Mit einer wahren Energieleistung und taktischer Disziplin haben die Handballerinnen des HC Salzland 06 den Tabellenführer der 3. Liga, die SG Kirchhof, am Sonntag mit 26:23 bezwungen. Doch die Geschichte des Erfolgs begann viel früher, Ende September des vergangenen Jahres.

Kirchhof/Staßfurt l Ausschlaggebend war bereits die Vorstellung im Hinspiel. Dieses verlor der HCS 06 zwar mit 21:30, er lag zur Pause aber lediglich mit 10:12 zurück und hatte in der ersten Halbzeit vieles richtig gemacht. Vor allem die 5-1-Deckung mit Thea Schwarz auf Spitze war ein wichtiger Faktor. "Allerdings", betonte Trainer René Linkohr, "habe ich den Fehler begangen, wieder auf die 6-0-Abwehr zurückzugehen, als Thea keinen echten Zugriff mehr auf den Rückraum bekam." Zwar war Joana Mihai weitgehend aus dem Spiel, aber in der Folge warfen sich Marieke Blase und Julia Diehl regelrecht heiß, sorgten für den entscheidenden Vorsprung der SG Kirchhof, der diesen bis zum Ende verwaltete.

Am vergangenen Sonntag nun wich Linkohr von seinem Konzept nicht ab. Der Rückraum der Gäste wurde von Schwarz konsequent angegangen, der "Wirbelwind" der "Wildgänse" zog beispielsweise Rafhae Ferreir Priolli den Nerv, sodass sie nur einen Treffer erzielte und mehrere Ballverluste sowie Fehlwürfe verursachte. Überhaupt waren die Gäste nicht souverän, produzierten insgesamt 19 Regel-Technik-Fehler und zwölf Fehlwürfe. Hinzu kamen die 15 Paraden von Keeperin Josephine Klauß. Die SG schloss also 46 Angriffe nicht erfolgreich ab - zu viele, um gegen einen aufopferungsvoll kämpfenden HCS bestehen zu können.

Wichtiger Unterschied zum Hinspiel waren die Positionsangriffe. Damals hatten sich die "Wildgänse" gegen die 6-0-Deckung aufgerieben, es war kaum ein Durchkommen. Diesmal allerdings waren sie von vielen Positionen sehr beweglich und torgefährlich. "Entscheidend war, dass wir gleich vorgelegt haben und Kirchhof zwar auf Tuchfühlung bleiben, aber nicht an uns vorbeiziehen konnte", betonte Linkohr. Ob mit guten Anspielen von Yvonne Sachse auf Kristin Schüler, kraftvollen Einzelaktionen von Thea Schwarz oder geduldigem Ausspielen un dem Wurf von der Außenposition - der HCS 06 hatte viele Varianten in petto, sodass die Abwehr der Gäste immer in großer Bewegung war und somit zuweilen die Zuordnung verlor.

Auch mental präsentierte sich der Gastgeber stark. Nach der Niederlage in Bayreuth, "als in der Schlussphase die Körpersprache nicht passte", war Salzland wie ausgewechselt. Und nicht einmal die dritte Zeitstrafe gegen Yvonne Sachse (52.), bis dahin Dreh- und Angelpunkt, ließ die Köpfe nach unten sinken. Im Gegenteil. "Die Pfiffe der Schiedsrichter haben uns trotzig gemacht, wir haben die Disziplin aber nie verloren", lobte Linkohr. "Und dann haben Sachen gepasst, die sonst nicht so reibungslos laufen."

Zum Beispiel der nahtlose Übergang von Carolin Beck auf Linksaußen, die Caroline Rosiak eine Pause verschaffte und mit einem wichtigen Treffer zum 25:23 (58.) sogleich auftrumpfte. Zuvor hatte bereits Victoria Göpel einen Ballverlust der Gäste mit dem Treffer zum 24:23 (57.) bestraft und damit den Weg zum dritten Sieg im vierten Rückrundenspiel geebnet.

"Es war ein Sieg der gesamten Mannschaft. Nun fahren wir natürlich mit Selbstbewusstsein nach Hahlen und wollen dort auch die zwei Punkte entführen", schaute Linkohr auf die kommende Partie voraus. Diese Geschichte begann Mitte Oktober mit einem 29:15-Sieg über den Tabellen-Vorletzten. Und sie soll möglichst ebenso erfolgreich abgeschlossen werden wie die gegen Kirchhof.