Am Sonntag kam die geballte Fußball-Kompetenz des Salzlandkreises zusammen. Die Abteilungsleiter trafen sich im Sportlerheim von Fortuna Schneidlingen zu einer Sitzung, die der Vorstand des Kreisfachverbands Fußball einberufen hatte.

Schneidlingen l Die wohl größte Veränderung wird es bei den Hallen-Kreismeisterschaften geben - die es nämlich nicht mehr geben wird. Schatzmeister Frank Krella erklärte, dass der DFB vorgab, nur noch Futsal zu spielen. Um keine Fördermittel zu riskieren, wurde nun auf die Futsal-Masters umgestellt. Die Teilnahme daran ist für die Vereine freiwillig. Es kann sich jedes Team anmelden, das sich im Spielbetrieb befindet. Dabei bekommen die höherklassigen Mannschaften jedoch den Vorzug. Was erst einmal drastisch klingt, wird von Krella entschärft. "Futsal ist den meisten ein rotes Tuch." Die letzten Jahre zeigten, dass der Stellenwert des Hallenfußballs bei höherklassigen Vereinen nicht der größte sei. Eine mögliche Sorge von beispielsweise Kreisligisten, keinen Startplatz zu bekommen, ist also unbegründet. "Wir wären bereits über etwa 20 Teilnehmer froh." Die Spielmodi in den Ü-Bereichen bleiben vorerst unverändert. Auf lange Sicht soll jedoch auch dort Futsal etabliert werden.

KFV zeichnet Vereine für ihr Fairplay aus

Neben den Änderungen im Hallenfußball, die für einige Anwesende scheinbar überraschend kam, gab es auch einen erfreulichen Anlass der Versammlung: Die Auszeichnungen für Fairplay und herausragende Leistungen. So wurde die TSG Calbe II von KFV-Präsident Markus Scheibel sowie dem Vorsitzenden des Jugendausschusses, Helmut Lampe, als fairste Mannschaft der Salzlandliga prämiert. Aus der Kreisliga Nord wurde der MTV Welsleben ausgezeichnet, aus der Kreisliga Süd Lok Aschersleben II. Beide Kreisligisten heimsten nicht nur Applaus für ihr Fair Play ein, sondern auch für ihre Staffelsiege und den Aufstieg in die höchste Spielklasse des Salzlandkreises.

Außerdem wurden aus der Kreisklasse, Staffel I, Askania Bernburg III, aus der Staffel II der SV 09 Staßfurt II, aus der Staffel III die dritte Mannschaft der TSG Calbe sowie der VfB Glöthe und aus der vierten Staffel der Hecklinger SV ausgezeichnet. Bei den Frauen wurde die Spielgemeinschaft Löderburg/Etgersleben, der VfB Glöthe sowie die SG Eickendorf/Förderstedt/Atzendorf gewürdigt.

Reiner Hellmann erhält goldene Ehrennadel

Scheibel hatte anschließend eine besonders angenehme Aufgabe. Er verlieh dem langjährigen Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses, Reiner Hellmann, die goldene Ehrennadel des Fußballverbands Sachsen-Anhalt. Nach der Ehrung schnappte Scheibel sich das Mikrofon und begrüßte alle anwesenden Vereinsvertreter, von denen nur zehn nicht angereist waren. Eine "vernünftige Quote zur Ferienzeit", sagte der Präsident. Er dankte den Vereinen für die gute Zusammenarbeit in der abgelaufenen Spielzeit. "Es lief zwar nicht immer alles rund, aber alle Probleme konnten ausgeräumt werden." Auch dem KFV-Vorstand sprach Scheibel seinen Dank aus. Jeder Einzelne habe seinen Job gut erledigt und sein "Ressort vernünftig geleitet".

Doch Scheibel kam auch nicht umhin, Kritik zu üben. Damit spielte er vor allem auf Pretzien, Löderburg und Peißen an, die Spieler unter falschem Namen auflaufen ließen. Das habe "drakonische Strafen" nach sich gezogen. Er appellierte an die Verantwortlichen: "Das Geld wäre in den Vereinen sinnvoller aufgehoben, zum Beispiel zur Nachwuchsförderung."

Nachwuchs-Fußball bleibt weiter stabil

Das Thema Nachwuchs war dann auch das passende Stichwort für Lampe, der aus seinem Ressort berichtete. Freudig konnte er darlegen, dass der Schwund an Mannschaften sehr gering war. "Da habe ich schon schlimmere Zeiten erlebt." Lampe informierte über eine Neuerung bei den C-Junioren. Insgesamt gibt es zwölf Vereine auf Kreisebene, davon werden Barby und Warmsdorf auf Kleinfeld auflaufen - "ein Zugeständnis, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten". Neu ist nun, dass das Regelwerk dem Frauenfußball angepasst wird. Es wird künfitig mit Abseits gespielt und die Mittellinie ist nicht mehr bindend. Im Prinzip kann ein "Torwart jetzt Treffer erzielen".

In der D-Jugend wird es vier Staffeln geben, hinzu kommt eine Talenteliga, die die Landesliga ersetzt. Vereine aus der Talenteliga, darunter der SV 09 Staßfurt und Askania Bernburg, werden nicht mehr an den Kreismeisterschaften teilnehmen. In den Staffeln wird im Modus "Jeder gegen Jeden" gespielt, anschließend finden Play-Offs statt. Im Spielsystem der E- bis G-Junioren wird es keine grundlegenden strukturellen Veränderungen geben. Es seien bei den Kleinen auch noch Nachmeldungen möglich, um ihnen das Fußballspielen zu ermöglichen. Neuer Staffelleiter der B-Junioren wird Wolfgang Spach, der C-Jugend Ingo Müller und der D-Jugend Eckehard Humpl. Alle anderen Nachwuchsbereiche bleiben in der Leitung unverändert.

Ob nun in der Jugend oder im Männerbereich, über eines waren sich alle Beteiligten einig: Ohne ehrenamtliche Helfer ist kein Spielbetrieb möglich. Ein solches Engagement wird auch jährlich vom KFV gewürdigt. Doch die Vereine scheinen diese Ehrung nicht ernst genug zu nehmen. Dies mahnte auch Ehrenamts-Vorsitzender Rüdiger Großmann an. Seit dem Zusammenschluss der ehemaligen Verbände zum jetzigen wurden 74 Sportsfreunde ausgezeichnet. Eine Zahl, die an sich hoch wirkt. Doch Jahr für Jahr sind es dieselben Vereine, die Ehrenamtler vorschlagen, darunter Cochstedt, Latdorf, Egelner SV Germania und Lok Aschersleben. Somit sind die 74 Preisträger nicht weit gestreut unter den etwa 80 Vereinen im Salzlandkreis. "Das ist eine komische Sache, die uns nicht befriedigen kann", erklärte Großmann.

Großmann fordert mehr Würdigung für Ehrenamt

Er war auf Ursachensuche, kam dabei jedoch nicht weit. "Es mutet an, als fehle es in den Vereinen an Muße, die Arbeit auf sich zu nehmen, Mitarbeiter für die Ehrung vorzuschlagen." Er bezweifelte, dass einfach niemanden dafür in Frage komme. "Es gibt tolle, fleißige Mitarbeiter." Oft würden bei den Überlegungen die Vereinsvorsitzenden vergessen, die so kaum eine Chance auf eine goldene Ehrennadel haben. Großmann appellierte klipp und klar: "Schlagt mehr Leute vor." Der Vorsitzende für Ehrungen und Auszeichnungen, Lothar Kral, pflichtete dem bei: "Ehrt eure Sportsfreunde, sie haben es verdient."

 

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