René Linkohr war sich am Ende nicht sicher, ob es wirklich die Schlüsselszene war. Jedenfalls geriet das System nach der Roten Karte gegen Justine Schmitz aus den Fugen, sodass der HC Salzland 06 die Handball-Partie der 3. Liga bei der HSG Blomberg-Lippe II mit 27:33 (16:16) verlor.

Blomberg l Bis zu der Hinausstellung hatte sich der HCS 06, der ohne die erkrankte Yvonne Sachse auskommen musste, sehr gut verkauft. Es entwickelte sich eine ausgeglichene Begegnung, in der die aggressive und harte Abwehr im Vordergrund stand. "Beide Mannschaften haben sich dabei nichts genommen", sagte Linkohr. Nach dem 2:4 (10.) und 5:8 (15.) gelang den Gästen ein Lauf zur 9:8-Führung (18.). Großen Anteil daran hatte Stephanie Jäger, die in der ersten Halbzeit mit einer starken Quote von sieben Treffern bei acht Versuchen auftrumpfte. Sie nutzte die Freiräume, die unter anderem Paula Farken am Kreis für sie schuf, "gnadenlos aus", lobte der Trainer.

Auch in der zweiten Hälfte "haben wir gut ins Spiel gefunden". Farken und Thea Schwarz setzten am Kreis Akzente, sodass ein 24:21-Vorsprung herausgearbeitet werden konnte - bis zur 45.Minute. Dann erhielt der HCS 06 einen Siebenmeter, Schmitz führte aus und traf die Torhüterin am Kopf - unbeabsichtigt, weil diese sich bewegt hatte. Normalerweise sieht das Regelwerk eine Rote Karte nur dann vor, wenn die Keeperin sich nicht bewegt und dann am Kopf getroffen wird. Dennoch musste die Salzländerin durch die harte Regelauslegung von der Platte. Somit war Linkohr, der Schmitz zu diesem Zeitpunkt wieder auf Rückraum links einsetzen wollte, gezwungen, seine Taktik verändern. Doch der Faden war gänzlich gerissen.

In der Folge produzierten seine Schützlinge 13 ihrer insgesamt 24 Regel-Technik-Fehler in den verbliebenen 15 Minuten, kassierten außerdem noch drei Zeitstrafen, agierten oft in Unterzahl und mussten einen 0:8-Lauf hinnehmen. "In Phasen, in denen wir beispielsweise führen, suchen wir oftmals noch zu risikobehaftete Pässe. Das müssen wir abstellen."

Die Gastgeber, bei denen in dieser Phase mit Maureen Racz und Larissa Petersen die Spielerinnen mit Erfahrung aus der 1. Bundesliga auftrumpften, erspielten sich somit den entscheidenden Vorsprung, den sie bis zum Ende verwalteten.

"Es wäre sicherlich ein Sieg möglich gewesen. Dazu hätten wir aber über 60 Minuten eine konstante Leistung zeigen müssen", resümierte der Trainer, der dennoch mit der Torwurfquote von 68 Prozent sowie den nur sechs Fehlwürfen pro Halbzeit zufrieden war. "Aber der Einbruch hätte uns nicht passieren dürfen." Nun möchte das Team am Sonntag, wenn ab 16 Uhr die HSG Hannover-Badenstedt gegenübersteht, "zuhause" im Ascaneum in die Erfolgsspur zurückfinden, um sich im oberen Drittel der Tabelle zu etablieren.

HSG Blomberg-Lippe II: Jackstadt, Picherer - Wahle (3), Großheim (5/1), Bockholdt, Racz (2), Nelissen (1), Petersen (9/5), Schriever (3/1), Ziegenbein (1), Haudrup (2/2), Brinkmann, Reiche (6)

HC Salzland 06: Lorf, Klauß - Schwarz (5), Beck (1), Rosiak (1), Schmitz (4/4), Retting, Geipel, Jäger (7), Farken (5), Knappe (4), Göpel, Schüler

Siebenmeter: Blomberg-Lippe II 11/9 - HC Salzland 06 5/4; Zeitstrafen: Blomberg-Lippe II 3 - HC Salzland 06 6; Rot: Justine Schmitz (43:48 Minuten) -Salzland-