Geduld ist eine Tugend. Hätten sich die Handballer des HV Rot-Weiss Stafurt II diese Weisheit zu Herzen genommen, wäre gegen die Reserve von TuS Radis ein Sieg möglich gewesen. Bewiesen die Bodestädter in der ersten Hälfte der Verbandsliga-Partie noch Nerven, verloren sie diese zunehmend in Halbzeit zwei und mussten sich so am Ende mit 31:34 (18:13) geschlagen geben.

Staßfurt l "Die erste Halbzeit lief für uns deutlich besser", gab auch HVS II-Trainer Mario Kutzer zu. "Der Ball wurde schnell gespielt und wir haben die gegnerische Abwehr unter Druck gesetzt." Trotz der schnellen Ballwechsel am Kreis wurden die Gastgeber dennoch nie ungeduldig, warteten, bis ihnen Radis, teilweise auch recht bereitwillig, Lücken anbot. So konnte sich Staßfurts Reserve über die Stationen 4:2, 6:2, 11:7 und schließlich 18:13 einen Vorsprung von fünf Toren erobern. Ein Garant dafür war Tino Korin, der nicht nur mit guten Aktionen am Kreis überzeugte, sondern auch als Siebenmeter-Experte glänzte. Sechs der im gesamten Spiel gegebenen sieben Strafwürfe verwandelte er. "Zusammen mit Thomas Jesse ist Tino bei uns für die Siebenmeter zuständig", erklärte Kutzer. "Tinos Ausbeute war heute ordentlich."

Ordentlich hätte es auch in der zweiten Hälfte weitergehen können. Doch das 19:13 gleich nach der Pause blieb die einzig wirklich gute Aktion der Gastgeber. Man hatte das Gefühl, der HVS war gedanklich noch in der Kabine. Radis verkürzte postwendend wieder zum 14:19. Thomas Jesse startete den nächsten Angriff, verwarf allerdings. Im Gegenzug konnten die Gäste das 15:19 im Nachfassen erzielen.

In der Folge schlich sich zunehmend Hektik im Spiel der Staßfurter ein. Hinten wurde weiterhin gut zugepackt, Radis musste sich durch die Deckung arbeiten, spielte fast nur noch seine Kreisläufer an. "Diese beiden haben wir nicht unter Kontrolle bekommen", monierte Kutzer. Über die Stationen 22:19, 25:22, 26:25 schmolz der Vorsprung auf ein Tor und in der 52. Minute glich Radis schließlich zum 27:27 aus.

Danach riss beim HVS II endgültig der Geduldsfaden. Man versuchte buchstäblich, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. Die Bälle blieben an der Deckung der Gäste hängen oder prallten am Gebälk ab. Das eigentliche Debakel begann dann aber kurz vor dem Abpfiff. Innerhalb von zwei Minuten schwächte sich Staßfurt mit drei Zeitstrafen selbst. Zuerst musste Andreas Stein die Platte verlassen (57:59), ihm folgten Christian Gödde (58:14) und Karsten Berger (59:32). "Das war unnötig", haderte Kutzer. Radis II nutzte die Unterzahl der Gastgeber eiskalt und entschied die Begegnung mit 34:31 für sich.

HV Staßfurt II: A. Jesse, J. Stein - A. Stein (4), Berger (3), T. Jesse (5), Korin (10/6), Gödde (2), Sell, Bönecke, Panzer (3), Spadt (4)

Siebenmeter: Staßfurt 7/6 - Radis 11/9; Zeitstrafen: Staßfurt 6 - Radis 3