Den Handballern des Mitteldeutschen Oberligisten HV Rot-Weiss Staßfurt war auf den bisherigen Rückfahrten von den Auswärtsspielen meist nicht zum Feiern zumute. Die Bilanz mit drei Zählern spricht für sich. Diese wurde am Sonnabend nun auf fünf Punkte ausgebaut. Die Schützlinge von Trainer Reiner Baumgart behielten beim SV Hermdorf in der "Hölle Ost" die Nerven und auch knapp mit 25:24 (14:15) die Oberhand.

Hermsdorf. Die Rot-Weissen wurden regelrecht zum Auswärtssieg getrommelt. Der "achte Mann", bei den Gästen insbesondere die Spielerfrauen, gaben nämlich auf der Tribüne Vollgas und feuerten das Team lauthals an. Doch auch die Fans, die die Gelegenheit nutzten und mit der Mannschaft im Bus mitfuhren, blieben nicht leise. Beim Gastgeber waren es die "Handballfans vom Hermsdorfer Kreuz", die von der ersten Minute den Rhythmus vorgaben.

In den ersten Minuten war den Staßfurtern eine gewisse Verunsicherung anzumerken. So wurde gleich der erste Angriff verworfen. Dem Gastgeber gelang die Führung durch einen von René Opel verwandelten Siebenmeter (1.). Die Thüringer störten das Aufbauspiel der Gäste früh, mit Erfolg. Jan Heilwagen erhöhte zum 2:0 (2), im Gegenzug verkürzte dann Sebastian Retting zum 2:1. Die erstmalige Führung gelang den Rot-Weissen in der zehnten Minute. Roman Bruchno brachte dabei sein Team mit einem wahren Sturmlauf, er erzielte vier Treffer innerhalb von drei Minuten, wieder auf Kurs – 4:5.

In dieser frühen Phase wurde deutlich, dass es eine enge Partie werden würde. Beide Trainer hatten ihre Abwehreihen mit einer offensiven 6-0 gut eingestellt. Dem Gastgeber gelang es aber mehrfach Lücken durch sein temporeiches Aufbauspiel in der gegnerische Abwehr zu reißen, um dann erfolgreich abzuschließen. Selbst in Unterzahl, wie kurz vor der Halbzeitpause, als Tobias Högl von David Stolze in Manndeckung genommen wurde, gelang das 14:13. Die Ein-Tore-Führung rettete der Gastgeber dann in die Pause.

Die zweite Hälfte gehörte dann den beiden Keepern. Bei den Thüringern war es Petr Nedved und im Gehäuse der Gäste stand Stefan Wiederhold. "Die Grundlage für unseren Erfolg war eine stabile Deckungsarbeit mit einem sich steigernden Torhüter", hatte Baumgart beobachtet. Wiederhold, der sich langsam aus seinem Tief befreit, hielt stark. "Es ist natürlich keine schöne Situation, wenn man hinten die Bälle wegfängt und die Chancen vorn vergeben werden", sagte er. Daraus zogen die Hermsdorfer Kapital und enteilten vom 17:17 zum 20:17. Doch auch das Team vom Trainergespann Mario Kühne und Ferenc Bergner, die Jens Friedrich aus privaten Gründen an der Seitenlinie vertraten, ließen zahlreiche Möglichkeiten aus, so dass die Gäste durch drei Treffer von Retting zum 21:20 verkürzten (45.). Im Gegensatz zu den vorherigen Partien bewahrten die Staßfurter im Abschluss die Ruhe. Christian Lingk zog auf Aufbau Mitte geschickt die Fäden, verteilte die Bälle gut und war selbst zweimal erfolgreich.

Es folgten dann neun torlose Minuten, weil unter anderem bei den Gästen Stolze und Sebastian Scholz zwei Siebenmeter vergaben. Erst Kreisspieler Oliver Jacobi brach den Bann, er glich zum 21:21 (54.) aus. Die Schlussphase war dann nichts für schwache Nerven. "Ich habe ein starkes Nervenkostüm", so Baumgart, der einen am Ende gelungenen Einstand feierte und die Rückfahrt sichtlich genoss.

Hermsdorf: Szlapka/Nedved – Ope (4), Wendt (1), Schreck (3), Högl (5), Rimme (2), Parybyk (2), Heilwagen (4), Steinbach (1), de la Motte, Najman (1), Sidortschuk, Krüger (1)

Staßfurt: Wiederhold/Schliwa – Lingk (2), Stolze (4), Richter, Schröder, Wartmann (2), Bruchno (4), Retting (6), Jacobi (4), Rach (1), Scholz (2)

Siebenmeter: Hermsdorf 6/4 – Staßfurt 4/1; Zeitstrafen: Hermsdorf 2 – Staßfurt 7; Rot: Christian Lingk (51./Staßfurt), Roman Bruchno (57./3x2 Minuten/Staßfurt)