Staßfurt (nrc) l Tennis ist mit Sicherheit einer der laufintensivsten Sportarten. Wer glaubt, dass man nur auf einem Fleck steht und sich den Ball über das Netz zupasst, der irrt. Daher ist es also auch kein Sport, den man noch im hohen Alter betreiben kann? Wieder falsch. Alfons Christoph spielt seit den 1970er Jahren Tennis beim SV Wacker Westeregeln, begann diesen Sport mit Ende 30 und spielt bis heute. Und heute wird er auch 80 Jahre alt.

In dieser Saison trat er in der Herren 60 Mannschaft in Altenweddingen an, da Wacker keine eigene Mannschaft dieser Altersklasse stellen konnte. Der gebürtige Magdeburger ist dem SVW allerdings seit Beginn seiner Tenniskarriere verbunden.

Christoph kam nach Westeregeln allerdings mehr oder weniger wider Willen. Als Magdeburg im Zweiten Weltkrieg bombardiert wurde, blieb seiner Familie nichts anderes übrig, als die Stadt zu verlassen. Westeregeln wurde die neue Heimat. Christoph war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal elf Jahre alt.

Wie alle Jungen in seinem Alter zog es Alfons allerdings erst einmal zum Fußball. Diesen Sport betrieb er auch während seiner Lehre zum Rohrleger. Als er im Anschluss daran allerdings noch für ein Ingenieursstudium an der Universität Freiberg (Sachsen) zugelassen wurde, fehlte mehr und mehr die Zeit für den Fußball. Nach dem Studium arbeitete der Westeregelner in einer leitenden Position in den damaligen Solvay-Werken und hatte wieder mehr Zeit für den Sport.

Aber wie das Leben nun einmal so spielt, wird der Mensch bekanntlich nicht jünger. Und mit dem Alter kommen allmählich gesundheitliche Probleme. Christoph merkte, dass er dem Fußball nicht für immer treu bleiben konnte. Aber den Sport ganz aufgeben, das wollte er auch nicht.

Und so fand er seinen Weg zum Tennis. Mit seinen Teamkollegen Wolfgang Thorhauer, Urlich Elsner, Horst Meißner und Jens Hohmann bestritt Christoph in der Bereichsliga erfolgreiche Jahre über die Mannschaften Herren 40, 50 und schließlich 60. Und obwohl Christoph heute nun 80 Jahre wird, spielt er nach wie vor aktiv im Ligabetrieb. Besondere Stärken hat der Westeregelner im Übrigen nicht. Er ist ein Allrounder und ein "Taktikfuchs". Christoph gehört zu jenen, die ihre Gegner erst einmal beobachten und sich die Schwächen genau heraussuchen.

Aber noch eine andere Eigenschaft zeichnet den 80-Jährigen aus. Er ist sehr ehrgeizig und zwar nicht nur im Sport. Auch im Beruflichen und Privaten werden alle Ziele, die er sich gesteckt hat, konsequent umgesetzt. So baute er in Westeregeln ein Haus mit einer großen Vogelvoliere. Dort züchtet der 80-Jährige Wellensittche, Nymphensittche und Zwergpapageien. Da muss seine Frau Helga schon mal ein paar Stunden mit dem Frühstück warten, bis ihr Gatte von seiner gefiederten Schar zurückkehrt. Aber es ist ein Hobby, das sich der Tennisspieler nicht nehmen lassen will.

Christophs baulichen Ambitionen galten aber auch seinem Verein. Im März 2003 begannen die Arbeiten am Vereinsheim des SVW. Wacker bekam vier Containerelemente der ehemaligen Deutschen Bank aus Staßfurt , die dann gemeinsam unter der Leitung von Christoph und Elsner zusammengefügt und ausgebaut wurden. An diesem Projekt beteiligten sich alle Tennisspieler. Federführend war allerdings die Herrenmannschaft 60. Der Bau wurde im selben Jahr beendet, in den folgenden wurde allerdings weiterhin an Sanitäreinrichtungen, dem Verputzen der Wände und der Einrichtung gearbeitet.

Seine Vereinskollegen wissen, was sie an Christoph haben. Deshalb haben sie zusammen mit seiner Familie für morgen eine besondere Feier zu Ehren seines 80. Geburtstags organisiert.