Mit einem Kraftakt bog der HV Rot-Weiss Staßfurt II einen Sieben-Tore-Rückstand gegen den Jessener SV und gewann am Ende hauchdünn mit 30:29 (10:14). Damit fuhren die Gastgeber zwei Punkte ein, die nicht nur für die Tabelle der Handball-Verbandsliga wichtig waren, sondern auch für die Köpfe der Spieler.

Staßfurt l Nach dem so wichtigen Sieg im letzten Heimspiel des Jahres sah es zunächst gar nicht aus, denn die Gäste legten deutlich zielstrebiger und energischer los als die Staßfurter. "Wir sind nicht richtig in die Partie gekommen", wusste auch Trainer Mario Kutzer. "Der Ball wollte nicht in unseren Händen bleiben." Die Rot-Weissen agierten sehr aufgeregt, was sich in Fehlern entlud. So zog Jessen über die Stationen 5:1, 7:2 und 10:5 auf zwischenzeitlich sieben Tore zum 14:7 davon.

Kutzer wartet ab und verzichtet auf Auszeit

Während die Mannschaft aufgrund des misslungenen Auftakts eine Auszeit wollte, behielt Kutzer die Grüne Karte verdeckt. Er erkannte, dass den Gästen allmählich die Puste ausging. Außerdem wechselte er Florian Panzer für Tino Korin ein. Korin drosselte häufig das Tempo, was sich in den vergangenen Partien schon oft auszahlte. Doch gegen Jessen war eher der zügige Aufbau von Panzer gefragt. Außerdem änderte Kutzer die defensive Ausrichtung zu einer 4:2-Variante. Diese Umstellungen trugen Früchte, denn die Schnelligkeit bekam den Gästen nicht. "Erst wollte ich keine Auszeit nehmen, weil es zu früh war. Dann wollte ich sie nicht nehmen, weil dem Gegner eine Verschnaufpause entgegengekommen wäre", sagte der Coach. Außerdem fing sich seine Mannschaft wieder. Trotz einiger Fehlversuche verkürzte der HVS II den Rückstand kontinuierlich. "Den Faden wollte ich nicht abreißen lassen."

Zur Pause betrug der Jessener Vorsprung dann nur noch vier Tore. "In der Kabine waren wir uns einig, dass wir es schaffen können, wenn wir nur energisch dran bleiben." Die Staßfurter betraten gewillt die Platte. Einen sicheren Rückhalt bot nun auch Andreas Jesse im Kasten, der den schwächelnden Jan Stein ablöste.

Der Vorsprung der Gäste schmolz kontinuierlich. "Wir haben nicht locker gelassen", sagte Kutzer. Spätestens beim 20:20 Mitte der zweiten Hälfte war nun wieder alles offen. Es entwickelte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, die Führung wechselte stetig. Kurz vor Schluss erhielt Jessen numerische Überlegenheit. Erst bekam Panzer eine Zeitstrafe, zwei Minuten später Christian Gödde. "In Unterzahl waren wir nicht mehr so stark", sagte Kutzer. Dennoch eroberte sich der HVS II in der letzten Minute die Führung. Die Gäste waren wenige Sekunden vor Abpfiff natürlich um einen schnellen Anwurf bemüht, doch der bis dahin starke Thomas Jesse boxte den Ball weg. Bei noch sechs Sekunden auf der Uhr sah er dafür Rot. Zwar brachte die Aktion wertvolle Sekunden ein, zieht aber zwei Spiele Sperre nach sich. Die sechs Sekunden reichten Jessen jedoch nicht mehr und es brach kollektiver Staßfurter Jubel aus.

Mit Mannschaftsleistung aus der kleinen Krise

"Der Sieg war für uns ganz wichtig. Wir wollten uns unbedingt aus der Krise befreien, da wir so weit unten in der Tabelle nicht hingehören", sagte der Trainer. Einen großen Anteil am Sieg hatten Keeper Andreas Jesse und Florian Panzer. Aber: "Zwei Spieler reichen nicht zum Gewinnen. Es war eine tolle Mannschaftsleistung."

Nach dem zweiten Heimsieg in Folge kletterten die Staßfurter auf den siebten Rang. Am Sonntag wartet mit Wittenberg bereits der nächste Härtetest.

HV Staßfurt II: A. Jesse, J. Stein - Rösler, A. Stein (2), T. Jesse (9/2), Korin (3), Gödde (3),Jedlitschka, Loose (3), Ilgenstein, Panzer (7), Spadt (1)

Siebenmeter: Staßfurt 3/2 - Jessen 4/2; Zeitstrafen: Staßfurt 4 - Jessen 4; Rot: Thomas Jesse (60., Unsportlichkeit) -Staßfurt-