotz der Hitze. Die Jungs haben alles gegeben. Unterm Strich bin ich zufrieden." Obwohl es am Ende doch der zehnte Platz wurde, ließ kein Förderstedter den Kopf hängen. Im Gegenteil, "einige sind anschließend direkt zum Feiern gefahren", berichtete der Trainer.

SV Förderstedt: Binnebößel - Liensdorf, Conrad, Tappenbeck, Marcus Janich (75. Siebert), Kaczur, Strobach, Stille (85. Lattorf), Ingler (83. Buschke), Herrler, Marco Janich

Tore: 1:0 Leeroy Götz (6.), 1:1 Marcus Janich (11.), 1:2 Martin Stille (32.), 2:2 Tassilo Werner (45.), 3:2 Martin Gottowik (57., FE), 3:3 Markus Janich (57.), 3:4 Tim Tappenbeck (80.), 4:4 Martin Gottowik (89.); SR: Kay Schröter; ZS: 56