Der Schackstedter SV zog bislang einsam seine Kreise in der Fußball-Landesklasse. Er hätte wohl nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Atzendorf in der jetzigen Situation zum Stolperstein wird. Die ZLG trotzte dem Favoriten und sammelte nach dem 1:1 (0:0)-Unentschieden den zweiten Punkt im Kampf um den Klassenerhalt.

Atzendorf l Um 16.48 Uhr pfiff Schiedsrichter Dirk Rittweger ab. Was folgte, war ein lauter "Ja"-Ruf von Marcus Brüggemann. Da Coach Steffen Grohe privat verhindert war und Fabian Wenzel somit die Chef-Rolle übernahm, bekam der verletzte Brüggemann Verantwortung an der Seitenlinie. "Er hielt die Ansprache und hat motivierende Worte gefunden. Er war eine große Hilfe", bedankte sich Wenzel bei seinem provisorischen Assistenten.

Der Jubelruf galt jedem einzelnen Spieler sowie dem Punktgewinn gegen den Tabellenführer. "Kompliment an die Mannschaft. Jeder hat für jeden gekämpft. Wir haben zwar nicht mit einem Unentschieden gerechnet, aber wir wollten und mussten punkten", sagte Wenzel. Nicht nur für die eigene Moral war der Erfolg wichtig. "Wir wollten auch unseren Fans zeigen, dass wir eine gute Leistung abrufen können." Brüggemann ergänzte: "Das war ein reiner Arbeitsauftrag. Jeder Punkt ist für uns Gold wert."

Die ZLG glänzte nicht immer mit spielerischer Klasse, das musste sie gegen den Tabellenführer und angesichts der weiterhin angespannten Personallage gar nicht. Doch über Kampf und Leidenschaft boten die Atzendorfer Schackstedt die Stirn. Von Beginn an arbeiteten die Gastgeber energisch gegen den Ball, leisteten ein hohes Laufpensum. Dabei waren sie nicht nur auf Zerstörung des gegnerischen Spiels aus, sondern wurden selbst gefährlich. "Chancen gab es in Hälfte eins auf beiden Seiten", sagte Wenzel. Obwohl Keeper Lukas Fiser einen Ball von der Linie fischen musste, "ging das Unentschieden zur Pause in Ordnung". Vereinspräsident Günter Döbbel sprach in der Halbzeit gar von einem "Teilerfolg, der wichtig für die Moral ist".

Zehn Minuten nach Wiederanpfiff wurden die Zuschauer Zeugen eines ungewöhnlichen Spektakels. Schlussmann Fiser sammelte einen Scorerpunkt. Er schlug einen Abstoß lang nach vorn. Gäste-Keeper Roman Mach war einige Meter zu weit vor seinem Kasten. Dies sah Andreas Spangenberg, der den Abstoß in Uwe-Seeler-Manier halb mit dem Hinterkopf über Mach hinweg beförderte. Der Jubel war entsprechend groß.

Sichtlich wachgerüttelt vom Rückstand übernahmen nun die Gäste das Zepter und drückten auf den Ausgleich. Nach einer Schackstedter Ecke zog ein Hauch von Bundesliga über den Atzendorfer Rasen. Die ZLG bereningte die Situation nach der Ecke, der Ball gelang zu Stefan Rock. Der sah, dass Keeper Mach erneut zu weit von seinem Kasten stand und zog einfach mal ab. Auch wenn der Schuss das Tor um Haaresbreite verfehlte, erinnerte die Situation doch sehr an Paderborns Moritz Stoppelkamp, der jüngst aus 82 Metern gegen Hannover 96 traf.

Schackstedt ließ sich davon nicht beirren, pochte weiter auf den Ausgleich. In einer Drangphase der Gäste verursachte Steffen Linsdorf, der aushalf und einen starken Tag erwischte, einen Strafstoß, der zum 1:1 führte. "Ein Gegentor nach einem `Elfer` ist natürlich ärgerlich. Aber die Entscheidung war korrekt", sagte Wenzel. "Ich mache Steffen aber keinen Vorwurf." Linsdorf bügelte das Foul aber wieder aus, indem er wenige Minuten später goldrichtig stand und nach einer Ecke auf der Linie klärte.

Atzendorf wurde nun tief in die eigene Hälfte gedrückt, der Punkt war in Gefahr. "Zum Ende hin war es auch eine Kraftfrage", sagte Wenzel. Die ZLG zollte dem hohen Arbeitsaufwand Tribut. Bei einigen setzten Krämpfe ein. Immer wieder erwies sich Fiser als Fels in der Brandung. Schiedsrichter Rittweger hielt nun drei Finger in die Luft und allen Atzendorfern war klar, dass nur noch 180 Sekunden Durchhaltevermögen gefragt waren. "Die Nachspielzeit fühlte sich an wie eine halbe Stunde." Dann war Schluss.

ZLG Atzendorf: Fiser - C. Rock, Wolter, Wullstein (21. Knoll), Faatz, Linsdorf, Ebeling, Spangenberg (90. Matteoschus), Kutz, S. Rock, Strobusch (75. Siebert)

Tore: 1:0 Andreas Spangenberg (55.), 1:1 Steve Elle (FE, 64.); SR: D. Rittweger (Eggersdorf); ZS: 50

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