Fast familiär war die Stimmung am Start des noch jungen Kanal-Ultra-Events an der Schloßdomäne der über 1000-jährigen Stadt Wolmirstedt. Gleich sechs Athleten der Gaensefurther Sportbewegung nahmen an der 30-Kilometer-Strecke teil. Dabei erwischte vor allem Sylvia Köhn einen hervorragenden Tag.

Wolmirstedt (sbö/chj) l Das Organisationsteam, die "Magdeburger LaufKultur" um Renn-Ikone Petra Schultz, fungiert nach dem Motto "laufend was veranstalten" und konnte sogar Sachsen-Anhalts Sportminister Holger Stahlknecht und Wolmirstedts Bürgermeister Martin Stichnoth begeistern. Wer von den beiden letztlich den Finger am Abzug der Startpistole hatte, war nicht genau zu erkennen. Gemeinsam schickten sie die 88 Teilnehmer auf die 30-Kilometer-Distanz, unter denen auch die sechs Läufer der Gaensefurther waren. Auf unbekanntem Terrain ging es zunächst auf einem mittelalterlichen Pflasterweg durch das Wäldchen "Küchenhorn". Über holprige Wiesenwege hinweg stand dann auch schon der Anstieg zum Mittellandkanal an. Mit Rückenwind ging es nun immer geradeaus am Kanal entlang. Von links grüßte der "Kalimadscharo" aus Zielitz und bald war auch die gigantische Trogbrücke passiert.

An der Niegripper Doppelschleuse ging es allen Bode-Runners noch richtig gut und Jens-Uwe Börner, wieder einmal als laufender Paparazzo unterwegs, erhaschte sogar ein Foto vom Führenden, Frank Schauer. Der Deutsche Marathonmeister vom Sportclub Magdeburg war bereits wieder auf dem Rückweg und sollte am Ende nach nur 01:49:35 Stunden seinen Sieg über die 30-Kilometer-Distanz feiern.

Auch die Gaensefurther Sylvia Köhn, Dirk Meier und Jörg Schäper stehen mitten in einem kraftraubenden Trainingsplan für einen Marathon im Oktober und nutzten den Kanal-Ultra-Lauf als Vorbereitung. Dass es bei Köhn besonders gut lief, beruhigte die Nerven aller ungemein. Während den Männern der Gegenwind kaum etwas ausmachte, gestaltete sich der Rückweg für die Frauen sehr beschwerlich. Köhn kämpfte unermüdlich - und siegte schließlich. Sabine Börner suchte Schutz hinter breiten Läuferschultern und Petra Becker arrangierte sich mit Wind und Lauftempo. Für die drei stand fest: "Heute wären wir an der 60-Kilometer-Distanz gescheitert." Sie konnten es kaum glauben, dass seit früh morgens die Ultras auf den Beinen waren, die diese Strecke zweimal zu absolvieren hatten.

Als erster Gaensefurther brachte Dirk Meier die 30 Kilometer hinter sich. Mit Sven Projahn aus Tangerhütte hatte er unterwegs einen netten Gesprächspartner gefunden. Ungeahnt, dass Projahn dem hohen Tempo über die gesamte Strecke folgen würde, zollte Meier dem 108-Kilo-Sportler am Ende großen Respekt. "Ja, wenn 108 Kilo erst einmal in Bewegung sind, dann rollt es", freute sich der Finisher und konnte seine Zielzeit wohl selbst noch nicht fassen.

Dagegen sortierte sich Jens-Uwe Börner im hinteren Drittel ein. Denn durch die ständigen Fotosprints forderten Muskelkrämpfe ein dosiertes Tempo. Den Veranstalter freute es - so konnte Börner auch von wirklich allen Läufern ein entsprechendes Foto übermitteln.

Auf eine Altersklassenauswertung wurde verzichtet, die Teilnehmerurkunden mit der entsprechenden Zeit gab es dafür gleich nach dem Zieleinlauf. Und noch etwas machte diesen Volkslauf zu etwas ganz Besonderem: Für die Sanitäter gab es eine Dankeschön-Urkunde und Petra Schultz begleitete den letzten 60-Kilometerläufer persönlich in das Ziel.

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