Hermsdorf (chj) l Jeder einzelne Handballer des HV Rot-Weiss Staßfurt war beim SV Hermsdorf in der Pflicht, da lediglich zwei Wechselalternativen zur Verfügung standen. Torhüter Sebastian Schliwa war sogar gänzlich auf sich allein gestellt. Trotz der personell ungünstigen Vorzeichen setzten sich die Bodestädter mit 24:23 (13:6) durch und vergrößerten damit den Vorsprung auf die Abstiegsränge der Mitteldeutschen Oberliga.

Durch Krankheiten, Verletzungen und Arbeit stand Trainer Uwe Mäuer nur ein Mini-Kader zur Verfügung. "Vielleicht ist die Luft in Thüringen besser", scherzte Kapitän Sebastian Retting. Überraschend übernahmen die Rot-Weissen früh das Zepter. Mit einer geringen Fehlerquote im Angriff und einer stabilen Defensive, die durch den bestens aufgelegten Schliwa abgerundet wurde, führten die Staßfurter zur Pause mit sieben Toren - und kassierten dabei nur sechs. Der Keeper bekam vom Kapitän ein Extralob für viele parierte Freie sowie zwei Siebenmeter. "Sebastian war stark."

Doch in der Pause folgte die nächste Hiobsbotschaft. Nils Hähnel konnte mit Schulterproblemen nicht weitermachen. Nicht umsonst riss Retting in der Kabine das Wort an sich. "Ich habe gesagt, dass die zweite Halbzeit sehr schwer wird und das jeder einzelne alles reinwerfen musste." Es ging um keinen Schönheitspreis, einzig und allein um die Punkte. "Man muss dann auch mal liegen bleiben oder ein wenig auf Zeit spielen", erklärte der Rückraumspieler.

Retting sollte recht behalten, denn die zweite Hälfte hatte es in sich. Vor allem die lautstarke Zuschauerkulisse sorgte dafür, dass ein Feuerwerk an Emotionen gezündet wurde. Dieses gipfelte in der 47. Minute darin, dass Hermsdorf Zeitstrafen sammelte, darunter auch die Bank. Die Zuschauer hielt es nicht auf den Sitzen, einige versuchten , auf die Platte zu gelangen, andere warfen Gegenstände. "Aber wir haben uns von der Atmosphäre nicht anstecken lassen", erklärte Staßfurts Kapitän. In der Folge standen beim Gastgeber plötzlich nur noch zwei Spieler auf der Platte. Doch die Gemüter beruhigten sich wieder.

In der Schlussphase hielten die Gäste ihren Vorsprung, meist waren es zwei oder drei Tore. In der letzten Minute nahm Mäuer noch eine Auszeit. Doch gerade in der Sekunde, in der er die Grüne Karte ablegte, hatte Eike Rach die Chance, einen Drei-Tore-Vorsprung einzunetzen, aber der Treffer wurde nicht mehr gegeben. Retting scherzte, dass "eine Kiste Kaltgetränke" wohl dafür Pflicht sei, nahm den Coach aber in Schutz, da Zehntelsekunden entscheidend waren und Mäuer sicher nicht wissentlich ein sicheres Tor unterbrach. "Am Ende haben wir den Sieg trotzdem über die Zeit gebracht."

Der Jubel war groß bei den Staßfurter. Aber auch nicht zu groß, "da wir aufpassen mussten, die Hermsdorfer Fans nicht zu provozieren", wie Retting erklärte und anfügte: "Der Sieg war wichtig für die Moral. Manchmal ist weniger eben mehr." So hatte niemand eine Ausrede, alle waren in der Pflicht und erfüllten sie.

Aber der Sieg war nicht nur wichtig für die Moral, sondern auch für die Tabelle. Der HVS festigte seinen Rang im Mittelfeld, ist als Siebter nur einen Zähler von Platz vier entfernt und hat nun ein Polster von acht Punkten auf den voraussichtlich ersten Abstiegsrang, den derzeit Zwickau belegt. In dieser komfortablen Lage haben die Staßfurter nun zwei Wochen Zeit, ihre Blessuren auszukurieren, ehe sie Einheit Plauen empfangen.

HV Staßfurt: Schliwa - Dittmar (1), Fuhrmann, Retting (6/2), Jacobi (5), Rach (2), Hähnel (3), Scholz (4/1), Secara (3)

Siebenmeter: Hermsdorf 4/2 - Staßfurt 6/3; Zeitstrafen: Hermsdorf 9 - Staßfurt 8; Rot: Tobias Högl, Betreuer Peter Högel (beide 47.) -Hermsdorf-