In Jens Lingott brodelte es, der Vorsitzende des Handball-Fördervereins des HV Rot-Weiss Staßfurt war am Sonnabend mit seiner Geduld am Ende. Aufgrund der desolaten Leistung des Mitteldeutschen Oberligisten gegen den LVB Leipzig – die Rot-Weissen unterlagen mit 27:35 (12:16) – griff der 40-Jährige bei der anschließenden Pressekonferenz entschlossen zum Mikrofon und sprach das aus, was wohl einige der Anwesenden dachten. Zum Abschluss erhielt er Applaus.

Staßfurt. Diesen hatten sich die Schützlinge von Trainer Steffen Wartmann nun wahrlich nicht verdient. Lingott, der in der Saison schon einige Partien der Staßfurter gesehen hat, bemängelte insbesondere den "fehlenden Kampfgeist". Ein weiterer Faktor war die Disziplin: "Es macht jeder das, was er will, und diese Undiszipliniertheiten brechen uns das Genick." So nahmen sich die Spieler unvorbereitete Würfe, die am Ende nichts Zählbares einbrachten. Dieses Defizit blieb auch Wartmann nicht verborgen. Es scheint mittlerweile ein Dauerthema zu sein, denn ob im Training, vor oder während der Partie, die Problematik der frühen Abschlüsse wird immer angesprochen, aber eine Änderung tritt nicht ein.

Die ersten Minuten gaben zunächst noch Zuversicht, als sich der Gastgeber eine 3:2-Führung herausgespielt hatte. Es folgte die schnelle Ernüchterung, als Angriffe erneut zu überhastet abgeschlossen wurden. "Wir wollten weiter Druck erzeugen", sagte Wartmann. Doch diese Liga verzeiht keine Fehler, schon gar nicht der Tabellenzweite aus Leipzig, der aus den Fehlern Kapital schlug. Das Blatt wendete sich, die Gäste zogen zum 4:8 davon. Die Treffer wurden insbesondere über die schnelle Mitte oder über Konter erzielt.

In der Mitte der ersten Hälfte kam noch einmal Hoffnung bei den Staßfurtern auf, als sie einen Fünf-Tore-Rückstand (6:11) innerhalb von wenigen Minuten auf einen Zähler zum 10:11 verkürzten. Rückraumschütze Sebastian Retting zeigte sich in dieser Phase sicher von der Siebenmeterlinie, er verwandelte beide Versuche.

Auf der anderen Seite hatten die Leipziger weniger Glück, die von vier Strafwürfen nur einen im gegnerischen Gehäuse unterbrachten. Darüber ärgerte sich Trainer Jens Große. Er hatte aber viel Grund zur Freude. "Die Deckungsarbeit mit einem guten Torhüter waren die Garanten zum Sieg", freute sich der 39-Jährige. In der Abwehr probierte er viel, mal ließ er eine offensive 6-0, mal eine 5-1 oder sogar eine 3-2-1 spielen. Für Wartmann kam das variable Abwehrverhalten nicht überraschend. "Wir wollten die Anwort mit einem beweglichen Angriff geben. Das habe ich nicht gesehen", sagte er enttäuscht. Ihm fehlten einfach die Alternativen. "Der Rückraum hat sich fast von allein aufgestellt." So musste er auf Christian Lingk (Arbeit) sowie Nils Hähnel und Alexander Ernst (beide krank) verzichten. Doch nicht nur im Angriff machte sich das Fehlen des Trios bemerkbar, auch in der Abwehr. Es mangelte der 5-1 an der nötigen Aggressivität und Beweglichkeit, so dass sich die Leipziger bis zur Pause zum 12:16 absetzten.

In Durchgang zwei änderte sich nicht viel an dieser Situation. Die Gäste profitierten von einer katastrophalen Fehlerquote des Gastgebers, der mehr mit Fang- und Abspielfehlern glänzte. Bei den Staßfurtern waren nur sporadisch schön herausgespielte Treffer wie beispielweise durch Kreisspieler Oliver Jacobi oder Rechtsaußen Eike Rach dabei. Die Zuschauer honorierten die Treffer mit Applaus. Nur die Gästefans hatten nach Abpfiff allen Grund zur Freude, denn ihre Mannschaft gewann die zweite Hälfte ebenfalls.

Staßfurt: Wiederhold/Schliwa – Stolze (3), Richter (1), Schröder (1), Wartmann, Ortmann (1), Bruchno (4), Retting (6), Jacobi (7), Rach (2), Scholz (2)

Leipzig: Rötting/Herrmann – Eulitz (7), Meiner (3), Wagner (3), Berthold (2), Fritzsch (8), Kunz (1), Höhne (2), Zart (1), Randt (5), Pietzsch, Lorenz-Tietz (3)

Siebenmeter: Staßfurt 3/3 – Leipzig 4/1; Zeitstrafen: Staßfurt 8 – Leipzig 5