Mit gerade einmal 13 Jahren gelang Maria Kuse der ganz große Wurf: Als erste Spielerin aus Sachsen-Anhalt wurde sie in den Bundeskader des Deutschen Badminton Verbandes berufen. Zuvor wurde sie zweifache Deutsche Meisterin und damit Beste ihres Jahrgangs.

Staßfurt l Die junge Staßfurterin begann mit sieben Jahren ihre Karriere beim SV Lok, damals noch mit mäßigem Erfolg. "Anfangs war ich grottenschlecht", erinnert sich Maria. Über eine Freundin, die bereits bei Lok spielte, kam sie zum Badminton. "Ich wollte möglichst viel Zeit mit ihr verbringen." Zwar hörte ihre Freundin kurz darauf auf, Maria blieb jedoch. "Es hat mir dann Spaß gemacht."

Auch Marina Grey kann sich an Marias Anfänge noch genau erinnern. "Sie hat ihre ersten Versuche damals bei mir absolviert. Maria spielte vorher Volleyball, dadurch verfügte sie bereits über eine gute Schlagkraft. Aber an der Technik musste noch sehr gefeilt werden", erinnert sich die Trainerin. "Aber Maria ist sehr ehrgeizig und hat sich von Mal zu Mal gesteigert. Um sie weiter zu fördern, schlug ich vor, sie beim Kader des Landessportbunds aufzunehmen." Dann hieß es jedoch, dass sich die Staßfurterin zwischen den beiden Sportarten entscheiden müsse. Sie entschied sich für Badminton. "Im Nachhinein kann man sagen - alles richtig gemacht", so Grey.

Ohne die Eltern wäre der Erfolg nicht möglich

Maria weiß, wem sie neben Lok vor allem zu danken hat - ihren Eltern. "Ich kann ihnen nicht oft genug danken. Würden sie nicht so hinter mir stehen, wäre das alles nicht möglich gewesen." Die Deutsche Meisterin erinnert sich auch noch an die ungewöhnliche Methode, die ihre Eltern angewandt haben, um Maria bei Laune zu halten. "Sie haben versucht, mich anzuspornen. Sie gaben mir zum Beispiel für zehn Punkte fünf Euro. Auf Turnieren wurden meine Punkte addiert. Und bei 200 Punkten sind wir zum Beispiel mal ins Kino gegangen. Das war natürlich ein großer Ansporn, besser zu werden", erklärt Maria mit einem Lächeln.

Aber irgendwann stellte sich diese Methode als zu kostspielig heraus, das Loch im Portmonee der Kuses wurde immer größer. "Irgendwann wurde es zu teuer für meine Eltern. Dann haben wir die Methode abgeschafft. Ich habe sie auch nicht mehr benötigt. Es hat mich genug angespornt, auf dem Siegertreppchen oben zu stehen."

Maria wurde immer besser, gewann ihre ersten Turniere, lief sogar in älteren Jahrgängen auf, um Konkurrenz zu haben. Aber sie wollte mehr, sich noch weiter steigern. Deshalb verließ sie Staßfurt, um auf das Sportgymnasium in Jena zu wechseln. "Ich wollte mich weiterentwickeln und meine Ziele erreichen. Das ging in Sachsen-Anhalt nicht mehr, da Badminton nicht so sehr gefördert wird." Außerdem wurde sie zwischenzeitlich in das cash`n fun Juniorteam der Sparkasse aufgenommen.

Das Internat, das sie nun seit einem Jahr besucht, förderte Maria nicht nur sportlich. Auch die Persönlichkeit entwickelte sich weiter. "Ich habe diesen Schritt nie bereut. Ich bin viel selbstständiger geworden. Und aus sportlicher Sicht scheint die Entscheidung ja auch richtig gewesen zu sein, schließlich wurde ich ja Deutsche Meisterin." Diese beiden Worte zaubern der 13-Jährigen noch immer ein Lächeln auf das Gesicht: Deutscher Meister.

Das Zwischenmenschliche steht im Vordergrund

Doch einen Haken hat das Internat. Die Zeit ist sehr knapp. "Ich habe früher viel ferngesehen, dafür habe ich heute gar keine Zeit mehr." Viel wichtiger ist Maria nun das Zwischenmenschliche. "Die wenigen freien Minuten, die ich habe, beschäftige ich mich lieber mit den Personen, die mir wichtig sind." Aber es bleibt auch mal Zeit für ein Buch. An trainings- oder lehrgangsfreien Wochenenden kommt sie stets nach Staßfurt. Ihre Eltern zögern keine Sekunde, ihre Tochter aus Jena abzuholen und zurückzufahren. Maria trifft sich dann mit Freunden oder besucht das Lok-Training. Schließlich hat sie dem Verein viel zu verdanken, der ihr noch heute - insbesondere finanziell - zur Seite steht.

Die Deutsche Meisterschaft im Einzel und im Doppel mit Emma Moszcynski waren Marias größte sportliche Erfolge. "An diesem bestimmten Tag diese bestimmte Leistung zu erbringen, darauf habe ich lange hingearbeitet." Als der entscheidende Ball ihr zum Titel im Einzel verhalf, konnte sie es nicht fassen. "Ich habe den Sieg erst gar nicht realisiert. Ich stand einfach nur da und weiß gar nicht mehr, was mir alles durch den Kopf ging. Das war ein cooles Gefühl." Erst ihre Doppelpartnerin und gute Freundin Emma weckte sie aus der Trance, indem sie Maria vor Freude fast umriss.

Um so erfolgreich zu sein, bedarf es einer gesunden Psyche. "Die Kunst besteht darin, ruhig und fokussiert zu bleiben. Und wenn es eng wird, muss man auch mal ein Risiko eingehen", schildert Maria. "Der Kopf hat einen großen Anteil am Erfolg."

Während einer Partie ist sie vollkommen im Tunnel. "Ich würde nicht mal merken, wenn neben dem Feld ein lauter Zirkus wäre." Sie verrät auch ihr Geheimrezept: "Ich binde mir vor jedem Spiel die Schuhe neu zu und habe spezielle T-Shirts, die ich trage." Ein bisschen Aberglaube gehört dazu. So konzentriert sie im Wettkampf auch ist, abseits des Badmintons ist sie ganz anders. "Ich bin ein chaotischer Mensch. Wenn ich mit den richtigen Leuten zusammen bin, kommen wir aus dem Lachen gar nicht mehr raus."

Trotz den erzielten Erfolgen bleibt Maria ehrgeizig und hat weitere Ziele. "Dänemark und Frankreich haben sehr starke Spieler. Ich weiß, dass es Athleten gibt, die besser sind als ich. Aber ich trainiere weiter hart, um auch die irgendwann zu schlagen." Die Deutsche Meisterschaft reicht ihr nicht: "In einigen Jahren fragt keiner mehr nach einem Titel in der U 13. Jetzt geht es erst richtig los."