Die Frauen des Schönebecker SV haben das Triple perfekt gemacht. Nach der Meisterschaft und dem Titel in der Halle folgte nun der Unionspokal. Im Finale setzten sie sich gegen die Spielgemeinschaft Löderburg/Etgersleben mit 5:0 (2:0) durch.

Löderburg l Trotz Heimvorteils trat der SSV in Löderburg an, da der Austragungsort bereits im Vorfeld festgelegt wurde. Gemessen an der Stimmung war es dann doch wieder ein Heimspiel. Denn von den 104 Zuschauern sorgte vor allem die Anhängerschaft der Elbestädterinnen für eine lautstarke Stimmung. Doch dies übertrug sich nicht sofort auf die Spielweise der Schönebeckerinnen.

Die Partie begann zäh und war von auf Sicherheit bedachten Aktionen sowie von Fehlpässen geprägt. Chancen blieben vorerst aus. Beide Teams neutralisierten sich regelrecht. Die Löderburgerinnen versuchten, ihre technischen und läuferischen Defizite mit Härte auszugleichen, wenngleich es nie unfair wurde.

Allmählich kippte das Endspiel, der SSV ließ den Ball flüssiger laufen. Doch die erste Großchance verbuchten die Löderburgerinnen. Torjägerin Melanie Muth stand plötzlich frei vor Schönebecks Schlussfrau Jana Ebeling, die glänzend die Null festhielt. Es war die beste Gelegenheit nach etwa 20 Minuten. Anschließend gewährte Schiedsrichter Dieter Gütling angesichts der hochsommerlichen Temperaturen eine kurze Erfrischungspause.

Diese schien vor allem die Schönebeckerinnen gestärkt zu haben. Denn gleich die erste Aktion nach Wiederanpfiff brachte sie in Führung. Ein flankenartiger Einwurf von Kristin Grußka in den Löderburger Strafraum wurde brandgefährlich, erreichte mehrere Köpfe und schließlich war es Christin Hochholz, die einmal mehr ihre Torjägerqualitäten unter Beweis stellte. "Das Tor entstand mehr oder weniger aus Zufall. Ohne den Gegentreffer wäre es vielleicht mit 0:0 in die Pause gegenangen und wer weiß, wie das Spiel sonst ausgegangen wäre", erklärte Löderburgs Trainer Enrico Homann.

Als Antwort auf das 0:1 erarbeitete sich Löderburg eine weitere Großchance. Anne Schulz verpasste nur knapp. Für ein Schockmoment sorgte eine Gelegenheit auf der anderen Seite. Hochholz zog aus der Ferne ab, Keeperin Sonnhild Dufrain tauchte glänzend ab, prallte dabei jedoch gegen den Pfosten. Sie blieb vorerst liegen und musste behandelt werden. Aber sie biss auf die Zähne und es ging weiter. Am kurz darauf folgenden 0:2 hatte Dufrain keine Schuld. Vielmehr waren es ihre Vorderleute, die Cornelia Thomas auf der linken Seite gewähren ließen, sodass sie auf Manuela Pechstein quer legen konnte. Sie schob ohne Mühe ein und sorgte so für den Pausenstand.

Auch kurz nach dem Seitenwechsel war es Pechstein, die zur rechten Zeit am rechten Ort stand. Hochholz setzte sich auf der rechten Seite zur Grundlinie durch und legte quer. Das 3:0 war die Vorentscheidung. Zwar gaben sich die Löderburgerinnen nicht auf, kämpften weiterhin um jeden Meter. Aber Zwingendes kam nicht mehr, zu stark war die Überlegenheit des SSV, der nun sowohl den Ball als auch den Gegner laufen ließ und einfach frischer wirkte. Für Homann war dies allerdings wenig verwunderlich, denn "meine Mannschaft war im Schnitt etwa 15 Jahre älter".

Keeperin Dufrain, die bis dato an den Treffern keine Schuld hatte, brachte einen Abstoß nicht weit genug aus der Gefahrenzone. Grußka nahm das Geschenk dankend an und jagte den Ball in den Winkel. Die Spielgemeinschaft wirkte nun trotz Einsatzwillens stehend k.o. und beschränkte sich zunehmend auf lange Pässe, die in allererster Linie für Sicherheit sorgen sollten, es aber nie taten, da der SSV weiter druckvoll nach vorn spielte. Dabei erwies sich vor allem Anika Strauß als wichtige Säule. Hinten erstickte sie viele gegnerische Angriffe im Keim und leitete anschließend zahlreiche Angriffe ein.

Hochholz setzte mit dem 1:0 den Startpunkt und kurz vor Abpfiff mit dem 5:0 den Schlusspunkt einer gelungenen Schönebecker Vorstellung. Sie nahm einen Pass mit dem Rücken zum Tor an, verwirrte mit einer Körpertäuschung die Abwehr und zog ab. Zwar wurde der erste Abschluss noch auf der Linie geklärt, doch der Nachschuss saß. Noch während die Partie lief, stellte sich die SSV-Bank schon mal den Sekt zurecht.

Einen traurigen Schlusspunkt setzte die Verletzung von Susanne Ebeling. Mit einem lädierten Sprunggelenk wurde sie vom Platz getragen. Kurz darauf pfiff Gütling ab und die Korken knallten. Die Sektduschen waren nicht nur Ausdruck der Freude, zugleich wohl auch eine willkommene Erfrischung.

"In der Höhe war das unerwartet", gestand SSV-Coach Enrico Oerke. "Die Löderburgerinnen sind in der Liga schließlich ein Schwergewicht. Entsprechend habe ich eher eine enge Partie vermutet." Oerke erklärte, dass für das Finale nichts dem Zufall überlassen wurde. "Wir haben uns 14 Tage lang intensiv vorbereitet." Das zahlte sich auch aus, denn "wir haben sehr gute Spielzüge vorgetragen". Der Pokal war nun die Krönung einer hervorragenden Saison. "Unser dritter Titel war das i-Tüpfelchen", freute sich der Trainer.

Enttäuscht, aber gefasst war der Löderburger Coach. "Es war trotzdem ein toller Erfolg für uns, ich bin stolz auf die Mannschaft. Angesichts des Altersdurchschnitts und der Hitze war es klar, dass wir nachlassen würden. Der SSV war spielerisch besser. Aber kämpferisch habe ich meinem Team nichts vorzuwerfen, wenngleich das Ergebnis am Ende zu hoch ausfiel."

Schönebecker SV: J. Ebeling - S. Ebeling, Thomas (27. Iwan), Pechstein (40. Schulze), Strauß (55. Meyer), Plaul, Hochholz, Grußka (60. Struck)

SG Löderburg/Etgersleben: Dufrain, Brandt (46. Weddeler), Jelinek, Muth (54. Henning), Kollenbach (40. Remus), Podschun (62. Schwarzkopf), Reuter, Schulz

Tore: 1:0 Christin Hochholz (21.), 2:0, 3:0 Manuela Pechstein (28., 36.), 4:0 Kristin Grußka (45.), Christin Hochholz (58.); SR: Dieter Gütling; ZS: 104